Aromen aus dem Labor Die Angaben auf den Packungen keineswegs eindeutig

Trauen Sie Ihren Augen nicht – und auch nicht Ihrer Nase: Viele verarbeitete Lebensmittel enthalten zusätzliche Aromastoffe. Wie Sie solche Fälschungen erkennen.

Vanille

Ohne zugefügte Aromen lassen sich all diese Ansprüche kaum erfüllen. Beim Deutschen Verband der Aromen - industrie betont man, es gehe nicht zuletzt auch um die ständige Verfügbarkeit: Ob Vanilleeis oder Kirschjoghurt, die Konsumenten erwarten, dass alles jederzeit und überall zu haben ist – in gleichbleibender Qualität und mit unverändertem Geschmack. Die Lebensmittelindustrie komme also lediglich dem Wunsch der Verbraucher nach.

Bislang sind die Angaben auf den Packungen keineswegs eindeutig

Trotzdem stehen die Verbraucher manchmal vor dem Supermarktregal und studieren ratlos die Zutatenliste. Die Deklarierung können Laien ohne Zusatzwissen kaum entschlüsseln. „Ärgerlich ist auch, dass die gesetzlich vorgeschriebene Bezeichnung ,Aroma’ nicht erkennen lässt, wie die Substanz erzeugt wurde“, kritisiert die VITAL-Expertin Karin Riemann-Lorenz von der Verbraucher zentrale Hamburg. „Natürliche Aromastoffe“ – das klinge zwar gut, bezeichne aber nicht das ursprüngliche Naturprodukt.

„Die Ausgangsstoffe müssen zwar pflanzlicher oder tierischer Herkunft sein, doch daraus kann das Aroma mithilfe von Bakterien, Pilzen oder Hefen gewonnen werden“, erklärt Riemann-Lorenz. So lässt sich im Labor beispielsweise Erdbeeraroma aus Mais oder Kartoffeln herstellen. Nur Bezeichnungen wie „natürliches Erdbeeraroma“ oder „Erdbeerextrakt“ garantieren, dass der Geschmack wirklich aus der Frucht stammt.

Derzeit stehen alle verfügbaren Aromen auf dem Prüfstand

Gut 140 Kilogramm aromatisierte Lebensmittel nimmt jeder Deutsche pro Jahr zu sich. Die sind keineswegs alle völlig unbedenklich. „Manche Stoffe wie Zimtaldehyd oder Perubalsam können allergische Reaktionen auslösen. Hinzu kommt, dass Aromen Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel und Chemikalien als Trägersubstanzen enthalten können, ohne dass dies deklariert werden muss“, so die Verbraucherschützerin. Zwar gelten fast alle Stoffe als sicher, dennoch läuft bei der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA derzeit eine Risikobewertung aller 2800 in Europa verwendeten Substanzen zur Aromaherstellung. Die EFSA prüft, ob sie krebserregend, toxisch oder erbgutverändernd wirken; sechs Aromen wurden wegen gesundheitlicher Bedenken bereits gestrichen und dürfen nicht mehr verwendet werden.