Stammzellen für die Familie: Warum das Nabelschnurblut eines Kindes auch Geschwistern helfen kann

Viele Entscheidungen rund um die Geburt lassen sich später noch nachholen. Die Wahl des Kinderwagens, die Einrichtung des Kinderzimmers oder die Anmeldung zum Babyschwimmen können auch noch Wochen oder Monate nach der Geburt getroffen werden.

Mutter hält Neugeborenes in der Hand© iStock/NataliaDeriabina

Eine Entscheidung ist jedoch nur in einem sehr kurzen Zeitfenster möglich: die Einlagerung von Nabelschnurblut direkt nach der Geburt. 

Viele werdende Eltern wissen nicht, dass das Blut aus der Nabelschnur wertvolle Stammzellen enthält. Noch weniger bekannt ist, dass diese Stammzellen unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur dem Kind selbst, sondern auch Geschwistern helfen können. 

Deshalb entscheiden sich immer mehr Familien dafür, Nabelschnurblut als zusätzliche Gesundheitsvorsorge für die Zukunft aufzubewahren. 

Warum Nabelschnurblut so besonders ist 

Nach der Geburt verbleibt in der Nabelschnur und der Plazenta eine kleine Menge kindliches Blut. Dieses sogenannte Nabelschnurblut enthält blutbildende Stammzellen. 

Diese Stammzellen werden bereits heute bei der Behandlung zahlreicher schwerer Erkrankungen eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Formen von Leukämie, angeborene Blutkrankheiten oder schwere Erkrankungen des Immunsystems. 

Das Besondere: Die Stammzellen stammen von einem Neugeborenen und sind deshalb besonders jung und vital. Sie wurden noch nicht durch Alterungsprozesse, Krankheiten oder Umwelteinflüsse belastet. Genau deshalb gelten sie als eine wertvolle Ressource für die moderne Medizin. 

Nabelschnurblut und Geschwister: Wenn eine frühe Entscheidung später wichtig wird 

Wenn ein Kind geboren wird, denkt kaum jemand daran, dass die eingelagerten Stammzellen Jahre später vielleicht für ein weiteres Familienmitglied relevant werden könnten. 

Doch genau das kann passieren. 

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Nabelschnurblut eines Kindes auch für Geschwister genutzt werden. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende genetische Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger und eine Eignung des Nabelschnurblutes für die Behandlung Dritter. 

Sollte bei einem Geschwisterkind später eine schwere Erkrankung auftreten, kann eine bereits vorhandene Stammzellquelle innerhalb der Familie eine wichtige Therapieoption darstellen. 

Natürlich sind solche Situationen selten. Dennoch zeigen sie, dass die Einlagerung von Nabelschnurblut weit über die Vorsorge für das Neugeborene hinausgehen kann. 

HLA-Kompatibilität: Warum Geschwister häufig gute Voraussetzungen mitbringen 

Damit eine Stammzelltransplantation erfolgreich durchgeführt werden kann, müssen bestimmte Gewebemerkmale von Spender und Empfänger möglichst gut zusammenpassen. Fachleute sprechen dabei von der sogenannten HLA-Kompatibilität. 

Da Geschwister einen Teil ihrer genetischen Merkmale von denselben Eltern erben, ist die Wahrscheinlichkeit einer passenden Übereinstimmung innerhalb der Familie vergleichsweise hoch. 

Bei Geschwistern biologisch gleicher Eltern besteht eine Chance von etwa 25 Prozent, dass die Gewebemerkmale vollständig übereinstimmen. Deshalb werden Geschwister bei einer erforderlichen Stammzelltransplantation häufig zuerst als mögliche Spender geprüft. 

Die genetische Übereinstimmung macht Geschwister zu wichtigen potenziellen Stammzellspendern – und eingelagertes Nabelschnurblut zu einer besonderen Vorsorgeoption für die Familie. 

Wenn aus Geschwistern Lebensretter werden 

Die sogenannte Geschwisterspende ist keine theoretische Möglichkeit, sondern wird bereits heute erfolgreich eingesetzt. 

Weltweit gibt es dokumentierte Fälle, in denen Stammzellen aus eingelagertem Nabelschnurblut zur Behandlung schwerer Erkrankungen bei Geschwistern verwendet wurden. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Blutkrankheiten oder Erkrankungen des Immunsystems. 

Auch in Deutschland konnten Familien bereits von solchen Anwendungen profitieren. 

Diese Beispiele zeigen, dass Nabelschnurblut nicht nur ein medizinischer Rohstoff für die Zukunft ist, sondern schon heute konkrete therapeutische Möglichkeiten eröffnen kann. 

Private Stammzelleneinlagerung als Vorsorge für das Neugeborene und seine Geschwister 

Die private Stammzelleneinlagerung verfolgt das Ziel, die Stammzellen eines Kindes langfristig für die eigene Familie verfügbar zu halten. 

Im Gegensatz zu einer öffentlichen Spende bleibt das eingelagerte Nabelschnurblut für das Kind und seine Familie reserviert. Dadurch kann im Bedarfsfall schnell darauf zugegriffen werden. 

Für viele Eltern steht dabei zunächst die Vorsorge für das Neugeborene im Vordergrund. Gleichzeitig kann die Einlagerung jedoch auch eine zusätzliche Absicherung für spätere Geschwister darstellen. 

Eine besondere Rolle spielt hierbei die Familienoption von Vita 34. Vita 34 prüft das eingelagerte Nabelschnurblut auch auf seine Eignung als Familientransplantat. Passen dann auch die Gewebemerkmale überein, kann das Nabelschnurblut auch für Geschwister therapeutisch genutzt werden. 

So funktioniert die Einlagerung 

Die Entnahme des Nabelschnurbluts erfolgt direkt nach der Geburt und erst nach dem Durchtrennen der Nabelschnur. 

Für Mutter und Kind ist die Entnahme: 

  • schmerzfrei 

  • risikolos 

  • nicht invasiv 

Anschließend wird das Nabelschnurblut in einem spezialisierten Labor aufbereitet und bei sehr niedrigen Temperaturen dauerhaft konserviert. So bleiben die enthaltenen Stammzellen langfristig erhalten. 

Eine Entscheidung für heute – mit Blick auf morgen 

Niemand kann vorhersagen, welche gesundheitlichen Herausforderungen die Zukunft bereithält. Fest steht jedoch: Die Möglichkeit, Nabelschnurblut einzulagern, besteht nur einmal – direkt nach der Geburt. 

Für viele Familien ist die private Stammzelleneinlagerung deshalb eine Form der biologischen Vorsorge. Nicht nur für das Neugeborene selbst, sondern möglicherweise auch für Geschwister und andere nahe Angehörige. 

Aus einer kleinen Menge Blut kann so eine wertvolle Ressource werden – und im besten Fall eine zusätzliche Chance für die Gesundheit der ganzen Familie.