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Sukkulenten Liebesboten in Grün

Sie sind kleine Kunstwerke der Natur. Und die perfekten Gefährten: Sukkulenten trotzen Krisen mit Stil und Durchhaltevermögen. Eine Ode auf Pflanzen, die sogar in Dürrezeiten gedeihen. Und außer Licht und Luft kaum etwas zum Leben brauchen.
Grüne Pflanze

Sukkulenten sind ungefähr das Gegenteil von der Rose des kleinen Prinzen: Sie fordern nicht. Sie sind einfach da. Selbst dann, wenn wir uns rar machen.  Es ist wie in der Liebe: Auch die hält manche Durststrecke aus. Solch treue Begleiter hätten einen schöneren Namen verdient. Sukkulenten klingt nach linkischen Bewohnern eines Alienplaneten oder nach wackeligen Aktienfonds. Dabei sind sie eine ganz sichere Investition, das perfekte Grün für Menschen mit „braunem Daumen“. Sie scheinen die Kamele der Flora zu sein, speichern Wasser wie ein Schwamm und ziehen Feuchtigkeit aus der Luft.

Die wird als Zellsaft ins Gewebe eingelagert. Daher kommt auch ihr Name, vom Lateinischen Succus, dem Saft. Sukkulenz ist eine ebenso ausgeklügelte wie simple Überlebensstrategie, die ein wenig an Omas „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not!“ oder „Zufriedenheit ist wertvoller als Reichtum“ erinnert. Diese grünen Mitbewohner erweisen sich, wenn man so will, als Vorbilder für Krisenzeiten in Pflanzenform. Genügsam und gelassen. Vielleicht waren sie deshalb lange Zeit die Pflanzen der Wahl in Einwohnermeldeämtern und anderen Behörden, wo nicht nur ihr Image anstaubte. Jetzt glänzen sie wieder in Wohnzeitschriften und zeigen, was wirklich in ihnen steckt: Anmut, Individualität und Durchhaltevermögen.

Grüner Daumen für Anfänger
Beim Gärtner kaufen, nicht nur der Qualität wegen – er hat auch die passenden Tipps. Sukkulenten freuen sich über wasserdurchlässige und nährstoffreiche Erde (2 Teile Komposterde, 1 Teil Quarzsand), die alle drei Jahre erneuert werden sollte. Bei 80 Grad im Backofen ist sie nach ca. 30 Min. schädlingsfrei. Wer die Pflanzen vermehren möchte: Nebensprossen (sogenannte Kindel) abtrennen und in angefeuchtete Erde einpflanzen – so wurzeln sie schnell. Blätter können mit angetrockneter Schnittfläche einfach in die Erde gesteckt werden.

Das Wunder der Sukkulenten

Wenn sie gehegt werden, strahlen sie. Nicht anders als wir Menschen. Umsorgte Sukkulenten gedeihen und treiben manchmal sogar wunderschöne Blüten. Und um Crassula, Peperomia oder Haworthia fasciata niederzuringen, braucht es schon Mutwilligkeit. Dürre kennen die in Süd- und Ostafrika beheimateten Pflanzen schließlich gut: Das Wurzelsystem verläuft in der Natur häufig flach in der oberen Bodenschicht, sodass auch die kleinen Saugwurzeln austrocknen. Fällt wieder Regen, dauert es oft nur 24 Stunden, bis neue entstehen. Andere Sukkulenten wiederum stammen aus dem Dunkel des Dschungels – und vermissen daher kein Licht.
 
Wer ihre Herkunft kennt, weiß, was er seiner Pflanze zumuten kann. Oder wie er das Schönste aus ihr herauskitzelt. Eingeteilt werden die stressresistenten Mitbewohner in drei Gruppen: Je nachdem, in welchem Pflanzenteil das Wasser gespeichert wird, sind es entweder Stammsukkulenten wie Kakteen, Blasukkulenten wie Agaven, oder Wurzelsukkulenten wie die Welwitschie. Die kann mehrere hundert Jahre alt werden, in Namibia ist sogar ein über 1500-jähriges, mannshohes Exemplar zu bewundern. Aber auch die anderen Vertreter dieser natürlichen Lebenskünstler sind unwahrscheinlich robust, leicht zu vermehren und sehen dabei aus wie das Werk preisgekrönter Designer. Akkurat symmetrisch, bizarr verbogen, pelzig behaart, gezahnt, kugelrund wie aus Wachs gegossen, samtgrün bis aubergine, blassblau bis flieder: Die unglaubliche Vielfalt steht jedem Raum gut. Denn ein Blick auf die Bilder hier genügt: Langweilig erscheint keine. Vor allem aber sind sie verlässlich wie gute Freunde, die auch nicht ständig umsorgt werden müssen. Und sie nehmen es nicht krumm, wenn man sie eine Weile ignoriert. Allerdings: Auch die Langmut hat ihre Grenzen, niemand macht das ewig mit. Nicht einmal eine Sukkulente.

 

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Autor:
Manu Schmickler