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Natur Teamwork in der Tiefe

Eine Flosse wäscht die andere: In den Weltmeeren harmonieren ungleiche Paare – mit Toleranz, die gegen den Strom schwimmt.
Fische im Meer halten zusammen
Lassen Sie uns abtauchen in eine faszinierende Welt, durchzogen von Riffen und Schluchten, bevölkert von quietschbunten Fischen und wabernden Pflanzen. Eine Welt mit eigenen Gesetzen – und erstaunlichen Wohngemeinschaften. Wie etwa Clownfische und Anemonen. Tatsächlich. Man hätte diese freundschaftliche Beziehung unten im Meer auch für eine disneysche Erfindung halten können, seitdem „Findet Nemo“ 2003 in die Kinos kam. Aber es stimmt: Die beiden bilden ein Traumpaar.
 
Die Tentakel der Anemone, die fremde Eindringlinge mit dem Inhalt ihrer Nesselkapseln verletzen und töten, sind für den Clownfisch nicht gefährlich, sondern schützendes Nest. Ob die Anemonen vorsorglich eine Art Gelee ausstoßen, um diese Fische nicht zu verletzen, oder ob den orange-weiß-schwarzen Meeresbewohnern einfach die biochemischen Stoffe fehlen, die den Nesselausstoß auslösen, das haben Forscher noch nicht klären können. Fest steht: Die beiden Tierarten – die Seeanemone ist nämlich keine Pflanze, sondern ein Hohltier, das sich vom Boden lösen und schwimmen kann tolerieren sich gegenseitig. Mehr noch: Sie fühlen sich nur miteinander wohl. Der Clownfisch putzt Schmutz von der Anemone, fächelt ihr Wasser und damit Sauerstoff zu und verteidigt sie vor Fressfein- den dank Warnlauten, knallbunter Farbe und Imponiergehabe. Und wenn er sich dann selbst auf der Flucht vor seinen eigenen Feinden in ihr versteckt, gleicht das einem Essenslieferservice. Der hungrige Raubfisch schwimmt auf der Jagd dem bunten Kleinen hinterher, gerät in die Tentakel der Anemone und wird von ihr verspeist. Am Ende fällt sogar noch was für den Mitbewohner ab. Echtes Teamwork.
 

Ein harmonsiches Leben

Toleranz zahlt sich eben aus. Die besondere Art der Symbiose, bei der beide Parteien einen Nutzen haben, nennt sich Mutualismus. Es ist die beste Form der Abhängigkeit, ein Geben und Nehmen, das das Leben erleichtert und bereichert. Es mag eine gut ausgeklügelte Laune der Natur sein, wenn scheinbar völlig unterschiedliche Lebewesen miteinander harmonieren und voneinander profitieren, egal, ob es sich um Nahrung, Wachstum oder Schutz vor Feinden handelt.
 
Aber es ändert ja nichts an der Tatsache, dass es einen Versuch wert wäre, selbst offener zu sein. „Wie du mir, so ich dir“ kann dann eine sehr angenehme Bedeutung bekommen. Es macht das Leben wesentlich leichter, seine Vorurteile über Bord zu werfen und stattdessen die Vorteile des anderen zu sehen. Und sich einzugestehen, dass Unterschiede eine Gemeinschaft stärken, nicht schwächen. Denn Toleranz statt Konkurrenz ist, wie es scheint, die natürlichste Sache der Welt. Das zeigen uns auch andere Bewohner des Korallenriffs. Hier wartet, immer an derselben Stelle, der Gemeine Putzerlippfisch auf Kundschaft. Tagtäglich kommen die unterschiedlichsten Fischarten, sogar Mantas und Adlerrochen, vorbei, um sich reinigen zu lassen.
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Autor:
Manu Schmickler