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Reisen Urlaub in Apulien

Vergessen Sie die Toskana, Ligurien oder Venetien. Wer das echte Italien sucht und dabei allein sein möchte, muss nach Apulien! Monika Dittombée entdeckte ursprüngliches Landleben, schlafende Dörfer und aufgeweckte Menschen.

Die Suche nach dem größten Esel der Welt hatte ich mir einfacher vorgestellt. Irgendwie zufälliger, so im Vorbeifahren. Vielleicht würde er im Licht der untergehenden Sonne durch schattige Olivenhaine streifen. Oder auf einer dramatischen Klippe stehen und sinnierend auf das wogende Adriatische Meer schauen. Meinetwegen hätte er auch locker angeleint vor der besten Gelateria der Stadt warten können, aber das wäre natürlich viel zu einfach gewesen. Der größte Esel der Welt lebt im Absatz des Stiefels. Weit unten in Italien, in einer Region mit 800 Kilometer Küste und 300 Sonnentagen im Jahr: Apulien. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dieses Wort. Klingt das nicht ähnlich idyllisch-entrückt wie Arkadien? Und ebenso rätselhaft, denn weiter wusste ich nichts über Apulien. Doch das reichte, um mich sofort auf den Weg zu machen.

DER VITAL-REISEPLANER

Hinkommen: mit TUIfly ab Köln, Stuttgart, München nach Bari. Oder ab Köln und Memmingen nach Brindisi, je ab 29 Euro pro Strecke. www.tuifly.com. Air Berlin fliegt ab Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Nürnberg nach Brindisi, je ab 29 Euro pro Strecke. www.airberlin.de.

Mietwagen: Kleinwagen ab 31 Euro pro Tag, z. B. über Avis. www.avis.de.

Übernachten: Masseria Sant’Angelo: Bio-Bauernhof mit unzähligen Tieren und viel Idylle. Preise ab 64 Euro pro Nacht und DZ. Auch kleine Häuschen gibt es zum Mieten. Tel. 00 39/ 08 36/32 05 75. www. masseriasantangelo.it. Masseria Torre Coccaro: Fünf-Sterne-Landgut im 500 Jahre alten Gemäuer, mit Bio-Garten, Pool, Pferden, Aveda-Spa, Beachclub. DZ ab 262 Euro. Tel. 00 39/ 0 80/4 82 93 10. www.masseriatorrecoccaro.com.

Veranstalter: Wander- und Genussreisen in kleinen Gruppen über La Kooperativa, Tel. 0 89/42 09 56 69 10. www.lakooperativa.de. Individuelle Touren: buchbar über Tina Schoenmaker (auf Deutsch), Tel. 00 39/0 80/4 32 14 66. jeltina@tiscalinet.it. Allgemeine Informationen: Fakten über Apulien, Tipps und historische Hintergründe der Region über www.pugliadoc.net

„Selbstverständlich haben wir Esel, komm ruhig vorbei“, hatte Ursula am Telefon gesagt, die mich damit nach Corigliano d’Otranto lockte, ein Dorf, 15 Kilometer vom Meer entfernt. Mit ihrem Mann Rocco, 2 Söhnen, 6 Pferden, 3 Hunden, 12 Katzen, 2 Dutzend Ziegen wohnt sie auf der „Masseria Sant’Angelo“. Schon wieder so ein schönes Wort, das mich anspringt: Masseria – diese typisch apulischen Landgüter aus grobem Stein, oft mit trutzigen Wachtürmen, die im Mittelalter den Großbauern und ihren Leuten Schutz vor feindlichen Angriffen boten. Heute werden Fremde freundlich empfangen – und üppig verwöhnt. Ursula lädt den Esstisch mit selbst gemachtem Ziegenricotta und selbst angebautem Gemüse voll. Seit zehn Jahren lebt sie hier, tauschte damals ihr geregeltes Stadtleben in Düsseldorf gegen die Landidylle in Süditalien ein. Rocco ist schuld. Der fröhliche Mann mit Stoppelbart schenkt pausenlos Grappa nach, um auf die Schönheiten Apuliens anzustoßen. Auch Musik gehört dazu, findet er, schnappt sein Tambourin und schlägt es in schwindelerregendem Tempo: „La pizzica“ heißt diese Tanzmusik, eine Form der Tarantella, die eigens dafür erfunden wurde, dass von der Tarantel Gebissene sich das Gift aus dem Körper tanzen konnten, so ist es überliefert. Zum wilden Tanz kommt es heute nicht, dafür aber singt der neunjährige Sohn Lenny ein Lied – und zwar auf Altgriechisch!

Corigliano d’Otranto gehört zu den neun Dörfern der sogenannten Grecìa Salentina, wo immer noch Griko, ein altgriechischer Dialekt, gesprochen wird. Manche datieren die Entstehungszeit auf 800 v. Chr., als die ersten Griechen übersetzten, andere auf 900 n. Chr. Rocco sind die Zeitangaben herzlich egal, er ist stolz auf das Erbe: „Die Griechen haben die Demokratie und die schönen Künste erfunden …“ Er streicht sich zufrieden den Bart. Da sucht man nun das echte und unverfälschte Italien – und landet in einer altgriechischen Enklave! Rocco grinst. Am liebsten will er auf der Masseria ein Amphitheater bauen, doch da schüttelt Ursula energisch den Kopf. So eines steht ja auch schon in Lecce, das ich am nächsten Tag besuche. Die berühmte Barockstadt wirkt wie eine Bühnenkulisse, hübsch gemacht und aufpoliert, überall verzierte Engel und Dämonen. Zu viel für mich. „Lass uns hier verschwinden“, dränge ich den Fotografen. Habe nicht mal Lust, in den Läden zu stöbern. Ich müsste mich auch zu sehr anstrengen, um mich für eines von 1000 flatternden Sommertüchern zu entscheiden. 

 

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