
Herbstferien klingen nach Entspannung, enden aber oft in Verhandlungen über Handyzeiten, Tagesausflüge und die Frage, wer sich wann zurückziehen darf. Dabei lässt sich mit ein wenig Vorbereitung und den richtigen Absprachen viel Reibung vermeiden. Sieben Stellschrauben machen aus stressigen Ferientagen tatsächlich erholsame Familienzeit.
Warum gerade jetzt so viele Familien an ihre Grenzen kommen
Herbstferien sind kürzer als der Sommerurlaub, aber nicht weniger anspruchsvoll. Schule, Termine und Alltagspflichten liegen dicht beieinander, und die freien Tage sollen gleichzeitig Erholung, gemeinsame Zeit und Ausgleich bringen. Kein Wunder, dass die Erwartungen oft höher sind als die tatsächlich verfügbare Energie.
Dass Familienzeit unter Druck steht, zeigt eine österreichweite Studie im Auftrag von SOS-Kinderdorf: Mehr als jeder zweite Jugendliche wünscht sich darin mehr gemeinsame Freizeitaktivitäten mit der Familie. Genervte Blicke beim Ausflugsvorschlag bedeuten also nicht automatisch Ablehnung, sagt Michaela Rimser von „Rat auf Draht". Es lohnt sich, Energie in gemeinsame Unternehmungen zu investieren, auch wenn die Begeisterung nicht sofort sichtbar wird.
Was Erziehungsberaterinnen zur Urlaubsplanung raten
Wohin geht die Reise, und wer darf mitentscheiden? Genau hier beginnt nach Einschätzung der Schweizer Erziehungsberaterin und Buchautorin Maren Tromm der entspanntere Urlaub. Je älter die Kinder, desto mehr Mitbestimmung sollten sie laut Tromm bekommen. Ab dem Grundschulalter sollten Kinder gefragt und angehört werden, empfiehlt sie. So lernen sie, dass ihre Meinung zählt, und das sei auch ein Erziehungsziel.
Natürlich lässt sich nicht jeder Kinderwunsch erfüllen. Wenn der Nachwuchs am liebsten drei Wochen im Freizeitpark verbringen würde, bleibt davon realistisch ein oder zwei Tage als Teil der Reise. Auch Katrin Kursch vom Jugendpsychologischen Institut Essen-Steele rät dazu, Wünsche und Gefühle von Kindern ernst zu nehmen und, wo möglich, einzubeziehen. Vor Ort kann es helfen, abwechselnd über Aktivitäten zu entscheiden, etwa durch kleine Lockangebote wie ein Tiergehege am Wanderweg, wenn Frustmomente drohen.
Sieben Stellschrauben für entspannte Ferientage
Getrennte Aktivitäten zulassen. Nicht jede Minute muss gemeinsam verbracht werden. Freiräume einzuplanen sei superwichtig, sagt Tromm, denn gerade Eltern wünschen sich im Urlaub auch mal Zeit für sich allein. Auch Jugendliche haben oft den Wunsch nach Rückzug, und ein vereinbartes Maß an Bildschirmzeit kann hier entlasten.
Betreuung nutzen, aber ohne Zwang. Kidsclubs und Ganztagsbetreuung in Hotels können wertvolle Paar-Zeit schaffen. Ein Kind in fremder Umgebung zur Betreuung zu zwingen, rät Tromm jedoch klar ab. Besser ist es, vorab zu klären, wie viel gemeinsame Zeit sich die Familie wünscht und wann jeder Einzelne Raum für sich braucht.
Klare Rollen bei Mehrgenerationen-Reisen. Reisen Oma und Opa mit, empfiehlt Tromm, Verantwortlichkeiten vorab festzulegen: Wer eine Aufgabe übernimmt, bestimmt auch die Regeln dazu. Das verhindert, dass etwa die Großeltern Entscheidungen der Eltern im Nachhinein aufweichen.
Ein Codewort für Stressmomente. Ein vorab vereinbartes Wort kann helfen, aufschaukelnde Situationen rechtzeitig zu stoppen. Besonders wirkungsvoll sind Begriffe, die positive Gefühle auslösen, etwa „Erdbeerkuchen", oder spielerische Lautwörter wie „Mööp" oder „Trööt". Wichtig ist, dass alle Familienmitglieder das Wort kennen und akzeptieren.
„Nichtstun"-Zonen einrichten. Ein fester Ort oder eine feste Zeit, an der sich jeder zurückziehen darf, wirkt beruhigend, gerade wenn die Familie auf engem Raum zusammenlebt. Eine Hängematte kann ein solcher Rückzugsort sein: Liegt Mama darin, hat sie Me-Time, und Papa übernimmt.
Wie das Urlaubsgefühl den Alltag übersteht
Der Koffer ist ausgepackt, die Wäscheberge warten, der Kühlschrank ist leer, und schon holt der Alltag die Familie wieder ein. Genau hier entscheidet sich, wie lange die Erholung anhält. Der Berliner Biopsychologe Peter Walschburger rät, den richtigen Rhythmus zwischen Entspannung und Belastung zu finden. Im Urlaub seien Familien befreit von den Fesseln des Alltags, sagt er, und genau diese Freiheit lohnt es sich, in kleinen Ritualen mitzunehmen.
Konkret heißt das: bewusst Zeiten suchen, in denen selbstbestimmtes Handeln möglich bleibt, und Bewegung an frischer Luft als Ausgleich nutzen. Der Bremer Ehe- und Lebensberater Hartmut Ladwig empfiehlt zudem, private Mails nur abends abzurufen und das Handy nachts auszuschalten. Gemeinsame Mahlzeiten wie im Urlaub, und sei es nur eine halbe Stunde am Abend, helfen, das gute Gefühl der Erholung zu bewahren.
Der erste Schritt für entspannte Herbstferien
Setzen Sie sich noch vor der Abreise mit der ganzen Familie zusammen. Klären Sie, wer welche Wünsche hat, legen Sie ein gemeinsames Codewort fest, und überlegen Sie, wo im Urlaub Rückzugsorte entstehen können. Diese zehn Minuten Vorbereitung sparen oft tagelangen Ferienfrust.
Auf einen Blick
Kinder ab dem Grundschulalter sollten in die Urlaubsplanung einbezogen werden.
Getrennte Aktivitäten und „Nichtstun"-Zonen verhindern Konflikte auf engem Raum.
Ein gemeinsames Codewort wie „Erdbeerkuchen" hilft, Streit rechtzeitig zu stoppen.
Rituale aus dem Urlaub, etwa gemeinsame Mahlzeiten, verlängern das Erholungsgefühl im Alltag.


