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Designprodukte Trend: Recycling

Recylingpapier braucht sich hinter Blättern aus frischen Fasern nicht mehr zu verstecken: Es sieht super aus, ist vielseitig einsetzbar, spart bei der Herstellung Energie und schont Wasser und Wälder

Es gibt viele Wege, Gebrauchtes wiederzuverwerten, statt immer alles neu zu produzieren.“ Davon ist die US-Umweltaktivistin Annie Leonard überzeugt. Jahrelang reiste sie als Müll-Expertin für Greenpeace und andere Organisationen rund um die Welt – und sah, was die moderne Wegwerfgesellschaft anrichtet. Nun predigt sie in ihrem neu erschienenen Buch „The Story of Stuff – Wie wir unsere Erde zumüllen“ (Econ), Abfall selbstverständlich wieder als Rohstoff zu nutzen und z.B. aus Papier wieder Papier herzustellen. Wegen ihres kompromisslosen Stils („Jedem, der seine fünf Sinne beisammenhat, müsste doch klar sein…“) wird die Amerikanerin zwar gelegentlich als „Marx mit Pferdeschwanz“ beschimpft, aber gerade ihr Plädoyer für mehr Recycling ist in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit hochaktuell.

Kunst & Alltag

Noch immer hält sich hartnäckig das Vorurteil, Recyclingprodukte seien rau, grau und unansehnlich. Aber gerade moderne Recyclingpapiere widerlegen das: Sie sind fast so hell wie Neupapier und diesem qualitativ ebenbürtig. Keine ästhetischen Abstriche machen zu müssen und obendrauf noch den Charme des Gebrauchten zu bekommen – diese Kombination inspiriert etliche Künstler, aus Alt papier etwas Besonderes zu machen. Die Käufer mögen es, weil sie ein individuelles Produkt bekommen, in dem viel liebevolle Handarbeit steckt. Natürlich kann man Recyclingpapier nicht nur in der Kunst, sondern vor allem im Alltag gebrauchen: Für nahezu jede Papiersorte findet man im Laden ein Pendant – ob für gelbe Post-its, die weiße Küchenrolle oder das edle Briefpapier –, und vieles spricht dafür, sich umzustellen.

Auf dem Holzweg

Ganze 250 Kilogramm Papier und Pappe verbraucht jeder Deutsche im Jahr – viermal so viel wie der Weltdurchschnitt! Die Papierherstellung verschlingt viel Energie, entsprechende Mengen Kohlendioxid werden ausgestoßen, was das Klima schädigt. Wegen der starken Nachfrage lassen die Hersteller große Flächen Wald abholzen – eines der bedeutsamsten ökologischen Probleme der Welt. Der WWF hat errechnet, dass allein für den EU-Hygienepapiermarkt, also für Toilettenpapier, Servietten und Taschentücher, 25 Millionen Bäume jährlich gefällt werden. Indem wir Papier sparen, schützen wir die Primärwälder und tragen zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Und wir bewahren den Lebensraum der lokalen Bevölkerung. Ist doch ganz einfach: das Papier in Druckern auf Vorder- und Rückseite benutzen und generell weniger ausdrucken. Ein Vermerk am Briefkasten kann die Werbeflut ein dämmen und am Ende die Produktion überflüssiger Prospekte bremsen.

Klimaschutz fängt zu Hause an

Recyclingpapier ist eine bewährte und umweltfreundliche Alternative. Papierfasern aus zweiter Hand ersetzen frisches Holz, und die Herstellung spart im Vergleich jeweils rund 60 Prozent Energie und Frischwasser ein – ist also ein echtes Erfolgsrezept. Das Prinzip wurde schon vor 200 Jahren entwickelt: Zuerst wird das Altpapier mit Wasser versetzt, aufgelöst und zerfasert. Der Brei wird gereinigt und von Fremdkörpern befreit. Chemikalien (leider unvermeidbar) lösen die Druckfarben von den Papierfasern und trennen beides. Letztendlich presst man den dünnen Faserbrei wieder zu Papier. Aus Altpapier lässt sich auf diesem Wege vier- bis fünfmal neues Papier fertigen! Noch eine beeindruckende Zahl: Wer 1000 Blatt Druckerpapier durch ein Recyclingprodukt ersetzt, könnte mit der gesparten Energie 70 Computer mit Flachbildschirm einen Arbeitstag lang betreiben, so das Umweltbundesamt. Obwohl Zyniker den Einfluss des Einzelnen kleinreden, sollte man sich nicht beirren lassen: „Mit jeder Kaufentscheidung treffen wir eine Wahl für oder gegen einen sparsamen Umgang mit Energie und Rohstoffen“ – so werben die Verbraucherzentralen unter anderem für den Umstieg auf Recyclingpapier und nennen es charmant „Seitenwechsel“.