[Alt-Text]

Greenlife Die Anfänge der Umweltbewegung

VITAL-Autorin Christiane Bongertz wirft einen Blick zurück auf die Anfänge der Umweltbewegung.

umweltbewegung

Die Hippies waren ihrer Zeit voraus. Sie sahen keinen Widerspruch darin, auch in hübschen Kleidern und mit Lidstrich gegen so etwas Ernstes wie den Vietnamkrieg zu demonstrieren. Wäre es bloß bei dieser Haltung geblieben!

Dann hätte Greenpeace bereits nach seiner Gründung 1971 eine Massenbewegung lostreten können. Stattdessen bekam man spätestens ab Mitte der 70er das Gefühl, als umweltbewusster Mensch rumlaufen zu müssen wie, nun ja, zum Beispiel Edmuthe und Leif. Die waren das Öko-Pärchen in meiner Klasse. Anfang der 80er engagierten sich beide für ein Biotop im Innenhof der Schule, hatten statt toter Tiere geschmacksneutrale Hefepaste auf dem Pausenbrot und sammelten in der Teestube Unterschriften gegen die Startbahn West.

Das fanden wir anderen heimlich auch super (außer der Hefepaste), hielten uns aber lieber raus. Wir wollten nämlich nicht drauf verzichten, die neueste chlorgebleichte Fiorucci-Jeans zu erwerben und die Haare mit extra viel Spray aufzutürmen, wie wir es bei unseren Lieblingsbands in „Formel 1“, der einzigen Musiksendung im TV, sahen. Edmuthe und Leif waren dagegen schon lange vor Erfindung des Begriffs „politisch korrekt“. Sie trugen Birkenstocks (ohne Heidi-Klum-Design), Kratzpullis (Weichspüler kam gleich hinter Atomkraft) und hatten fettige Haare (das Shampoo aus dem Eine-Welt-Laden, der damals noch Dritte-Welt-Laden hieß, konnte leider nix).

Mitten in dieser Zeit rief VITAL 1984 das Ressort „Natur & Umwelt“ ins Leben – anfangs auch mit eher pessimistischem Unterton. Da hieß es schon mal: „Katastrophenalarm: Unsere Nordsee ist schon bald ein totes Meer!“ Doch schon 1985 folgte der konstruktive VITAL-Umweltpreis, dotiert mit 10 000 Mark. Den bekam dann zum Beispiel Prinz Charles für sein Engagement zum Schutz der Nordsee. Die 90er brachen an. Leif und Edmuthe verschwanden, um im Kibbuz Orangen zu pflücken. Ich begann im Ruhrgebiet zu studieren und wunderte mich manchmal, dass der Wald sogar hier noch existierte, wo früher Stahl- und Eisenhütten die Luft verschmutzt hatten.

Autor:
Christiane Stella Bongertz