Bio-Special Mit Hightech ins Netz

Wir waren eine Woche auf Seelachs-Fang mit der Mannschaft des Hochseekutters „Bianca“, der nachhaltig aus gesunden Beständen in der Nordsee fischt. VITAL-Volontärin Vera Vaelske hat den Männern über die Schulter geschaut.

Fischerboot

Charly kümmert sich inzwischen auf der Brücke um die Routen, die uns noch bis zur Bergenbank auf Höhe der Shetland-Inseln führen werden. Im Moment schleppen wir. Rund 700 Meter Netz und Leinen zieht der Kutter etwa sechs Stunden hinter sich her. Dabei hat der Kapitän hauptsächlich zwei Bildschirme im Blick: Das Echolot gibt Auskunft über die Menge der Fischschwärme, die sich am Meeresgrund bewegen. Der zweite Monitor sendet ein Bild von der Fischmenge im Netz und vom Zustand des Grundtaus. Mit dessen Hilfe rollt das Schleppnetz über den Meeresboden. Während Charly noch die Bildschirmdaten für sich auswertet, drückt ihm Denny einen Zettel mit den gerade verarbeiteten Fangmengen in die Hand. „Schon wieder die Biester“, höre ich Charly fluchen. Gemeint ist der Kabeljau. Nicht, dass er ihn nicht mag. Die Menge, die er das Jahr über als Beifang an Bord nehmen darf, ist gesetzlich begrenzt. Diese Quote ist wichtig, damit die Kabeljaubestände nicht überfischt werden. Etwas mehr als vier Tonnen kann er im nächsten halben Jahr noch anlanden.

„Wenn uns weiterhin so viel ins Netz geht, haben wir unsere Kabeljauquote Ende August ausgeschöpft“, erklärt der erfahrene Seemann. Alles, was sie dann noch fangen, müssen sie ins Meer zurückwerfen. Tote Fische, die keinem etwas einbringen – außer vielleicht den hungrigen Möwen. Dieser sogenannte „Discard“ ließe sich vermeiden, wenn der Beifang trotz Überfischung der Quote mitgenommen werden dürfte. Ein Ziel, das auch die unabhängigen Experten des MSC verfolgen. Prinzipiell hat Charly nichts gegen Quoten. Doch die komplizierte Handhabung und ihre Kürzung durch die Bundesregierung sind für ihn und seine Kollegen nicht immer nachvollziehbar.

Echte Seebären

Nach einer Woche haben wir insgesamt 50 Tonnen Fisch an Bord, den wir im dänischen Hafen Hanstholm an Land bringen. Der Seelachs reist auf einem Kühllastwagen in wenigen Stunden zum Filetieren nach Cuxhaven. Für die Mannschaft gibt es nach dem Löschen nur einen kurzen Landgang. Am nächsten Abend geht es schon wieder auf hohe See.

Obwohl die Männer etwa 270 Tage im Jahr von ihren Familien getrennt sind und rund um die Uhr hart arbeiten müssen, möchten sie ihren Job mit keinem anderen tauschen. Als ich am letzten Morgen auf der Brücke einen traumhaft schönen Sonnenaufgang erlebe, weiß ich, warum.

Das MSC-SIEGEL zertifiziert Fischereien und deren Management für ihren nachhaltigen Fang. Dieser wird durch unabhängige Experten immer wieder überprüft. Über 200 Fischerzeugnisse sind bisher in deutschen Supermärkten erhältlich. Der Seelachs kommt dieses Jahr dazu.

BIO-FISCH aus Öko-Aquakulturen wächst nach strengen Regeln auf. Zusätze – wie genmanipulierte Futtermittel, Wachstumsregulatoren oder Hormone – sind verboten. Medikamente werden kaum verabreicht. Herkömmliche Aquakulturen arbeiten nicht nach diesen Standards.

Schlagworte: