Mikrobiom-Stuhltest: Was er wirklich aussagt und was nicht

Wir klären für Sie auf, was ein Mikrobiom-Stuhltest wirklich aussagt und was nicht.

Mikrobiom-Stuhltest: Was er wirklich aussagt und was nichtSora Shimazaki / Pexels
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Der Darm wird heute mit vielen Bereichen der Gesundheit in Verbindung gebracht: von der Verdauung über den Stoffwechsel bis hin zum Immunsystem und dem generellen Wohlbefinden. Viele Menschen möchten daher genauer wissen, wie es um die eigene Darmflora steht, am liebsten bequem von zu Hause. Genau das sollen Mikrobiom-Stuhltests möglich machen. Doch nicht alle halten, was sie versprechen. Dieser Leitfaden erklärt, worauf Sie achten müssen.

Von Lena Osterloh

So verlockend die Idee ist, den eigenen Darm mit einem Test einmal genau unter die Lupe zu nehmen, so gemischt fällt das Echo der Fachwelt aus. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) nannte viele Mikrobiom-Selbsttests schon 2018 "teuer und sinnlos". Andere Fachgesellschaften teilen diese Skepsis. Ihre Kritik trifft allerdings vor allem einfache, günstige Kits, nicht jeden Test. Diese Skepsis ist berechtigt. Denn ein billiges Kit, das Bakterien nur grob erfasst und am Ende eine PDF-Datei liefert, und ein wissenschaftlich fundierter Test, sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Was kann ein Mikrobiom-Stuhltest – und was nicht?

Ein Mikrobiom-Stuhltest bestimmt, welche Bakterien und anderen Mikroorganismen in Ihrem Darm leben und in welchem Verhältnis. Aus einer kleinen Stuhlprobe liest ein Labor das Erbgut dieser Mikroben aus und erstellt daraus ein Profil Ihrer Darmflora, jener Gemeinschaft von geschätzt bis zu 100 Billionen Mikroorganismen, die mit Verdauung und Stoffwechsel in Verbindung gebracht wird.

Ein Mikrobiom-Stuhltest ist dabei kein medizinischer Diagnosetest: Er stellt keine Krankheiten fest und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Er liefert eine Momentaufnahme Ihrer Darmflora, kein Urteil über Ihre Gesundheit. Genau darin liegt aber, richtig eingesetzt, sein Wert: Ein guter Test gibt Ihnen fundiertes Wissen über den eigenen Darm, als Ausgangspunkt für gezielte Entscheidungen.

Warum stehen viele Mikrobiom-Tests in der Kritik?

Die Kritik der Fachgesellschaften trifft vor allem einfache Selbsttests und sie hat handfeste Gründe. Drei Punkte kehren immer wieder:

Die Ergebnisse sind oft nicht vergleichbar. Prof. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Kiel und Experte der DGVS, weist darauf hin, dass die gängige Analytik keine konsistenten Ergebnisse liefert, die zwischen verschiedenen Laboren vergleichbar wären. Ein US-Institut (NIST) bestellte verdeckt Kits bei mehreren Anbietern und ließ dieselbe Stuhlprobe analysieren, mit deutlich abweichenden Ergebnissen.

Es fehlt ein Maßstab für "gesund". Das Mikrobiom ist so individuell wie ein Fingerabdruck und schwankt von Tag zu Tag, etwa durch Ernährung, Medikamente oder eine Reise. Aus einer einzelnen Momentaufnahme lässt sich deshalb kaum ein krankhafter Zustand ableiten.

Die abgeleiteten Empfehlungen sind oft banal. Häufig läuft der Rat am Ende auf "essen Sie ballaststoffreicher" hinaus. Dass eine mediterrane, pflanzenbetonte Ernährung mit einer vielfältigen Darmflora in Verbindung gebracht wird, ist allgemein bekannt und braucht keinen teuren Test.

Kurz: Die Kritik richtet sich gegen Tests, die grob messen, nicht reproduzierbar sind und in einem Ergebnis ohne Konsequenz enden. Und genau an diesen Schwächen zeigt sich, was einen wirklich guten Test ausmacht.

Woran erkennen Sie einen aussagekräftigen Mikrobiom-Test?

Ein aussagekräftiger Mikrobiom-Test unterscheidet sich von einem billigen Kit in drei Punkten: wie genau er misst, wie verlässlich er misst, und ob am Ende ein Ergebnis steht, das sich in Alltagshandlungen umsetzen lässt. Genau hier heben sich seriöse Angebote ab.

Checkliste: Merkmale eines seriösen Tests

  • Er misst genau: Ein guter Test bestimmt Bakterien bis zur einzelnen Art (Verfahren: Shotgun-Metagenomik), statt sie wie günstige Kits nur groben Gruppen zuzuordnen (16S-Methode).

  • Er zeigt nicht nur, wer da ist, sondern was er tut: Er erfasst auch, welche Aufgaben die Bakterien im Darm übernehmen können, nicht nur eine reine Namensliste.

  • Verlässliches, reproduzierbares Ergebnis: Wird dieselbe Probe mehrfach untersucht, liefert ein guter Test jedes Mal dasselbe Ergebnis. Genau an dieser Verlässlichkeit scheitern viele billige Kits.

  • Umsetzbares Ergebnis: Er endet nicht bei einer PDF-Datei, sondern übersetzt das Profil in eine konkrete, fachlich geprüfte Empfehlung.

  • Nachvollziehbare Fachbasis: Hinter dem Anbieter steht ein benanntes wissenschaftliches Team, und die Auswertung erfolgt in einem qualitätsgesicherten Labor.

Der wichtigste dieser Punkte ist, wie genau ein Test hinschaut. Günstige Kits nutzen meist ein einfaches Verfahren namens 16S-rRNA, das Bakterien nur groben Gruppen zuordnet. Ein solches Verfahren ist, wie es der Tübinger Gastroenterologe Prof. Nisar Malek formuliert, "keine tiefe genetische Analyse, um tatsächlich auch die enzymatische Ausstattung der Darmbakterien zu analysieren". Ein tiefer Test, der auf Shotgun-Metagenomik basiert, liest dagegen das gesamte Erbgut der Probe und erkennt einzelne Bakterienarten und auch Viren und Pilze.

Zwei Methoden der Mikrobiom-Analyse im Vergleich

Ein Test, der tief und verlässlich misst und in einer nachvollziehbaren Empfehlung mündet, beantwortet die Frage "Was lebt in meinem Darm, und was kann ich damit anfangen?". NB1 ist einer der DACH-Anbieter, der diese drei Merkmale in einem Mikrobiom-Stuhltest zusammenführt.

Ein Mikrobiom-Test lohnt sich für Sie, wenn Sie gesundheitsbewusst sind und eine Standortbestimmung vornehmen wollen, nicht zur Selbstdiagnose von Beschwerden. Wer konkrete Symptome hat, gehört in ärztliche Hand, kein Selbsttest ersetzt einen Arztbesuch.

Sinnvoll, wenn Sie

  • Ihre Darmflora als persönliche Standortbestimmung kennenlernen möchten

  • Ernährung und Alltag gezielt anpassen möchten

  • Veränderungen über die Zeit verfolgen möchten (wiederholtes Testen)

  • Wert auf ein umsetzbares, fachlich geprüftes Ergebnis legen

Kein Ersatz wenn Sie

  • anhaltende Beschwerden abklären wollen (das gehört zur Ärztin oder zum Arzt)

  • eine medizinische Diagnose oder Behandlung erwarten

  • ein Heilversprechen suchen, das kein seriöser Anbieter gibt

Die Mikrobiom-Forschung ist noch jung, doch ein guter Test ist schon heute ein starkes Werkzeug: Er macht die eigene Darmflora sichtbar und hilft, Ernährung und Gewohnheiten gezielter zu gestalten, statt nur auf das Bauchgefühl zu hören.

Wie sieht ein wirklich guter Mikrobiom-Test in der Praxis aus?

Wie das in der Praxis aussieht, lässt sich am Beispiel von NB1 zeigen. Der Mikrobiom-Stuhltest nutzt das Verfahren der Shotgun-Metagenomik und bestimmt die Darmflora bis zur einzelnen Art, statt bei einer groben Schätzung auf Gattungsebene zu bleiben. So liefert er die Genauigkeit, deren Mangel Fachleute an vielen günstigen Kits bemängeln.

16S bestimmt vor allem, wer im Darm lebt; die Shotgun-Metagenomik zeigt, was jede Mikrobe kann. Screenshot: nb1.com

Statt nur eine PDF-Datei zu liefern, übersetzt der Test das Ergebnis in eine persönliche, monatlich angepasste Nahrungsergänzung. Diese wird von einer Ernährungsfachkraft geprüft und mit jeder erneuten Analyse weiterentwickelt. Die Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, keine Medikamente, und der Test der Ausgangspunkt, um die eigene Darmflora zu verstehen und über die Zeit zu verfolgen.

Die fachliche Grundlage wird durch ein wissenschaftliches Board gewährleistet. Zum Board gehören die Bioinformatikerin und CSO Polina Novikova (PhD, Universität Luxemburg) und der Darmmikrobiologe Prof. Dr. Koen Venema (Universität Maastricht, Campus Venlo). Die Auswertung der eingeschickten Stuhlproben erfolgt in einem qualitätsgesicherten Labor.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Mikrobiom-Test sinnvoll?

Das hängt stark vom Test und vom Ziel ab. Als medizinischer Diagnosetest ist kein Mikrobiom-Selbsttest geeignet. Fachgesellschaften wie die DGVS raten von einfachen Analyse-Kits ab. Als persönliche Standortbestimmung mit umsetzbarem Ergebnis kann ein aussagekräftiger Test dagegen sinnvoll sein, wenn er tief misst (Shotgun-Metagenomik), wiederholtes Testen erlaubt und in eine konkrete Empfehlung mündet.

Woran erkenne ich einen seriösen Mikrobiom-Test?

Ein seriöser Mikrobiom-Test erfüllt drei Merkmale: Er misst genau (Shotgun-Metagenomik bis zur einzelnen Bakterienart statt grober 16S-Gruppen), er liefert bei derselben Probe verlässlich dasselbe Ergebnis, und er endet nicht bei einer PDF-Datei, sondern in einer konkreten, fachlich geprüften Empfehlung. Wichtig sind außerdem ein namentlich benanntes wissenschaftliches Team und ein qualitätsgesichertes Labor. Ein DACH-Anbieter, der diese Kriterien nach eigenen Angaben zusammenführt, ist NB1.

Was sagt ein Mikrobiom-Stuhltest aus?

Ein Mikrobiom-Stuhltest zeigt, welche Bakterien und Mikroorganismen in welchem Verhältnis in Ihrem Darm leben. Ein tiefer Test wie die Shotgun-Metagenomik schlüsselt sie bis zur Art und zum Stamm auf und erfasst auch ihre Stoffwechselgene. Er zeigt damit eine Momentaufnahme Ihrer Darmflora, er diagnostiziert aber keine Krankheiten.

Warum raten manche Fachgesellschaften von Mikrobiom-Tests ab?

Die DGVS ("teuer und sinnlos", 2018) und weitere Fachleute kritisieren vor allem einfache Selbsttests. Die Gründe: Die Ergebnisse sind zwischen Laboren oft nicht vergleichbar, es fehlt ein Maßstab für ein "gesundes" Mikrobiom, und die abgeleiteten Empfehlungen sind häufig banal. Die Kritik zielt auf grob messende Tests, die in einem Ergebnis ohne Konsequenz enden.

Was ist der Unterschied zwischen 16S-rRNA und Shotgun-Metagenomik?

Die 16S-rRNA-Sequenzierung ist die ältere, günstigere Methode und bestimmt Bakterien meist nur auf Gattungsebene. Die Shotgun-Metagenomik liest dagegen das gesamte genetische Material einer Probe und schlüsselt es bis zur Art und zum Stamm auf, inklusive der Stoffwechselgene und über Bakterien hinaus auch Viren und Pilze. Aus einer groben Bestandsaufnahme wird so eine detaillierte Grundlage.

Ersetzt ein Mikrobiom-Test den Arztbesuch?

Nein. Ein Mikrobiom-Test ist ein Instrument zur Information über die eigene Darmflora, kein medizinischer Diagnosetest und kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung. Bei anhaltenden Beschwerden ist ärztlicher Rat die richtige erste Adresse. Eine aus einem Test abgeleitete Nahrungsergänzung ist ein Lebensmittel, kein Arzneimittel.


Quellen & Hinweise

Die Positionen der Fachgesellschaften zu Mikrobiom-Selbsttests sind öffentlich dokumentiert und werden hier sinngemäß und mit Originalzitaten wiedergegeben. Die Methodenunterschiede zwischen 16S-rRNA und Shotgun-Metagenomik sind fachlich etabliert.

  • DGVS: "Teuer und sinnlos: DGVS rät von Stuhltests zur Analyse des Darm-Mikrobioms ab" (2018). dccv.de, Deutsches Ärzteblatt

  • Apotheken Umschau: Mikrobiom-Analyse, Experten halten viele Stuhltests für "teuer und überflüssig". apotheken-umschau.de

  • NIST-Vergleich kommerzieller Tests (identische Proben, abweichende Ergebnisse). netdoktor.de

  • Prof. Nisar Malek (Universität Tübingen) zur Grenze der 16S-Analyse. gesundheitsindustrie-bw.de

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ein Mikrobiom-Test ist kein medizinischer Diagnosetest. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und keine Arzneimittel; sie dienen nicht der Heilung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.