[Alt-Text]

Nachhaltig Reisen Öko-Urlaub in Peru

Können Fernreisen umweltverträglich sein? Unsere Redakteurin Imme Bohn ist nach Peru geflogen – und hat sich ökologisch korrekt und mit gutem Gewissen erholt.

Seit meiner Kinderzeit liebe ich Paddington, den kleinen Bären mit dem Dufflecoat und dem großen Hut. Er stammt aus Peru. Wie es dort wohl aussieht, habe ich mich oft gefragt. Vor dem Abflug in Paddingtons Heimat hat mich dann aber eher das Thema beschäftigt, wie sich eine so weite Flugreise mit ökologischem Verantwortungsbewusstsein vereinbaren lässt. Meine Lösung: von der Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance zertifizierte Unterkünfte.

 

Öko-Lodges mitten im Dschungel
Das Eintauchen in die ökologisch korrekte Urlaubsstimmung vollzieht sich alles andere als geräuschlos. Ein betagtes Holzboot schippert mich und 20 andere Touristen unter lautem Motorgeknatter über den Madre de Dios zur Reserva Amazonica Lodge im Südosten Perus. An den Ufern des etwa 200 Meter breiten Flusses erstreckt sich dichter Dschungel, die Luft ist heiß und feucht. Etwas Kühlung bringt der sanfte Fahrtwind, der den leicht brackigen Geruch des hellbraunen Wassers aufnimmt. Nach 45 Minuten Fahrt legen wir an. Vom Flussufer geht’s 30 Holzstufen hinauf zu den Lodges. Die Treppe führt durch eine sagenhafte Vegetation: Riesenfarne säumen den Weg, leuchtend rote Hibiskusblüten und lila Orchideen locken Schmetterlinge an. Mehr als 350 Falterarten sollen inmitten dieser Blütenpracht leben. Ein roter Ara fliegt von einer Palme zur nächsten. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Damit es so bleibt, betreibt die Inkaterra Company ihre insgesamt drei peruanischen Lodges klimaneutral. In der Küche werden nur biologisch angebaute Produkte aus der Umgebung verarbeitet. Geduscht wird mit aufbereitetem Flusswasser. Acht von zehn Angestellten sind Einheimische; so bleibt das Geld in der Region.

 

Hütte
Ein Bett unter Bananenblättern
An Baumaterialien wird in erster Linie verwendet, was Feld und Urwald hergeben. Die Wege sind mit Baumstammscheiben und Paranussschalen gepflastert. Der Paranussbaum ist eine der wichtigsten Nutzpflanzen im Amazonasgebiet. Vor dem Haupthaus steht ein antiquierter Knacker samt Nüssen, an denen sich alle Gäste bedienen können. Die Reserva Amazonica Lodge besteht aus Bambus mit einem Dach aus Bananenblättern. Statt Fenstern aus Glas halten feine Netze die Moskitos ab. Wärmedämmung braucht hier niemand. Auf ein Minimum reduziert wurde der Bedarf an Elektrizität: Zwei Lämpchen neben dem Spiegel beleuchten das Bad. Die Petroleumlampen auf den Stufen zur Lodge und in dem mit Bambusstühlen und Hängematte möblierten Vorraum strahlen Gemütlichkeit aus. Helles Licht spendet eine wieder aufladbare Taschenlampe. Als Feuerlöscher steht ein Zinkeimer mit Sand neben dem kleinen Schreibtisch. Mit einer Trillerpfeife, die an einem Kleiderhaken hängt, lässt sich im Notfall Alarm geben. Neben dem Waschbecken stehen Shampoo und Seife sowie Zitronenöl gegen Stechmücken – alles ohne Zusatzstoffe hergestellt und abgefüllt in recycelbare braune Glasflaschen. Schlicht, schön und praktisch. Als ich nach dem Duschen in die hoteleigenen Sandalen aus recyceltem Reifengummi schlüpfe, weiß ich: Mehr Annehmlichkeiten brauche ich nicht, um mich wohlzufühlen.

 

Brüllaffen als Wecker

Affe

Vor dem Einschlafen denke ich an die Otter, die im nahen Sandoval-See leben, und an die Brüllaffen. Wie wird es sich wohl anhören, von ihrem Geschrei geweckt zu werden? Später weiß ich es: ohrenbetäubend! Der tierische Weckdienst erinnert an das Kreischen von Eisenbahnrädern bei einer Zug-Vollbremsung. Ein vergleichsweise leises Vergnügen ist dagegen das Canopying: In 30 Meter Höhe, auf Augenhöhe mit den Baumkronen, klettere ich über Hängebrückenpfade. Unter mir raschelt und knistert es, aber keines der vielen Urwaldtiere ist zu sehen. Neben Baumwipfeltouren bietet die Lodge noch viele andere Facetten des Ökotourismus: Dschungelführungen zum Beispiel, Vorträge oder auch die Möglichkeit, bei der Papayaernte mitzuhelfen. Zu einem Perubesuch gehört natürlich ein Abstecher nach Machu Picchu. Die gut erhaltene Ruinenstadt der Inkas, erbaut im 15. Jahrhundert in 2360 Meter Höhe, ist Teil des Weltkulturerbes. Mein dortiges 5-Sterne-Hotel, von der Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance ebenso zertifiziert wie die Reserva Amazonica Lodge, hebt Öko-Kultur auf Luxusniveau. Vor dem Rückflug in Lima entdecke ich in der Flughafenboutique einen kleinen Paddington-Stoffbären. Ich denke, der Held meiner Kindertage kann zufrieden sein, wie achtsam ich seiner Heimat begegnet bin.

 

VITAL Reiseplaner

Beste Reisezeit Peru: Von Juni bis Oktober. Im Dschungelgebiet um Puerto Maldonado ist es dann feuchtheiß mit wenig Regen. In Machu Picchu im Andenhochland liegt die Temperatur bei trockenen 25 Grad. Anreise: Ab Hamburg, Berlin, Frankfurt oder München über Amsterdam ab 1050 Euro (Hin- und Rückflug) nach Lima (klm.com, CO2-neutrale Flüge gegen Aufpreis). Von Lima ab 208 Euro nach Puerto Maldonado (lan.com).

Unterkunft: Reserva Amazonica Lodge, 35 Bungalows für je 2 Personen. Preisbeispiel: 3 Tage/2 Nächte mit Vollpension, Ausflügen und Wellness-Massage pro Lodge ab 470 Euro (inklusive Motorboottransfer von und nach Puerto Maldonado). inkaterra.com/en/reservaamazonica

Machu Picchu:

Anreise: Flug von Puerto Maldonado nach Cusco ab 178 Euro (lan.com). Zugfahrt von Cusco mit dem Peru Rail (ca. 2 Stunden) ab 39 Euro nach Aguas Calientes/Machu Picchu.

Unterkunft: Sumaq-Hotel, 5 Sterne, am Fuße des Berges Machu Picchu. Super Blick auf den vorbeirauschenden Vilcanota River. Das Luxushotel spart durch spezielle Vorrichtungen Wasser und Strom. Die Gäste sind an gehalten, den Müll zu trennen. Unterstützt eine örtliche Gesundheitskampagne und einen Kinder-Lesezirkel. DZ mit HP (Frühstück/Abendmenü) ab 330 Euro. sumaqhotelperu.com Elmapi-Hotel, DZ mit Frühstück ab 175 Euro. elmapihotel.com

Schlagworte:
Autor:
Imme Bohn