Stress minimieren Mindful Running – so funktioniert der Mix aus Joggen und Achtsamkeitsübungen

Still sitzen und Om sagen bringt deine Gedanken einfach nicht zur Ruhe? Dann probier’s doch mal mit Mindful Running. Laufschuhe an, Grübeln aus! 

Frau joggt

Du kennst es doch bestimmt auch: Du hast endlich Zeit, willst mal runterkommen, aber stattdessen grübelst du weiter vor dich hin, kannst einfach nicht abschalten. Schluss damit! Lass deinen Stress einfach los. Mit Mindful Running, einer Art Meditation in Bewegung. Du kombinierst Jogging mit Achtsamkeits- und Körperübungen. Dabei geht es nicht um schneller, besser, weiter. Du fokussierst dich ganz auf dich selbst, nicht auf deine Leistung.

Fitness für Körper und Seele

Läufst du mindful, dann tust du es mit allen Sinnen, spürst ganz bewusst in deinen Körper hinein, nimmst deine Umgebung aktiv wahr. Das fördert nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Fitness. Egal ob Laufanfängerin oder regelmäßige Joggerin – mit achtsamem Laufen findest du innere Ruhe und Gelassenheit. Bye- bye, Grübelei, willkommen im Hier und Jetzt!

Mindful Running: so geht's!

  1. Vor dem Laufen
    Siehe den Lauf als feste Verabredung mit dir selbst. Versuche, währenddessen nicht an den nächsten Punkt auf deiner To-do-Liste zu denken. Stell dich entspannt hin, schließe einen Moment lang die Augen und beginne mit einem „Bodyscan“: Wie fühlt sich dein Körper gerade an? Spüre ganz bewusst in dich hinein. Starte bei den Zehen und wandere mit deiner Aufmerksamkeit durch den ganzen Körper nach oben. Nimm deinen Körper als Ganzes wahr.
     
  2. Beim Laufen
    Wähle einen Anker, auf den du dich die ganze Zeit konzentrierst. Fokussiere dich z. B. nur auf deine Füße. Wie kommst du auf dem Boden auf? Mach mal kleine, mal große Schritte und nimm die Unterschiede wahr, ohne sie zu bewerten. Oder du achtest mit allen Sinnen ganz bewusst auf deine Umwelt: Spür die Sonnenstrahlen auf deiner Haut, den Wind in deinem Gesicht. Schweifen deine Gedanken ab, komm wieder zu deinem Anker zurück.
     
  3. Nach dem Laufen
    Beende deinen Mindful Run wieder mit einem Bodyscan, leg dich dafür am besten hin. Nimm dir einen Moment, um nachzu- spüren. Fühlt sich in deinem Körper etwas anders an? Nimm wahr, wie sich deine Muskeln nach der Bewegung entspannen, dein Atem beruhigt. Und danke dir dafür, dass du dir bewusst die Zeit für dich und deinen Lauf genommen hast. Gut gemacht! Genieß die Ruhe im Kopf. Aber vergiss nicht, dich zu stretchen, wie nach jedem Lauf.

3 Fragen an... Zusätzliche Tipps von Hanna Tempelhagen

Hanna Tempelhagen ist zertifizierte Achtsamkeitstrainierin (MBSR), deutsche Marathonmeisterin w35 und Mindful Running-Pionierin (www.themindfulspaces.com). Uns erzählt sie, wie Mindful Running sie verändert hat und gibt uns zusätzlich Tipps!

Feelgood: Wann hast du Mindful Running für dich entdeckt?

Hanna: Ehrlich gesagt schon als Kind, ohne zu wissen, dass dies Mindful Running ist. Die ersten eigenen bewussten Experimente mit achtsamem Laufen begann ich 2012. In dieser Zeit habe ich meine erste Meditationsausbildung gemacht und die Elemente daraus dann bewusst in meine Läufe integriert.

Was hat sich bei dir dadurch verändert?

Der Umgang mit mir selbst. Ich bin heute gelassener und weniger selbstkritisch. Früher habe ich in Prüfungssituationen wie Präsentationen oder auch vor Wettkämp­ fen Panik bekommen. Mittlerweile weiß ich, dass ich auf meine Fähigkeiten vertrauen kann und ruhig bleiben kann, wenn ich atme und mich mit dem Boden erde. Dank Mindful Running grübele ich weniger und bin mental stärker. Auch meine Konzentration und Körperwahrneh­ mung haben sich verbessert. Inzwischen gestalte ich im Prinzip jeden meiner Läufe als Mindful Run und fokussiere mich gern auf meine Füße oder die Farben der Natur.

Warum sollte beim Mindful Run keine Musik aufs Ohr?

Viele Menschen laufen mit Kopfhörern im Ohr. Das ist verständlich, weil Musik gut motivieren kann. Andererseits lenke ich mich damit ab. Dann fokussiere ich mich nicht mehr ganz auf mich und meinen Körper. Beim Mindful Running also lieber mal die Musik weglassen. Und auch das Handy darf gern zu Hause bleiben.

Dieser Text ist zuerst in der Zeitschrift Feel Good (2/2020) erschienen.

Datum: 18.05.2020

Autor: Merle Wilkening