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Reise Feuer gefangen

Ganz euphorisch kehrte VITAL-Redakteurin Monika Dittombée aus Island zurück. Was war geschehen? Sie hat sich verliebt! Und musste tun, was man in einer solchen Verfassung eben tun muss: Sie schrieb einen Liebesbrief…

Sehr geehrter Herr Snæfellsjökull,

gewiss erscheint es Ihnen seltsam, dass ich mich in dieser Form an Sie wende. Immerhin sind Sie kein normales Wesen mit einem Briefkasten an der Haustür, sondern ein mindestens 800 000 Jahre alter Vulkan, gekrönt mit einer gefrorenen Kappe aus Gletschereis. Und natürlich stehen Sie ganz majestätisch über den Dingen – so will ich auf eine Reaktion von Ihnen gar nicht hoffen. Trotzdem muss ich unbedingt erzählen, was geschehen ist, als ich mich Ihnen näherte. Jede Sekunde brannte sich in mein Gedächtnis ein. Denn ich habe mich verliebt. Und das nicht nur einmal…

Der VITAL Reiseplaner

Verreisen in Krisenzeiten: Jetzt oder nie! Der freie Fall der Krone hat für Touristen eine positive Seite: Island, früher eines der teuersten Reiseziele, wirbt jetzt mit „Schnäppchenurlaub”. Gäste sind willkommener denn je.

Hinkommen: Icelandair fliegt ab Frankfurt, Düsseldorf, Berlin, München nach Keflavik: www.icelandair.de. Air Berlin ab Düsseldorf und München: www.airberlin.de. Lufthansa ab Hamburg und Düsseldorf (ab Juni): www.lufthansa.de. Jeweils ab 200 Euro.

Schlafen: Das schicke „Hotel 101“ liegt mitten im Ausgehviertel der Hauptstadt. Ab 140 Euro, www.101hotel.is. Für satte Natureindrücke sollte es ein Bauernhof sein: www.farmholidays.is.

Literatur: „Island. Ein Reisebegleiter“, von Arthúr Bollason, Insel TB, 221 Seiten, 10 Euro. Hochspannende Routen auf den Spuren der Sagas. Infos: Isländisches Fremdenverkehrsamt, Tel. 0 61 02/ 25 44 84, www.icetourist.de. 

Erste Annäherungsversuche
Es begann harmlos. Der Himmel schillerte silberblau, kleine Wolkenfetzen zogen eilig vorbei, als ich in Reykjavík in mein Auto stieg, um Sie zu finden. Es schien einfach: nur 230 Kilometer den Ozean entlang bis zur Halbinsel Snæafellsness. Aber dann: Je näher ich Ihnen kam, desto dunkler türmten sich die Wolken zu schwarzgrauen Ungetümen auf. Nur mit Mühe fand ich bei Olavsvík den Weg zu Ihrem 1446-Meter-Gipfel: ein Schotterpfad mit eimergroßen Schlaglöchern. Muss ich erwähnen, dass zäher Nebel es unmöglich machte, weiter als einen Meter zu sehen? Wo eben noch eine kegelförmige Spitze ragte, verschwand sie Sekunden später, in zähe Schleier eingewickelt. Ich tappte zu Fuß weiter und hätte es geschafft, wenn nicht… ja, wenn nicht dieses mulmige Gefühl gewesen wäre.

Dieser dunkle Schatten da vorn: ein Fels? Oder ein Wesen? Dazu diese Windgeräusche, ein hohles Pfeifen in der Nebelwand. Mein Herzklopfen befahl mir: „Lauf weg! Schnell!“ Ich gab auf, rannte zum Auto, verriegelte die Türen von innen. Bergab wurde es, wie zum Hohn, mit jedem Meter heller. Unten wartete die reine Idylle, stahlblauer Himmel, u saftige Wiesen, grasende Pferde. Was sollte dieses Versteckspiel, Herr Snæfellsjökull? Ich weiß, Sie brauchen meine Zuneigung nicht. Esoteriker aus aller Welt verehren Sie als spirituelles Kraftzentrum. Jules Verne ließ in Ihrem Krater seine „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ beginnen. Genug Ruhm klebt an Ihnen wie die tiefschwarze Lava Ihres letzten Ausbruchs vor 1750 Jahren. Doch ist dies ein Grund, sich so verhüllt zu zeigen? Sie sollten wissen, dass Ihre Verschleierungstaktik mich anspornt. Ich könnte zur Stalkerin werden. Zur Vulkan-Stalkerin. 

 

 

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