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Umweltfreundlich Ohne Plastik geht es auch

Nicht immer einfach, aber möglich: Sandra Krautwaschl, 40, verbannte fast sämtlichen Kunststoff aus ihrem Leben.

Umwelt

Der Familienrat tagte, und die drei Kinder sagten, was Sache ist. Samuel und Marlene, damals zwölf und zehn, fanden, „das Experiment“ sei doch gerade erst angelaufen. Und der siebenjährige Leonard konnte sich tatsächlich vorstellen, die geliebte Spielzeug-Ritterburg raus in den Schuppen zu räumen. „Da lagerte schon unser halber Hausrat“, erzählt Sandra Krautwaschl und lacht. „Nur der aus Plastik, wohlgemerkt.“

Die Idee wird geboren

Zusammen mit ihrem Mann Peter und den drei Kindern stellt sich die 40-jährige Österreicherin einer ungewöhnlichen Herausforderung: „Wie schafft man es, möglichst plastikfrei zu leben?“ Ursprünglich hatten sie den Versuch auf vier Wochen angelegt. Mittlerweile dauert er drei Jahre.
Die Idee kam der Physiotherapeutin, nachdem sie den Film „Plastic Planet“ gesehen hatte: „Meine Freundin und ich kriegten damals Karten für die Premiere in Wien geschenkt und gingen eher lustlos hin. Wir hatten uns auf Science-Fiction eingestellt.“ Tatsächlich sahen sie eine Dokumentation des Wiener Regisseurs Werner Boote über den weltweiten Plastikboom (Infos: www.plastic-planet.de).

Das Plastik-Experiment beginnt

Wie hilflos sie sich danach fühlte, weiß Krautwaschl noch genau. „Ist doch Wahnsinn, dass in den Weltmeeren sechsmal mehr Plastikteile schwimmen als Plankton, dass Plastik sogar in unserem Blut nachweisbar ist. Und niemand kennt die Folgen“, sagt Krautwaschl voller Wut. Am meisten ärgert sie die Haltung der Industrie, die jährlich 800 Milliarden Euro mit Kunststoffen umsetzt. „Viele Hersteller lassen Kontrolleure auflaufen, wenn’s dar um geht, Produkte auf Unbedenklichkeit zu testen – Betriebsgeheimnis, angeblich.“
Ihr erster Reflex: Ich muss was tun! So entstand die Idee vom möglichst kunststofffreien Haushalt. „Ich schrieb Werner Boote eine E-Mail, und er sagte uns seine Hilfe zu“, erzählt Krautwaschl. Der Regisseur richtete z.B. ein Internet-Tagebuch ein. „Und er riet uns, das Haus auf den Kopf zu stellen und erst mal alles an Plastik auszuräumen.“

Ohne Plastik Leben?

Wenig später breitete sich in ihrem Garten bei Graz ein riesiger Plastikberg aus. „Das hat uns nur darin bestärkt, weiterzumachen.“ Fortan transportierte die Familie Lebensmittel in Schraubgläsern oder Blechdosen. Eingekauft wurde beim Bauern. „Wir legten Vorräte ganz anders an, warfen nichts mehr weg“, sagt Krautwaschl. Sie trieb plastikfreie Zahnbürsten auf, direkt Abfüllbares wie Waschlotion und Allzweckreiniger. „Und nachdem unsere Kinder beim Familienrat beschlossen hatten, weiterzumachen, gab es kein Zurück.“
Trotzdem weiß Sandra Krautwaschl: Völlig ohne Plastik geht es nicht. Bei Fahrradhelmen zum Beispiel. „Sicherheit geht vor, ohne Abstriche.“ Wie sie die Idee rückblickend sieht? „Wir sind weder Gutmenschen noch Ökospinner, wir wollten nur konsequent sein. Das macht mich stolz“, sagt Sandra Krautwaschl. „Ich bin hoffnungsvoller geworden. Es fühlt sich gut an, zu tun, was man für richtig hält.“

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