[Alt-Text]

innere Ruhe Urlaub im Kloster

Zur Ruhe kommen und gelassen werden: Hinter den Mauern eines Klosters kann jeder zu sich selbst finden. Beim Meditieren ebenso wie beim Bogenschießen.

Kloster Gerode

Zum ersten Mal halte ich einen Bogen in der Hand. Er ist überraschend leicht, aus wunderschönem glänzenden Eschenholz mit einem dunklen Streifen aus Walnuss. Sehr ästhetisch sieht er aus, filigran. Aber Vorsicht: Das Ding hat wumm! Deshalb verordnet Andrea Lohmann, die uns das Bogenschießen nahebringt, auch Armschutz und mir sogar nach einigen Schüssen einen dreifingrigen Lederhandschuh, der meine empfindlichen Fingerkuppen schützen wird.

Bogenschießen verhilft zur Ruhe

Klostergarten Bogenschießen

Wir stehen auf einer Wiese inmitten des zehn Hektar großen Anwesens von Kloster Gerode in Thüringen. Umschlossen von 700 Jahre alten dicken Mauern aus Sandstein. Weitab für uns zehn Schützen, die wir aus Stuttgart, Hamburg, Chemnitz und dem Ruhrgebiet kommen, aus stressigen Jobs und einem fordernden Leben. Wie passt denn das zusammen: Schießen im Kloster? Hier geht es um intuitives Bogenschießen, nicht um Trefferquoten. Was das heißt, merken wir gleich beim ersten Üben. Andrea Lohmann erklärt betont ruhig und wiederholt, beinahe wie ein Mantra, wenn wir uns jeweils in Dreiergruppen aufstellen: „Wo und wie stehe ich? Mein Ziel nehmen, einatmen – den Bogen heben. Ausatmen und spannen.“

Weit und breit nur Stille

Wahrnehmung ist der Schlüssel zur Ruhe, Atem der zur Konzentration. Ja, so kommen Kloster und Bogenschießen zusammen. Es werden vier Tage der Stille. Kein Flugzeugbrummen am Himmel, kein Motorengeräusch, keine Bahn in der Ferne – die äußere Ruhe hier, am Rande des Südharz. Die innere bringt der nahezu rituelle Bewegungsablauf, das Wiederholen und unser bewusstes langsames Ein- und Ausatmen. Morgens beim Yoga, vor den schweigsamen Mahlzeiten, bei der abendlichen Meditation – und beim Bogenschießen.