Rheumatoide Arthritis Individuelle Behandlungsansätze für Betroffene

Die Volkskrankheit Rheuma ist auf dem Vormarsch. In ihren verschiedenen Formen betreffen Schmerzen des Bewegungsapparates immer mehr Menschen in Deutschland. Krankenkassen beziffern die Zunahme der behandlungssuchenden Patienten zwischen 2007 und 2017 auf über 30 Prozent. Die Zahlen der Deutschen Rheuma-Liga sprechen deutlichere Worte: 2016 litten 17 Millionen Menschen in Deutschland unter rheumatischen Erkrankungen.

Rheuma —Krankheit mit vielen Masken

 
Das Gros machen nicht-entzündliche Krankheitsbilder wie Gelenk- oder Knochenerkrankungen aus, die nicht nur ein Problem im fortschreitenden Alter sind. Unter Arthrose etwa, dem krankhaften Verschleiß des Gelenkknorpels, leiden zunehmend jüngere Menschen. Um die Lebensqualität zu erhalten, hilft oft nur ein künstliches Gelenk.
 
Unter der etwas kleineren Gruppe entzündlicher Gelenkerkrankungen ist die rheumatoide Arthritis eine der schmerzhaftesten. Sie kann Menschen jeden Alters treffen. Das Problem für die Betroffenen: Über die genauen Ursachen ist wenig bekannt. Dass es zu Entzündungen, Schwellungen und zugehörigen Schmerzen in den Gelenken kommt, wird dem eigenen Körper angelastet. Das Immunsystem greift körpereigene Strukturen an.
 
Eine erfolgversprechende Therapie ist dadurch erschwert, dass rheumatoide Arthritis meist in Schüben von einigen Wochen oder Monaten auftritt. In der Folge lassen sich durch ärztliche Behandlung oft nur die Symptome mehr oder weniger gut lindern. Viele Betroffene berichten von einem langen Leidensweg, auf dem nach Jahren noch keine Besserung in Sicht ist. Für sie sind nebenwirkungsarme Ansätze eine sinnvolle Ergänzung — im besten Fall vor dem Auftreten der ersten Beschwerden.
 

Ergänzende Mittel bei rheumatoider Arthritis

 
Obwohl die Forschung täglich Fortschritte macht, fühlen sich Patienten mit rheumatoider Arthritis oft machtlos. Medikamente helfen nicht wie gewünscht oder haben lästige Nebenwirkungen. Um ihre Rheuma-Therapie zu unterstützen, können Betroffene nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt folgende Maßnahmen ergreifen:
 
  • innerliche Anwendung von Heilpflanzen
  • äußerlich aufgetragene Salben
  • Umstellung der Ernährung
  • Bewegung
 
Besonders in Kombination, so die Erfahrungen vieler Betroffener, zeigen sich gute Erfolge.
 
 
Produkte zum Einnehmen
 
Längst nicht mehr als Kiffer-Droge verschrien, rückt Cannabis als Heilpflanze wieder vermehrt in den Fokus. Die daraus gewonnenen Cannabinoide, allen voran Cannabidiol (CBD), hat stark entzündungshemmende Eigenschaften. So können Betroffene sowohl Schmerzlinderung erzielen, als auch einem erneuten Schub vorbeugen. Einige Studien haben sich schon mit dem erfolgreichen Einsatz von CBD in der Arthritis-Therapie befasst.
 
 
Hinweis: Berauschenden Effekte und Nebenwirkungen sind bei der Einnahme von CBD-Öl nicht zu befürchten. Stattdessen haben viele Nutzer Verbesserungen beim Schlaf und allgemeiner Unruhe festgestellt.
 

 

Ein weiterer natürlicher Wirkstoff, der gute Erfolge als Entzündungshemmer erzielt hat, sind Omega-3-Fettsäuren. Insbesondere Eicosapentaensäure (EPA), die der Körper auch selbst bilden kann, haben diese Eigenschaft. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind in einigen Meeresfischen direkt enthalten.
 
 
Höher ist der Gehalt zwar in pflanzlichen Ölen wie Leinöl oder Chiaöl, doch liegen sie hier in Form von ALA (Alpha-Linolensäure) vor. Der menschliche Organismus muss daraus erst die EPA-Produktion einleiten. Der regelmäßige Konsum von Fisch oder Fischöl erspart dem Körper diesen Arbeitsschritt. Zur Linderung rheumatischer Beschwerden setzen viele Nutzer auch auf Omega-3-Fettsäuren in Form von Kapseln, die sie als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.  
 

Hilfsmittel für die äußere Anwendung

 
Eine gute verträgliche und leicht anzuwendende Hilfe finden Menschen mit rheumatoider Arthritis in Cremes und Salben, die sie bei Bedarf auf die schmerzenden Bereiche auftragen können. Besonders bei den leicht zugänglichen Gelenken (Fuß, Knie, Hand, Ellenbogen, Schulter) ist die Anwendung problemlos.
 
 
Achtung: Von einer langfristigen Behandlung mit Arnika-Gel raten Wissenschaftler ab, da Nebenwirkungen auf die Haut nicht auszuschließen sind.


Ganz oben auf der Liste empfiehlt sich Arnika als Heilpflanze. Ein Gel aus Arnika-Blüten wirkt entzündungshemmend und abschwellend. Der Bestandteil Thymol soll hierfür verantwortlich sein. Die Nützlichkeit bei akuten rheumatischen Schüben liegt auf der Hand. In Studien erfuhren Probanden nach der Anwendung von Arnika-Gel nicht nur eine Linderung der Schmerzen, die Gelenke ließen sich auch wieder besser bewegen. Im Vergleich zum ähnlich wirkenden Ibuprofen-Gel, nimmt Arnika-Gel auf längere Sicht keinen negativen Einfluss das Herz-Kreislauf-System oder den Magen-Darm-Trakt.

 
Rein für die äußerliche Anwendung sind auch Bestandteile der Beinwell-Pflanze sehr gut geeignet. In Salben sind meist Extrakte der Wurzel verarbeitet, die Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern können. Wichtig ist bei dieser Heilpflanze mit ihren Nebenwirkungen auf die Leber, eine innerliche Anwendung zu vermeiden. Sie darf deshalb nicht auf Körperstellen angewendet werden, an denen die Haut verletzt ist.
 

Auf die Ernährung achten

 
Wie für viele Aspekte des Lebens gilt bei rheumatoider Arthritis: Die richtige Ernährung macht den Unterschied. Für einen Langzeiterfolg mit weniger ausgeprägten Schüben kann eine radikale Ernährungsumstellung erforderlich sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bestätigt, dass eine spezielle Diät bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen helfen kann.
 
Fleischliebhabern dürften diese Empfehlungen schwerfallen. Förderlich bei der Vorbeugung von Beschwerden ist vor allem eine vegetarische Kost: Viel frisches Obst und Gemüse und täglich fettreduzierte Milchprodukte dürfen gerne auf dem Teller landen. Fleisch und Wurst sind hingegen nicht zu empfehlen.
 
Wer diesen radikalen Schritt nicht gehen möchte, der kann es mit kleineren Schritten versuchen. „Eine besonders lange Tradition bei rheumatoider Arthritis hat das Heilfasten. Hier gibt es eine reiche Erfahrung und viele klinische Studien, die eine Wirksamkeit belegen“, sagt Dr. Thomas Rampp, Oberarzt an der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen. Beim Heilfasten weist der Ernährungsplan eine einseitige Zunahme von Lebensmitteln auf, um den Körper zu regenerieren oder zu „entschlacken“. Saftfasten oder Früchtefasten sind beliebte Formen. 
 

In Bewegung bleiben
 

Bei schmerzenden oder steifen Gelenken sind nicht alle Bewegungen möglich. Allerdings ist es ein Irrglaube, Betroffene müssten jede Bewegung vermeiden. Im Gegenteil: Rheumabedingte Erschöpfung lässt sich durch körperliche Aktivität lindern. Verschiedene Übungen bieten sich an, wenn die Diagnose rheumatoide Arthritis lautet:
 
  • Kräftigungsübungen für Arme und Beine: Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit leichten Gewichten helfen bereits.
  • Ausdauertraining: Regelmäßiges moderates Schwimmen oder Radfahren kann Bewegungsprobleme im Alltag verringern.
  • Wassergymnastik: Im Wasser werden die Gelenke weniger belastet.
 
Ob sich Bewegung positiv auf die Schmerzen auswirkt, hängt vom individuellen Fall ab. Doch für die motorischen Fähigkeiten, die durch rheumatische Erkrankungen oft verlorengehen, ist es ein wirkungsvolles Training.