Schlafstörungen im Alter: Was hilft wirklich?

Nächtliches Erwachen, kürzerer Tiefschlaf, frühes Aufwachen: Was dahintersteckt und welche Gewohnheiten wirklich helfen.

Eine Duftkerze im Schlafzimmer© Pexels.com

Um drei Uhr nachts die Augen weit offen, der Blick zur Decke, und im Kopf dreht sich schon wieder dasselbe Gedankenkarussell. Heute reicht oft schon ein Geräusch im Nachbarzimmer, um für den Rest der Nacht wach zu liegen.

Diese Erfahrung teilen sehr viele Menschen über 60. Schätzungen zufolge ist bei den über 60-Jährigen jede oder jeder Zweite von Ein- oder Durchschlafproblemen betroffen, bei jüngeren Erwachsenen ist es im Schnitt rund jede oder jeder Dritte. Schlechter Schlaf im Alter ist also kein persönliches Versagen, sondern eine weitverbreitete Erfahrung, die man ernst nehmen sollte, aber nicht dramatisieren muss.

Warum der Schlaf mit den Jahren brüchiger wird

Der Körper verändert seinen Schlafrhythmus im Lauf des Lebens, und das ist zunächst einmal normal. Bei älteren Menschen nehmen die Leichtschlafphasen zu, während die Tiefschlafphasen kürzer ausfallen als in jüngeren Jahren. Die Folge: Man wird nachts häufiger wach, bemerkt dies auch bewusster und hat mitunter Mühe, wieder einzuschlafen.

Wichtig zu wissen: Jeder Mensch wacht nachts ohnehin etwa 20-mal kurz auf, meist ohne es zu merken. Problematisch wird es erst, wenn das Wiedereinschlafen schwerfällt oder der Schlaf insgesamt zu kurz und unruhig bleibt.

Hinzu kommen mögliche körperliche Ursachen. Chronische Schmerzen, nächtlicher Harndrang, Muskelzucken oder Magen-Darm-Beschwerden können den Schlaf stören, ebenso eine Diabetes-Erkrankung oder eine Alzheimer-Demenz. Auch schlafbezogene Atemstörungen wie die Schlafapnoe kommen im Alter deutlich häufiger vor und betreffen etwa 25 Prozent der über 60-Jährigen. Besonders Frauen sind von Schlafstörungen häufiger betroffen als Männer, und das Risiko steigt mit zunehmendem Alter weiter an.

Was Schlafforschung über die innere Uhr im Alter weiß

Ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus, ausreichend Bewegung an der frischen Luft und feste Rituale unterstützen einen gesunden Schlaf nachweislich. Natürliches Tageslicht hilft dabei, die innere Uhr zu stabilisieren, auch an grauen Tagen. Wer tagsüber aktiv ist und sich regelmäßig draußen bewegt, schläft nachts in der Regel tiefer und durchgehender.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin weist darauf hin, dass der Hausarzt bei anhaltenden Schlafproblemen die erste Anlaufstelle sein sollte. Der Hausarzt kann zunächst klären, ob körperliche oder medikamentöse Ursachen hinter den Beschwerden stecken, bevor weitere Schritte folgen.

Sieben Gewohnheiten, die den Schlaf im Alter tatsächlich verbessern

  1. Den eigenen Rhythmus finden: Beobachten Sie, zu welchen Tageszeiten Sie wacher sind und wann ein Leistungstief kommt. Passen Sie Aktivitäten entsprechend an.

  2. Nickerchen begrenzen: Ein kurzer Mittagsschlaf von bis zu 30 Minuten kann neue Energie spenden, sollte aber nicht länger dauern, damit das abendliche Einschlafen nicht erschwert wird.

  3. Tagsüber aktiv sein: Bewegung an der frischen Luft macht müde und hilft, einen stabilen Tag-Nacht-Rhythmus aufzubauen.

  4. Feste Rituale pflegen: Regelmäßige Einschlaf- und Aufwachzeiten sowie angenehme Gewohnheiten wie Lesen, ein warmes Bad oder ein Tee vor dem Schlafengehen signalisieren dem Körper: Jetzt wird es Zeit für die Nacht.

  5. Bildschirme rechtzeitig meiden: Blaues Licht von Smartphone und Fernseher wirkt wie ein Wachmacher. Etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte der Bildschirm daher ausbleiben.

  6. Die Schlafumgebung optimieren: Ein dunkles, ruhiges Zimmer mit einer Temperatur zwischen 16 und 18 Grad sowie eine passende Matratze unterstützen die Nachtruhe spürbar.

  7. Nicht auf die Uhr schauen: Wer nachts wach liegt und ständig auf den Wecker blickt, erzeugt zusätzlichen Druck. Besser: Bewusst wegschauen und sich ablenken.

Diese Fehler verschlimmern das nächtliche Grübeln meist noch

Viele Menschen greifen bei Schlafproblemen zu Strategien, die das Problem eher verstärken. Dazu gehört, abends ein Glas Wein als vermeintlichen Schlummertrunk zu trinken. Dabei kann schon eine kleine Menge Alkohol das Durchschlafen erheblich stören.

Ein weit verbreiteter Fehler ist zudem der dauerhafte Griff zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Diese sollten höchstens in kurzen Phasen eingesetzt werden, da sie bei älteren Menschen verstärkt Nebenwirkungen zeigen können: Gangunsicherheit, erhöhtes Sturzrisiko und ungewollter Urinverlust gehören dazu. Zudem können diese Arzneimittel auf Dauer abhängig machen. Manchen Menschen helfen pflanzliche Mittel auf Basis von Baldrian, Melisse oder Hopfen, ihre Wirkung ist jedoch meist schwächer als die klassischer Schlafmittel. Sprechen Sie am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber, welches Mittel infrage kommt.

Auch das Führen eines Schlaftagebuchs kann sinnvoll sein, um Muster zu erkennen: Wann gehen Sie ins Bett, wie lange dauert das Einschlafen, wie oft werden Sie wach. Diese Angaben helfen auch der Ärztin oder dem Arzt bei der Einschätzung.

Wann ärztlicher Rat wirklich notwendig wird

Wichtig: Aufmerksam sollten Sie werden, wenn Sie deutlich weniger als 7 Stunden schlafen, mehr als 2 Stunden am Stück wach liegen oder sich morgens regelmäßig erschöpft fühlen und dieser Zustand länger als 4 Wochen anhält. Auch starkes Schnarchen oder anhaltender Schlafmangel, der den Alltag spürbar beeinträchtigt, sind Gründe, aktiv zu werden. Denn auf lange Sicht können Schlafstörungen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Erkrankungen wie Depressionen erhöhen.

Wann zum Arzt: Wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, wenn die genannten Beschwerden über Wochen bestehen. Dort lässt sich klären, ob körperliche Ursachen wie eine Schlafapnoe, Medikamentennebenwirkungen oder andere Erkrankungen hinter den Schlafproblemen stecken.

Fazit

Schlafstörungen im Alter sind häufig, aber selten unveränderlich. Ein stabiler Tagesrhythmus, Bewegung im Freien, feste Rituale und ein bewusster Umgang mit Schlafmitteln helfen den meisten Menschen spürbar weiter. Wer länger als vier Wochen deutlich schlechter schläft, sollte das ärztlich abklären lassen, statt die Beschwerden einfach hinzunehmen.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische oder fachliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.

Häufige Fragen

Ist es normal, im Alter schlechter zu schlafen?

Ja, teilweise. Die Tiefschlafphasen werden kürzer und die Leichtschlafphasen nehmen zu, wodurch man nachts häufiger wach wird. Das bedeutet aber nicht, dass man weniger Schlaf braucht als in jüngeren Jahren.

Wie lange darf ein Mittagsschlaf dauern, ohne den Nachtschlaf zu stören?

Ein Nickerchen von bis zu 30 Minuten kann neue Energie spenden, ohne den abendlichen Schlaf zu beeinträchtigen. Längere Tagschlafphasen sollten vermieden werden, um den Schlafdruck am Abend nicht zu verringern.

Sind pflanzliche Schlafmittel wie Baldrian eine gute Alternative?

Pflanzliche Mittel auf Basis von Baldrian, Melisse oder Hopfen helfen manchen Menschen bei leichten, vorübergehenden Beschwerden. Sprechen Sie vor der Einnahme am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, welches Mittel für Sie geeignet ist.

Wann sollte ich wegen Schlafproblemen zum Arzt gehen?

Wenn Sie deutlich weniger als 7 Stunden schlafen, mehr als 2 Stunden am Stück wach liegen oder sich über mehr als 4 Wochen morgens erschöpft fühlen, ist ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sinnvoll. Das gilt auch bei starkem Schnarchen oder spürbarer Beeinträchtigung im Alltag.

Quellen
  1. Gesunder Schlaf im Alter | gesund.bund.de
  2. Schlafprobleme: Was hilft wirklich? - netDoktor.de
  3. Gesund aktiv älter werden: Tipps, um Angehörigen bei Schlafstörungen zu helfen
  4. Schlafstörungen: Wenn die Nacht zur Qual wird | HEUMANN
  5. Schlafstörungen ade: So verbessern Sie Ihre Schlafqualität - Dr. Schlotmann