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Wenn Sport zwar fit macht, typische Problemzonen aber bleiben oder schmerzen, lohnt ein genauer Blick.
Adipositas und Lipödem werden im Alltag oft in einen Topf geworfen, vor allem, da beides mit Gewicht und Körperumfang zu tun haben kann. Dann folgt schnell der Standardrat: mehr Sport, weniger essen, abnehmen. Für manche Betroffene ist aber genau das der Punkt, an dem die Verunsicherung beginnt: Wenn Sport und Diät zwar Fitness bringen, die auffälligen "Problemzonen" an Beinen oder Armen aber kaum reagieren oder die Beschwerden sogar zunehmen, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Nicht, weil Sport "falsch" wäre – sondern weil hinter den hartnäckigen Problemzonen auch eine krankhafte Fettverteilungsstörung stecken kann: das Lipödem.
Auch hier gilt: Bewegung ist empfohlen, fühlt sich doch oft wie das Gegenteil von Entlastung an. Druckgefühl, Schwellungen, schnelle blaue Flecken oder Schmerzen – viele Betroffene ziehen daraus einen naheliegenden Schluss: lieber wenig oder gar keinen Sport machen. Doch auf Dauer ist völliges Schonen selten die beste Strategie. Entscheidend ist nicht wie viel, sondern welcher Sport in welchem Tempo ausgeübt wird.
Laura Bernunzo ist Lipödem-Coach bei S-thetic. Sie kennt dieses Dilemma nicht nur aus ihrem beruflichen Austausch mit Betroffenen, sondern auch aus eigener jahrelanger Betroffenheit und Erfahrung. Sie erlebt immer wieder, wie frustrierend es sein kann, sich durch Empfehlungen zu testen und nach einer Einheit das Gefühl zu haben, einen hohen Preis "bezahlt" zu haben.
In Lauras Beratung steht nicht Leistung im Mittelpunkt, sondern Machbarkeit: Sport soll sich gut anfühlen, sodass man ihn wiederholen kann, ohne jedes Mal starke Beschwerden zu riskieren.
Darauf sollten Sie unbedingt achten
Lipödem verläuft sehr individuell, trotzdem zeigen sich bei der Auswahl und Durchführung von Sportarten typische Kriterien, die vielen helfen:
• Gelenke schonen statt Stoßbelastung: Weniger Springen & weniger harte Landungen
• Kontrollierbare Intensität: Tempo, Widerstand und Dauer fein dosieren
• Regelmäßigkeit vor Extrem-Einheiten: Lieber kürzer & öfter als selten & zu stark
• Regeneration gehört dazu: Fortschritt entsteht auch durch Pausen
Lauras Tipps: Sportarten, die viele gut vertragen
1. Wassertraining – z. B. Schwimmen oder Aqua-Fitness
Im Wasser ist der Körper leichter, Bewegungen sind oft schmerzärmer und gelenkschonend. Für viele ist das der niedrigschwelligste Einstieg, weil Belastung und Erholung sich ausgewogener anfühlen.
2. Radfahren oder auch Ergometer
Die Intensität ist gut steuerbar, ideal, um Ausdauer aufzubauen, ohne starke Stoßbelastung. Wer nach dem Training schnell schwere Beine bekommt, startet besser mit moderaten Einheiten und steigert sich langsam.
3. Nordic Walking
Für viele eignet sich Nordic Walking als solider Alltags-Sport: gleichmäßige Bewegung, meist gut dosierbar, mit zusätzlicher Aktivierung über die Arme durch Stöcke.
4. Pilates & Yoga in sanften Formen
Diese Art Sport hilft weniger um Kalorien verbrennen, dafür aber umso mehr für das eigene Körpergefühl, Mobilität, Stabilität und die Stressregulation. Wichtig: Positionen anpassen, keine Schmerzen "wegatmen" und auf keinen Fall in Extreme zwingen.
Sportarten, die mit Vorsicht möglich sind
1. Krafttraining
Krafttraining kann sinnvoll sein, um die Stabilität, Haltung, Alltagskraft zu stärken. Entscheidend ist hier die Umsetzung: Technik sauber, Gewichte moderat, Pausen lieber großzügig. Viele fahren besser mit einem Plan, der nicht auf maximale Erschöpfung zielt, sondern auf kontrollierte Wiederholbarkeit.
2. Joggen, HIIT mit Sprüngen & Kontaktsport
Diese Art von Bewegung ist für manche Betroffene machbar, für viele aber ein Trigger: Stoßbelastung, Mikrostöße, hohe Intensität und das Risiko für blaue Flecken steigt deutlich. Wenn danach regelmäßig Schwellung, Schmerzen oder lange Erschöpfung folgt, ist das ein klares Signal, umzusteuern.
Am Ende zählt nicht, ob sich ein Training "hart" anfühlt, sondern ob es Sie verlässlich voranbringt. Wenn Sie nach dem Sport eher stabiler, beweglicher und insgesamt besser durch den Alltag kommen, passt die Richtung. Und wenn nicht: Dann ist das kein Scheitern, sondern ein Signal, klüger zu wählen, damit Bewegung zu etwas wird, das langfristig vor allem Spaß und Entlastung bringt.