26. Februar 2010
Kranking - das neue Ausdauertraining

Kranking - das neue Ausdauertraining

Jetzt ist der Oberkörper dran: VITAL-Assistentin Christin Kröger testet das neue Ausdauertraining Kranking und aktiviert dabei ihre Armmuskulatur.

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Schnell, schneller”, klingt es in meinem Kopf nach. Ich drehe am Rad. Besser gesagt: Meine Arme drehen an einer Kurbel. „Und jetzt den Widerstand erhöhen und schön gleichmäßig rotieren“, ruft mir Johnny Goldberg zu, der nicht nur Erfinder der neuen Ausdauer- und Kraftsportart Kranking ist, sondern auch Ur-Vater des Indoor-Cyclings. Ich stelle das Gewicht mit der rechten Hand am schwarzen Rädchen eine Stufe höher. Die linke umklammert dabei fest den Griff des gekrümmten Kurbelarmes (daher auch das Kunstwort Kranking, denn im Englischen bedeutet „cranking“ so viel wie „gekrümmt”). Der erhöhte Widerstand macht sich – bei mir – sofort bemerkbar. Nicht unbedingt an einer harmonischen Rotationsbewegung, sondern an den ersten Schweißperlen, die sich auf meiner Stirn bilden. Das ist Cardiotraining mit den Armen. „Und ordentlich Schwung mitnehmen. Das ist gut fürs Herz-Kreislauf-System. Bizeps, Trizeps und die Schultern werden dabei auch noch stimuliert“, spornt mich Johnny an. Er hat gut reden. Seine Oberarme sehen nach vielen Kurbeleinheiten muskulös und straff aus – keine Spur von Wackelpudding. Wie er das geschafft hat? Durch die verschiedenen Kranking-Varianten.

Das Technik-Einmaleins

Das Technik-Einmaleins

Ich spitze die Ohren und blicke auf seine Armbewegungen. Johnny Goldberg erklärt mir die vier Kranking- Techniken anschaulich: „Double“ nennt sich die Rotationsbewegung mit beiden Armen in paralleler Fußposition. Johnny dreht die Arme aus den Schultern wie eine Dampflokomotive. Beim „Split“ ist Koordination gefragt: ein Arm oben, der andere im 180-Grad-Winkel unten. Die Füße stehen im Ausfallschritt. Und für die, die nur einen Arm belasten wollen oder verletzungsbedingt nur einen Arm bewegen können, kann auch einhändig trainiert werden. Die Schwungarme des Krankcycle sind so konstruiert, dass das Kurbeln bei allen Übungen sowohl vorwärts als auch rückwärts möglich ist. Johnny, als bildhafte Lokomotive, geht mit seinen Armen in die Vorwärts- und danach in die Rückwärtsbewegung.

Und nun ich: Los geht’s mit dem Koordinationsglück. Meine Füße stehen parallel auf dem Boden, und ich sitze bequem auf dem ergonomisch ausgerichteten Sitz – aber nicht mehr lange. „Und jetzt aufstehen und tief in die Knie gehen. Oberschenkel und Po anspannen und mit dem Körper so richtig der Armbewegung folgen“, fordert Johnny Goldberg von mir. Ich stelle mich hin, beuge die Knie und „trete“ ordentlich in die Handpedale.

Leichter trotz höheren Gewichts

Das Koordination das A und O ist, merke ich insbesondere beim Wechsel in die „Split“-Bewegung. So schwer sah es doch bei Johnny gar nicht aus. Beine in den Ausfallschritt, Kurbelgriffe im 180-Grad-Winkel und losdrehen. Doch ich paddle mit meinen Armen weder im vorgegebenen Winkel, noch läuft bei mir etwas gleichmäßig. Charmant könnte man meinen Trainingsversuch mit dem Wort „Dysbalance” umschreiben. „Erhöhe das Gewicht. Dann wird's leichter“, gibt mir Johnny den Tipp. Mir reicht schon das jetzige Gewicht. Aber ich höre auf den Kranking-Profi.

Die Muskeln wachen auf

Die Muskeln wachen auf

Und er hat recht: Durch die höhere Belastung falle ich nicht mehr mit meinen Armen in den Leerlauf. Vergleichbar ist es wie beim Fahrradfahren, wenn man bergab im ersten Gang rollt und versucht harmonisch zu treten. Die stärkere Gegenbelastung hilft wirklich, den Turnus zu halten. Ich kurbel jetzt richtig rund. Toll. Und nun zum Schluss wieder in die Double‘-Bewegung. Diesmal aber rückwärts und das Gewicht reduzieren”, ruft mir Johnny zu. Ich stoppe kurz die Armbewegung, stelle meine Füße parallel, minimiere mit einem Handgriff das Gewicht und stelle beide Kurbelgriffe senkrecht nach oben. Nun lasse ich meine Schultern rückwärts kreisen. Klappt prima! Ich binein wenig stolz auf mein wiedergewonnenes Koordinationsvermögen. Nach 30 Minuten Training bin ich etwas aus der Puste, obwohl ich sportlich bin. Zusätzlich merke ich, dass Kranking bei mir Muskeln weckt, die bis dahin im Dornröschenschlaf lagen. „So soll’s sein! Mit ein bisschen Übung kann jeder loskurbeln, egal ob Sportmuffel oder -profi. Denn je nach Einstellung des Gegengewichts, steht Muskelstraffung oder -aufbau im Fokus. Wer zusätzlich Anstrengung liebt, erhöht eben das Gewicht”, erklärt Johnny Goldberg abschließend. Wunderbar. Für mich ist Kranking eine perfekte Ergänzung zum Indoor- Cycling: Erst 30 Minuten auf dem Fahrrad im Rhythmus der Musik mit den Beinen in die Pedalen treten und dann eine halbe Stunde den Oberkörper beim Kranking trainieren. So habe ich Cardiotraining und kann abwechslungsreich mit den Kurbeln etwas für die Muskeln tun.

Infos

Informationen zu Fitnessstudios mit Krankcycles in Ihrer Nähe unter Tel. 0 41 54/7 95 20. Weitere Infos unter www.krankcycle.de

Einen Vorgeschmack habe ich jedenfalls bekommen. Und ein Kurbel-Fan bin ich irgendwie auch geworden.

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