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Natur Naturerlebnis in der Eifel

85 Kilometer in vier Tagen: Der Wildnis-Trail in der Eifel ist eine Herausforderung für Wanderer. Vor allem aber ist er ein Naturerlebnis. Eine Geschichte über Bäume voller Leben und den Traum vom Urwald. VITAL-Autorin Stefanie Theile über das Wandern in der Eifel.
Wald in der Eifel

1. Etappe - Von Monschau-Höfen nach Einruhr

Michael Lammertz weist mit seinem Wanderstock begeistert in einen düsteren Fichtenwald. „Da, die Buche“, sagt der 48-Jährige, als er meinen erstaunten Blick bemerkt. Der studierte Forstwissenschaftler – offiziell Fachgebietsleiter Kommunikation und Naturerleben im Nationalparkforstamt Eifel – und ich sind seit dem frühen Morgen auf dem Wildnis-Trail unterwegs. Genauer gesagt auf dem ersten Teilstück dieses 85 Kilometer langen Wanderweges durch den Nationalpark. Und durch wechselnde Landschaften: Fichtenschonungen, Laubwald, Wiesen an gurgelnden Bächen.

Die Eifel ist ein Urwald

Mal laufen wir auf Pfaden, gesäumt von Wasserdost und leuchtend gelbem Springkraut, dann wieder auf breiten Schotterwegen. Selten geht es bergan. Gut zum Reden. Unser Thema: Wie wird aus einem deutschen Wald mit intensiv betriebener Forstwirtschaft ein Stück ursprüngliche Natur? Der Buchenwald, der früher ganz Mitteleuropa bedeckte, soll hier in der Eifel wieder entstehen. Die kleine Buche, auf die mein fachkundiger Begleiter zeigt, ist das Zeichen: Der Urwald kehrt zurück.

Warum das gut für die Natur ist, begreift, wer die Fichtenschonung genauer betrachtet. Die Bäume stehen eng in Reih und Glied. „Wie preußische Soldaten“, vergleicht Michael Lammertz und fährt fort: „Fichten und vor allem Douglasien aus Amerika wachsen sehr schnell.“ Ganz im Sinne der Forstwirtschaft. Je enger sie stehen, umso weniger Sonne fällt ein. Die unteren Äste verkümmern. So entstehen später makellose Bretter für Bauholz oder Möbel. Praktisch, aber kein Gewinn für die Natur. Denn den düsteren Waldboden bedecken nur alte Nadeln, kein Grün wächst dazwischen. Die Vision der Nationalparkleute: Laubmischwald mit Buchen, durch deren Kronen Sonnenlicht flirrt, und auf dem Boden darunter sprießen Farne, Gräser, Wildblumen.

Waldexperte Michael Lammertz

Waldexperte Michael Lammertz

Der Natur lauschen

„Wir müssen die Entwicklung des Buchen-Naturwalds im Nationalpark sinnvoll unterstützen“, erklärt der Fachmann, während wir unter einer Buche mit Blick in das Tal des Wüstebachs picknicken. Über uns kreist ein Bussard, wir lauschen der sommerlichen Stille. Michael Lammertz erzählt weiter: „An ausgesuchten Stellen fällen wir die Nadelbäume oder überlassen sie dem Borkenkäfer, der sie in jahrelanger Kleinarbeit zum Absterben bringt.“ Danach können sich Laubbäume auf den Flächen aussäen.

Zum Schutz des Waldes

Am Wegesrand erläutern Tafeln diese und andere Naturschutzmaßnahmen. Artenreiche Wiesen werden gemäht, um die Mahd, das Schnittgut, auf Wiesen mit weniger Wildblumen auszustreuen. Oder Rohre entfernt, die unter Wegen verlaufen: „Sonst kommt da kein Fisch, keine Insektenlarvedurch, weil die Fließgeschwindigkeit des Wassers in Rohren viel höher ist als im natürlichen Bach.“

So wird die Natur langsam in ihre ursprüngliche Form zurückgeführt. Das freut auch die Wildkatze, die im Nationalpark zu Hause ist. Ihr Kopf ziert die Wegweiser des Trails. Jetzt geht’s Richtung Einruhr, das Etappenziel. Nach über sieben Stunden sehnen sich meine Beine nach Ausstrecken.

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Autor:
Stefanie Theile