Yoga Frühe Pioniere

Wer glaubt, seine Asanas wären ein indisches Exportprodukt aus vergangenen Zeiten, der liegt ein wenig falsch auf der Matte. Die Wahrheit: Yoga ist eine lebendige Philosophie, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder neu erfunden hat.

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Frühe Pioniere

In Deutschland schlossen sich die frühen Pioniere vor genau 40 Jahren zum Berufsverband der Yogalehrenden (BDY) zusammen. Eine Initialzündung, die den Weg in Volkshochschulen und kirchliche Einrichtungen ebnete. Praktizierte man die Asanas bis dato meist hinter verschlossenen Türen nach Büchern, konnte man nun in aller Öffentlichkeit gemeinsam „Hund“, „Baum“ oder „Kobra“ üben. Als einer der Vorreiter öffnete man in Nürnberg die Volkshochschule für angehende Yogis, wie sich Marco Bielser vom BZ Nürnberg erinnert: „Wir haben schon 1958 den ersten Kurs angeboten und bald erkannt, dass Yoga viel mehr Potenzial hat und aus der Esoterik-Ecke raus muss.“

Denn selbst in den ach so befreiten 70ern waren die Ressentiments noch groß. Während Abenteuerlustige sich an indischen Traditionen wie Sivananda-, Iyengar- oder Viniyoga versuchten, setzten andere vorsichtshalber erst einmal auf den Entspannungseffekt. So durften VITAL-Leserinnen 1972 die „verwirrende Vielfalt von Yoga-Richtungen, ein bisschen Humbug mit langbärtigen Gurus und eine labyrinthische Philosophie“ beiseite lassen, um einfach zu relaxen.

Sogar in den fitnesswütigen 80ern zielte die VITAL-Gymnastik in erster Linie auf Entspannung ab – obgleich die Asanas im angesagten Jane-Fonda-Look vorgeturnt wurden. Das Relax-Klischee hielt sich bis in die 90er Jahre: Om-Singen zu Patschuli- Duft, die auf Indien- Atmosphäre getrimmten Hinterzimmer und das totale Entspannen unterm Guru-Konterfei auf dem Schaffell. „Irgendwann spürte ich, dass das Wie nicht zu mir und den Anforderungen passte, die mein Leben mir stellte. Ich wollte mich körperlich intensiver spüren“, erinnert sich Yoga-Lehrerin Sonja Eigenbrod aus Berlin an ihre Rebellion gegen die traditionellen Stile zurück.