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Reisen Frauen reisen anders

In ihrer Küche plante Eva Veith, 56, die allererste Fahrt nur für Frauen – und krempelte so die Tourismusbranche um.

Frau mit Koffer

Griechenland war schuld. Schon Anfang der 80er. Weil es immer um männliche Götter ging. Eine nervige Macho-Mentalität. Das Leben griechischer Frauen wurde ausgeblendet. „Das hat mich an dem Urlaub wirklich gestört“, sagt Eva Veith. „Als hätten Frauen seit der Antike keine wichtige Rolle gespielt. Dagegen wollte ich etwas tun.“

Eva Veith

Eva Veith


Das hat die 56-Jährige. Als Geschäftsführerin des Reiseveranstalters Frauen Unterwegs setzt sich Eva Veith seit 1984 energisch dafür ein, das Bild der Frau in der Gesellschaft zu stärken. „Meine eigenen Erlebnisse brachten mich auf die Idee. Nicht nur Reisen für Frauen zu organisieren, sondern auch die Frauen des jeweiligen Reiselandes zum Thema zu machen“, erzählt Veith. Reichlich Skepsis, Kopfschütteln und Spott erntete sie dafür. Doch das schreckte sie nicht ab: „Vielleicht weil ich wirklich inspiriert und völlig branchenfremd war.“

Die Anfänge von Frauen Unterwegs

Sie arbeitete damals als Sozialpädagogin in der Erwachsenenbildung. Tourismus war für sie absolutes Neuland. Der erste Ausflug in die fremde Branche bestärkte sie in ihrem Vorhaben nur noch mehr. Sie besuchte die Internationale Tourismus-Börse in Berlin, um ein bisschen Marktforschung zu betreiben.
„Wir schrieben immerhin das Jahr 1984, und doch stieß ich auf sehr zementierte Strukturen“, blickt Eva Veith zurück. „Frauen verreisten mit der Familie oder mit dem Ehemann. Das war’s.“ Frauen unter sich: eine Marktlücke, die Eva Veith unbedingt füllen wollte. Zunächst vorsichtig und mit viel Improvisation.
„Die ersten beiden Reisen plante ich am Küchentisch“, erzählt sie und lacht. In die Toskana sollte es mit 15 Teilnehmerinnen beginnen. „Ich ging einfach davon aus, wie ich selbst gern reisen wollte. Ein Urlaub für alle Sinne. Interessantes Kulturprogramm, gutes Essen, Besuch eines Weinguts, ein Sprachkurs – und auf Frauenspuren wandeln.“ Eine Freundin aus Italien half ihr. „Werke von Malerinnen der Renaissance verstaubten damals in einem Nebentrakt der Uffizien in Florenz“, sagt Eva Veith. „Am Ende schafften wir es und konnten hinein.“
Bei Florenz blieb es nicht. Um welches Reiseziel es auch geht, Eva Veith und ihre Kolleginnen sagen vor Ort klar, was sie für ihre Kundinnen suchen und wollen. „Wir regen die weibliche Perspektive an, bei Museen, Agenturen oder Tourismuszentralen“, erklärt die Berlinerin. „Gleichzeitig versuchen wir, Frauen, die in der Branche arbeiten, zu stärken, engagieren bewusst Skilehrerinnen oder Reiseleiterinnen.“
50 neue Arbeitsplätze sind so entstanden. Frauen Unterwegs hat den Tourismus weiblicher gemacht. Inzwischen werden in Deutschland jedes Jahr über drei Millionen Frauenreisen gebucht. Darauf ist Eva Veith auch ein bisschen stolz. „Es war ja Learning by Doing“, sagt sie. „In die ganze Logistik musste ich mich erst einfuchsen.“ Längst ist der Küchentisch einem Büro gewichen. Heute plant Eva Veith mit ihrem Team über 250 Touren in 50 Länder. Ob Gartenreisen, Wüstensafaris oder Husky-Fahrten – für alle gilt: Männer sind nicht dabei.

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Autor:
Sabine Knapp