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Reisereportage Sehnsucht nach Italien

Zeitlos glücklich – auf der Äolischen Insel Salina sieht es noch wie früher aus. Eine Geschichte von Dolce Vita, Romantik und entschleunigtem Urlaub auf den Spuren des Films „Il Postino“.
Hafen

Mandolinen und Bandoneon erklingen aus den Lautsprechern des kleinen Restaurants gegenüber. Mal heiter, mal melancholisch und so schön voll Amore. Weil sie das Herz verführen wollen. Schließlich spielen sie den Soundtrack zum Film „Il Postino“, „Der Postmann“. Fast 20 Jahre ist der alt.

Salina - eine wunderschöne Insel

„Genauso lang habe ich diese Sommer-Melodie im Ohr“, erzähle ich Amelia, 47, die mir ein Glas Weißwein in die Hängematte vor meinem Zimmer reicht. „Aber warum bin ich bloß nicht schon damals auf diese Insel gekommen?“ Sie war einer der Drehorte. „Na, wahrscheinlich, weil es die ,Locanda del Postino‘ noch nicht gab“, sagt meine Wirtin lachend. „Erst vor etwa 20 Jahren haben Mauro und ich die 100 Jahre alte Ruine hier entdeckt, und bis sie fertig war, hat es Ewig - keiten gedauert.“

Die ehemalige Ruine in Pollara ist heute ein bezauberndes Bio-Hotel mit hellblau gestrichenen Wänden. Der Mini-Ort mit knapp 100 Einwohnern liegt am Hang in einem halb abgebrochenen, zum Wasser hin offenen Vulkankrater. Ihren Namen hat die Locanda, weil die Gegend Filmkulisse war. Muss ich mir natürlich anschauen. Vielleicht morgen. Erst mal die Sonne verabschieden, die dramatisch rot im Meer versinkt. Und träumen vom Italien der 1950er-Jahre, das „Il Postino“ so liebevoll zeigt.

Fisch

Wie war noch die Geschichte? Der schüchterne Fischer Mario will, anders als sein Vater, kein Fischer mehr sein und wird Briefträger – und so der persönliche Postbote des chilenischen Dichters Pablo Neruda, der auf einer süditalienischen Insel im Exil lebt. Neruda lehrt Mario die Poesie. Sie wird der Schlüssel zum Herzen seiner Angebeteten, der schönen Beatrice. Romantisch.

Urlaub im Paradies

Ein Schild „Mare“ am Dorfplatz von Pollara, eine sich den Hang hinunterschlängelnde Piste, Stufen hinab zum glasklaren Meer. Rechts zwei Holzboote, daneben in die Klippen gehauene Bootshäuser. Das war der Fischerhafen im Film – und er sieht noch genauso aus.
Auch die italienische Mamma und der kleine dicke Junge, die auf den Stufen ihren Picknickkorb leeren, passen ins Bild. Ich verspeise genüsslich Amelias Apfelkuchen, freue mich schon wieder auf ihr vorzügliches Essen am Abend und lasse die Beine ins Wasser baumeln. Noch etwas zu kühl zum Baden jetzt im Mai.
Dafür grünt und blüht die von zwei über 800 Meter hohen Bergen geprägte Insel. „Wir haben Quellwasser“, hatte Mauro, 49, Amelias Mann, mir gestern erklärt. „Deshalb lebt die Insel noch in weiten Teilen von der Landwirtschaft. Fast alles, was auf den Tischkommt, wird hier geerntet.“

 

 

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Autor:
Christiane Bloch