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Fairer Schmuck

Das Schenken von Schmuck ist ein Zeichen von Wertschätzung. Die Herstellung der Stücke dagegen aber oft mit Ausbeutung verbunden. Dass es auch anders geht, zeigen junge Goldschmiede

schmuck kette

Cripple Creek, die alte Goldstadt in Colorado: Als Petra Dosch vor zehn Jahren durch die USA reiste, freute sie sich am meisten auf diesen Zwischenstopp. „Ich verband so romantische Vorstellungen damit.“ Aber was die Goldschmiedin dann sah, stellte ihre ganze bisherige Arbeit infrage: kein Grün weit und breit, nur nackte Erde – eine Landschaft, die einer einzigen Schutthalde glich.

Hungrig nach Gold hatten sich schwere Maschinen durchs Erdreich gefressen, tonnenweise Gestein umgewälzt und aufgehäuft. Auf dem Boden immer wieder Plastikplanen, so groß wie Fußballfelder; wofür sie dort aufgespannt waren, erfuhr Dosch erst später: Um das Gold aus dem Geröll zu lösen, wird es in Zyanid-Lauge gebadet. „Die Chemikalien werden von der Folie aufgefangen – und manchmal eben auch nicht.“ Mit tödlicher Blausäure versetztes Wasser: Wo so ein Becken ausläuft, wächst kilometerweit und jahrzehntelang kein Grashalm mehr. Und auf diese Weise wird nicht nur in den USA Gold gewonnen, sondern auch am Amazonas und im afrikanischen Regenwald – in den artenreichsten Regionen der Erde. Nach ihrer Rückkehr dachte Dosch, dass sie ihren Beruf aufgeben müsste: „Ich konnte doch nicht in meinem idyllischen Bayern sitzen und schönen Goldschmuck machen, wenn dafür anderswo die Umwelt zerstört wird.“

Aber nicht nur die Natur muss unter der Goldgier leiden. Gerade in den an Bodenschätzen reichen Entwicklungsländern prangern Menschenrechtsorganisationen die Gewissenlosigkeit meist westlicher Bergbauunternehmen an. „Wenn überhaupt, dann wird die ansässige Bevölkerung nur unzureichend für ihr Land entschädigt“, sagt Sebastian Rötters vom FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk (FIAN). Unter leeren Versprechungen werden die Einheimischen umgesiedelt, immer wieder sogar mit Einschüchterung und Gewalt von ihrem Land vertrieben. Selbst wenn ein paar wenige von ihnen Arbeit in den Minen finden, schuften sie für einen Hungerlohn – und unter größten Gesundheitsrisiken. Denn in den chemischen Fabriken unter freiem Himmel werden sie, oft ohne es zu wissen, den hochgiftigen Substanzen schutzlos ausgesetzt.

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Autor:
Alexandra Werdes