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Umwelt Rudern für den Tierschutz

Die Weltmeere leiser machen – Extrem-Ruderin Janice Jakait, kämpft gegen die Lärmverschmutzung auf See. Als erste Deutsche ruderte die 34-Jährige allein über den Atlantik.
Janice Jakait

Eben war die See noch ruhig. Jetzt beginnt sie plötzlich zu sprudeln, als habe jemand tonnenweise Brausepulver verstreut. Lautes Platschen, Pfeifen – und dann tauchen sie auf: Mehr als 50 Delfine pflügen direkt vor Janice Jakaits Boot durchs Wasser, springen in die Luft, wirbeln und drehen sich, scheinen zu tanzen. „Es war atemberaubend. Als wollten die Tiere mich anfeuern“, erzählt die Umweltaktivistin mit bewegter Stimme.

Als erste Deutsche ruderte die 34-Jährige allein über den Atlantik. In einem 7-Meter-Boot. Ohne Segel, ohne Motor, nur mit Muskelkraft. Am 23. November 2011 stach Janice Jakait, die sonst in Neulußheim bei Heidelberg lebt, im portugiesischen Portimão in See. Über eine Million Ruderschläge und 6500 Kilometer später kam sie am 21. Februar 2012 in St. Charles auf Barbados an. „Überglücklich“, erzählt sie. „Ich bin von unzähligen Menschen, von Menschentrauben empfangen worden. Das war mir fast ein bisschen zu viel.“

Sie spürt, dass sie eine andere geworden ist. Nicht nur, weil sie jetzt Oberarme wie die Comicfigur Popeye hat. „Ich weiß nicht, ob ich weitere Verwendung dafür habe“, sagt die ehemalige IT-Beraterin. Acht bis zwölf Stunden ruderte sie am Tag. Um anzukommen. Aber auch, damit das enge Hightechboot „Bifröst“ in ihrem Kopf nicht zum Gefängnis wird. „Das hat mich auch innerlich verändert“, sagt Janice Jakait. Gelassener, ehrfürchtiger sei sie jetzt. „Das Meer war einfach überwältigend. Ich werde Monate brauchen, um die vergangenen 90 Tage zu begreifen.“

Auf die erste warme Dusche und ein Bett, das nicht ständig schwankt, freute sie sich trotzdem. „Ein unbeschreibliches Gefühl, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.“ Es ging ihr nicht um Rekorde, sondern um Ruhe. Mit ihrem „Row for silence“ (engl.: Rudern für Stille) wollte sie mit der Meeresschutzorganisation Ocean Care auf die zunehmende Lärmverschmutzung unter Wasser aufmerksam machen. „Das Meer ist ein akustisch geprägter Lebensraum. Wale und Delfine sind auf ihr Gehör angewiesen, damit sie jagen, sich verständigen und orientieren können“, erklärt Janice Jakait. Doch immer größere und immer mehr Schiffe, militärische Ortungssysteme und die Suche nach Erdölvorkommen erzeugen Lärmpegel bis zu 240 Dezibel. „Das entspricht einer startenden Rakete und wird unter Wasser hunderte Kilometer weit getragen. Wir kriegen die Folgen nur in den Nachrichten mit, wenn mal wieder irgendwo Wale stranden und verenden“, so Janice Jakait.

Ihre Überfahrt soll etwas ändern. Aufklären, ein Signal an die Gesellschaft und die Politik senden – wenn das gelingt, sei das schon sehr gut, sagt die engagierte Extrem-Ruderin. Und obwohl sie erst seit wenigen Wochen wieder zu Hause ist, denkt Janice Jakait schon an das nächste Unternehmen. „Wir müssen uns einfach mehr für die Natur einsetzen“, sagt sie. „Aber ich will auch wieder zurück aufs Wasser. Das ist mein Element.“ Infos: www.oceancare.org