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Reisereportage Eine Reise nach Indien

Einmal nach Indien: Das wünschte sich VITAL-Autorin Ulrike Hilgenberg seit Jahren. Im letzten Winter war es so weit, sie reiste vier Wochen quer durch den Süden des Subkontinents. Allein. Abenteuer? Gestillte Sehnsucht? Experiment? Von allem etwas – und obendrein die Begegnung mit einer fremden Welt.

Frauen aus Indien

20. Dezember 2011 - Mamallapuram, Tamil Nadu, indische Ostküste

Das Meer rauscht ohrenbetäubend. Ich schlage die Augen auf. Keine Ahnung, wo ich bin. Über mir an der Decke sitzt ein Gecko und frisst, wie mir scheint, schmatzend und grinsend, kleine Fliegen. Mit einem Satz bin ich aus dem Bett. Die Orientierung ist wieder da: Ich bin in Indien, in dem Land, von dem ich seit 20 Jahren träume. In das ich aber nie gereist bin, weil ich mich entweder nicht stark genug fühlte, kein Geld oder keine Zeit hatte. Doch dieses Jahr wurde meine Sehnsucht nach „Mother India“ so groß, dass ich von heute auf morgen einen Flug buchte. Ich wollte das indische Lebensgefühl, das ich nur aus Büchern und Filmen kannte, endlich erleben.

21. Dezember 2011

Frauen am arbeiten

Baumwolle oder Seide - ein Saristoff ist sieben Meter lang und wird kunstvoll gewickelt.

Die Hauptstraße wirkt wie ein Basar aus „Tausendundeiner Nacht“. Glitzernde Pluderhosen, Blusen und Wandbehänge. Es gibt handgehämmerte Götterstatuen in jeder Größe. Mamallapuram ist seit Jahrhunderten das Zentrum der Steinmetze. Jenseits der Touristenmeile ist Indien so, wie ich es mir vorgestellt habe – wie eine alte Postkarte in Sepia. Rauch liegt in der Luft, Kühe trotten zwischen trötenden Mopeds und überfüllten Bussen. Es sind hauptsächlich Männer unterwegs, die mich fragen: „Which country?“ und „Where is your husband?“ Das nervt extrem, außerdem steckt mir der Jetlag in den Knochen. Ich buche eine Klangschalenmassage. Die archaischen Töne entspannen mich. Danach habe ich das Gefühl, allen Abenteuern gewachsen zu sein.

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