20. Juni 2011
Die schönsten Törns für Anfänger und Profis

Die schönsten Törns für Anfänger und Profis

Kaum ein Sport ist so vielseitig und lässt uns die Natur so hautnah erleben wie das Segeln. Können Sie nicht? Doch! Tun Sie sowieso? Das geht noch besser! Die schönsten Törns für Anfänger und Profis, von Jolle bis Windjammer.

Segel-Urlaub
© iStockphoto
Segel-Urlaub

Für Starter

Heute beginnt die erste Liebe zu Luv und Lee

Die Vorfreude kommt mit der Hafenmusik. Klong, klang, klong, klang. Überall schlägt das Tauwerk an die Masten. Im Takt wippt am Steg ein knall gelbes Boot. „Willkommen auf der ‚Biene‘“, begrüßt uns Skipper Jan von der Segelschule Blauer Peter. Als Erstes muss jeder eine Schwimmweste anziehen. Dann legt Jan ab, erklärt alle paar Minuten was und verteilt erste Aufgaben: „Halt mal hier die Schot an Backbord, nee, fester.“ Uns vier Teilnehmer der Reise „Unter vollen Segeln – Einsteigerkurs in Grömitz“ packt sofort die Faszination für diesen luftig-leichten Sport. Eine Woche kann man als Steuerfrau den Bug durch die Fluten rauschen lassen oder als „Fockaffe“ die Schoten dichtholen, um das Vorsegel zu bedienen, – und später stolz die Hornhaut an den Händen vorzeigen. Nach wenigen Tagen schießt uns das Seglerlatein sogar an Land durch den Kopf, sobald uns der Wind die Frisur zerzaust: Die Seite, zu der die Haare wehen, heißt Lee. Die Richtung, aus der die Brise bläst, Luv. Und wenn im Einklang mit dem Wind das Wasser an der Bordwand gurgelt, hört es sich für uns jetzt so an, als würde das Boot vor Glück glucksen.

Hier legen Sie ab

Anbieter: Ostseebad Grömitz, Tel. 0 45 62/25 62 56, www.groemitz.de. Mai bis September, 7 Tage DZ mit Frühstück inkl. 5 Tage Segelkurs auf Jolle oder Jacht ab 439 Euro.

Alternative: Viele weitere Anbieter finden Sie in der Übersicht der Segelschulen in Europa beim Verband Deutscher Sportbootschulen (VDS): www.sportbootschulen.de

Für Profis

Für Profis

„Ich kann alles“ – und nach diesem Törn noch mehr

„Boje über Bord!“, ruft die Skipperin unvermittelt. Die Rudergängerin reagiert blitzschnell: „Rettungsmittel ausbringen! Ausguck gehen! Naviposition speichern!“ Alle flitzen über und unter Deck, um den Ansagen zu folgen. Wenig später schießt die Steuerfrau mit dem Bug in den Wind und kommt elegant neben dem Schwimmkörper zum Stehen. Eine Mitseglerin holt ihn mit dem Bootshaken an Bord. „Den Kerl hätten wir gerettet!“, lobt die Skipperin und lacht. „Sehr souverän.“ Das „Skippertraining für Frauen in der Yachtschule Elba“ ist ideal für fortgeschrittene Seglerinnen, die Kenntnisse und Können im Urlaub erweitern wollen – ohne dass ein Mann ihnen das Ruder aus der Hand nimmt. Hier geht es in lockerer Atmosphäre ums Feingefühl: bei der Sicherheit, beim Segel-Trimmen, Reffen und Ankern. „Bevor die Sonne untergeht“, kündigt die Skipperin an, „nutzen wir noch den Landwind.“ Der kommt, als der Tag zur Neige geht. Auf Mittelmeerinseln wie Elba kann man nach der typischen Abendthermik fast die Uhr stellen. Es frischt auf, der Manöverspaß beginnt von vorn. Erst in der Dämmerung fällt der Anker. „Kommt die Kette steif?“ – „Jo, die hält! Klar bei Ankerbier!“ Und dann Prost auf diesen Tag.

Segelboot
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Segelboot

Hier legen Sie ab

Anbieter: DHH, Tel. 0 40/44 11 42 50, www.dhh.de. Zum Beispiel 12.–18.6. oder 31.7.–6.8.2011, 7 Tage mit Halb- oder Vollpension inkl. Skippertraining für Frauen 724 bis 911 Euro plus 20 Euro „Schnupperbeitrag“ für den Verband. Viele weitere Angebote für Frauen UND Männer.

Alternative: Skippertraining (gemischt) vor Mallorca, Yachtschule Sailing Island, Tel. 0 21 61/83 13 70, www.sailingisland.de. Etwa 1.–8.10. oder 29.10.–5.11.2011, Übernachtung an Bord, 595 Euro plus Bordkasse (ca. 150 Euro).

Für Piraten

Für Piraten

Action auf dem Windjammer: die gefühlte Zeitreise

Mitsegeln

Private Inserate, die alle Wünsche abdecken, finden Sie gut sortiert auf der Internetseite www.handgegenkoje.de – einfach mal stöbern!

Start zur Regatta
Im eigenen Boot oder anheuern: www.khpyachtcharter.de mit Link zu Frauen-Crews – ein Erlebnis!

Von der Kapitänin bis zur Matrosin: nur Frauen an Bord. Trotzdem hallt irgendwann das traditionelle „Alle Mann an die Brassen!“ übers Deck. Schon okay, beim „Seefrauentörn auf der Ostsee mit der Brigg Roald Amundsen“ fühlt man sich sowieso nicht wie im Jahr 2011, sondern zurückversetzt in die Epoche der Eroberer und Entdecker. Vor allem, wenn auf dem 50 Meter langen Zweimaster das Setzen und Bergen der Segel ansteht. Denn dafür geht’s hoch in die Takelage. Wer nicht will, muss nicht, aber wer seine Angst überwindet und über dem schwankenden Schiff in die Rahen steigt – kriegt zuerst mal weiche Knie. Der Mast ist immerhin 34 Meter hoch. Nur Mut, du packst das, sagen die Seefrauen zueinander. Dann legen die ersten den Klettergurt an, picken die Karabiner ein und steigen gut gesichert Stufe für Stufe die wackelige Wantenleiter hinauf. Ihre Courage wird belohnt: Jede neu geborene Piratin, die lässig auf dem schwarz geteerten „Fußpferd“ steht – so heißt das locker gespannte Stützseil unter den Rahen –, um mit beiden Armen das riesige Segeltuch zusammenzuraffen, sieht die wunderbar wogende Weite zu ihren Füßen liegen. Und in den leisen, klaren Stunden bei der Nachtwache an Deck versteht man, warum die Sternbilder einst so wichtig fürs Navigieren waren – und heute noch immer sind.


Hier legen Sie ab

Anbieter: Verein LebenLernen auf Segelschiffen, Tel. 0 43 51/72 60 74, www.sailtraining.de. Zum Beispiel 5.–10.9.2011, 450 Euro plus 50 Euro Jahresbeitrag für den Verein der Brigg.

Alternativen: Windjammer wie die „Antigua“, „Christian Radich“, „Kruzenshtern“, „Sedov“, „Sörlandet“, „Statsraad Lehmkuhl“ und „Thor Heyerdahl“ – Übersicht mit Törnplänen und Preisen beim Verein www.tallshipfriends.de

Für Faulenzer

Für Faulenzer

Segeln, ohne einen Finger krumm zu machen

Drei tiefe Töne aus dem Typhon, einer Art Giga-Hupe, schallen über den Hafen von Las Palmas und läuten unseren real gewordenen Traum ein, den „Transatlantiktörn“ auf einem Luxussegler von den Kanaren in die Karibik. Das heißt: Nase in die Sonne, Füße hoch, Fahrtwind genießen! Alle Passagiere suchen sich zuerst einmal einen guten Ausguck, um zu beobachten, wie die Crew ins Rigg aufentert. Wenig später wölbt sich über uns ein Dach aus weißen Riesenblüten. An der Besegelung wird sich zwei Wochen lang nichts ändern, denn der Passat – unendlicher Rückenwind – schiebt uns einfach vor sich her. Träumen, Lesen, im Pool schwimmen – und immer wieder gucken und staunen. Querab begleiten uns Delfine und Schildkröten. Welche Schönheiten uns die Natur wohl noch offenbart? Eines abends geschieht es: Millionen winziger Organismen umschmeicheln mit grünem Glitzern den Rumpf. Das Meeresleuchten! Die Silhouette, ein Souvenir aus Licht, brennt sich in unsere Erinnerung.

Hier legen Sie ab

Anbieter: mit der „Star Clipper“ von Las Palmas nach St. Maarten. Weitere Atlantiküberquerungen, etwa von Malaga oder Lissabon nach Barbados, auf Schwesterschiffen. Etwa im Oktober, ab 1175 Euro. Tel. 08 00/7 82 72 54, www.starclippers.de

Alternative: Die „Seacloud II“ segelt von Las Palmas/Gran Canaria bis St. John’s/ Antigua, zum Beispiel 19.11.–5.12.2011, Preise ab 3995 Euro, www.seacloud.com

Für Singles

Für Singles

Ob mit oder ohne Kind: der Doppel-Vorteil im Urlaub

Über der „Noorderlicht“ türmen sich die Wolken am Himmel. Die Kinder rufen die Namen der Figuren, die sie darin entdecken, aufs Meer hinaus: Ein Drache! Ein Hase! Ein Gesicht! Skipper Johan steht am Ruder, hält Kurs auf Terschelling und schmunzelt. Den „Singletörn mit Kind auf dem holländischen Wattenmeer“ scheint auch er zu genießen. Seine großen Passagiere kümmern sich vor allem um die kleinen, sie helfen aber mit zunehmender Begeisterung der Stammcrew unter Johans Regie bei den Segelmanövern. Trotz Seefahrer-Romantik wird das Flirten, anders als bei reinen Singlereisen, dem Zufall überlassen. Den meisten Erwachsenen geht es mehr um Gespräche unter Gleichgesinnten als darum, an Bord den neuen „Vater“ oder die nächste „Mutter“ aufzutun. Zarte Annäherungen gelingen umso leichter. Unter Deck, in den 20 Doppelkabinen, bleiben die Kleinfamilien zusammen. Tagsüber „kleben“ die Kinder oft an Johan. „Wieso heißt das Schiffstempo Knoten?“, fragt ein Mädchen. Johan erklärt, dass Matrosen einst einen Faden mit Knoten dran zum Messen der Geschwindigkeit benutzt haben – die „Handlogge“. Kurz darauf kennen alle Kinder nur noch ein Thema: die Seehundbank steuerbords. Am Nachmittag toben alle über die Dünen von Terschelling. Hier geht man, genau wie auf Texel und Vlieland, auf Schatzsuche, auf Radtour oder barfuß durchs Watt. Manchmal sogar über die Bootsleiter direkt von Bord aus. Dafür lässt der Skipper das Plattbodenschiff absichtlich trockenfallen. Wie groß die „Noorderlicht“ wirkt, als wir auf dem Meeresboden stehen! Die abendliche Frage „Echt? Muss ich schon ins Bett?“ hören die Eltern an Bord noch häufiger als zu Hause. Neueste Überredungsstrategie der Kinder: „Ich muss doch noch den Kreuzknoten üben, den Johan mir beigebracht hat. Sonst kann das Schiff morgen nicht weiterfahren!“

Hier legen Sie ab

Anbieter: Sunwave, Tel. 0 40/7 25 85 70, www.sunwave.de. Etwa 23.–29.7.2011 für 599 Euro, Kinder bis einschließlich 13 Jahre 499 Euro, plus 21 Euro für Bettwäsche.

Alternativen: Singlereisen „Sail and Bike“ in Holland für Flirtlustige ohne Kind, jeweils eine Woche ab 30.7. (29 bis 49 Jahre), 6.8. (25 bis 45 Jahre) oder 13.8.2011 (35 bis 55 Jahre), über Sunwave, 599 Euro. Singlereisen „Blind Date Sailing“ auf der Ostsee, je vier Tage ab 1.6., 1.7., 5.7., 9.7., 13.7., 23.7. und 27.7. (für unterschiedliche Altersgruppen), 477 Euro, Sunwave.

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