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Reise-Reportage Das ägyptische Sharm el-Scheikh

Sie tut bescheiden, diese Wüste. Schmückt sich nur mit gelbem Sand und blauem Himmel. Doch wer genau hinschaut, entdeckt im Süden des Sinai nicht nur meditative Stille, sondern auch ein beeindruckendes Spiel der Farben.

Stille. Nur die Schritte der Kamele und ihrer Führer, die der Sand fast verschluckt, sind zu hören. Und das gedämpfte Klatschen wippender Teppiche auf den Kamelrücken. Ich schließe die Augen und halte mich am großen Holzknauf meines Sattels fest. Auf und ab, auf und ab – so lasse ich mich durch das Wadi Ghazala im Süden des Sinai schaukeln. Der alte Karawanenweg führt zur Oase Ein Hudra. Falls ich es schaffe, oben sitzen zu bleiben. Kamelreiten ist ein bisschen wie Rodeo, nur ohne Drehungen und in Zeitlupe. Auf jeden Fall ein Bauchmuskeltraining exotischer Art. Ich öffne die Augen. Hochnäsig guckt mein Kamel Berdenk stur geradeaus. Dabei gibt es hier so viel zu sehen! Gelb-orange ragen verwitterte Sandsteinfelsen aus der puderzuckerfeinen Wüste empor. Die spröden Schönheiten begeistern mich seit meiner Ankunft im ägyptischen Sharm el-Scheikh. Dort gucken die Granitfelsen wie riesige, abgebrochene Schoko-Kekse aus der weißen Sandfläche hervor. Vor meiner Landung dachte ich noch, die Wüste sei eintönig. Doch mit jedem Tag wird mir das Gegenteil bewiesen.

Kunsthandwerk

Zum Beispiel von Selema Gabaly. Ich treffe die 34-Jährige in ihrem Laden am Mosesberg. Hier, wo sich viele Touristen den „brennenden Dornbusch“ im Katharinenkloster anschauen, kann sie ihre handgemachten Taschen gut verkaufen. Und das verschafft vielen Beduinenfrauen im Umkreis ein kleines Einkommen. „Viele Frauen dürfen aus traditionellen Gründen nicht außerhalb ihres Hauses arbeiten“, sagt Selema. Deshalb kommt sie mit schönen Stoffen bei ihnen vorbei. 365 Frauen arbeiten für „FanSina“. Einige nähen, andere besticken die fertigen Produkte mit Perlen und beduinischen Mustern. „So erhalten wir diese Muster am Leben. Heute bestickt doch kaum noch jemand seine Kleidung.“ Von Kopf bis Fuß verhüllt, huscht Selema vom Verkaufsraum ins Lager. Mit strengem Blick durchforstet sie ein riesiges Regal voller Gläser mit bunten Perlen. Sie sucht die passenden für eine grüne Tasche. Selema selbst stammt aus dem bergigen Zentrum des Süd-Sinai, lebt mit ihrem Mann aber in der 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Kairo. Besser gefällt ihr die Heimat. „Hier gibt es viel mehr Farben“, sagt sie. Ich schaue aus dem Fenster in die karge Landschaft – und bin ein bisschen verwundert.

 

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