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Soziales Projekt Design-Objekte von Behinderten

Mit ihrem Projekt "Side by Side" zeigt uns Sabine Meyer, 45, warum Designobjekte aus Behinderten-Werkstätten viele Menschen glücklich machen.

Sabine Mayer

Sabine Meyer hat einen Blick für Design – und sie mag Menschen. Das brachte sie 2001 auf eine Idee. Damals arbeitete die Industriedesignerin für eine Firma, die Möbel fertigen ließ – in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Hochwertige Handarbeit, „doch wer die Möbel hergestellt hatte, wurde verschwiegen“, erinnert sie sich. Aber warum nicht die Herkunft publik machen? So entstand „Side by Side“, eine Linie mit Designobjekten, produziert von Behinderten. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch darum, Menschen eine Arbeit zu geben, mit der sie sich identifizieren können. 60 Artikel umfasst die aktuelle Kollektion, die – Seite an Seite – von rund 30 Designern entworfen und in Handarbeit in den Caritas Wendelstein Werkstätten und ihren Partner-Werkstätten hergestellt wird. „Unser Ziel ist es, tolle Produkte anzubieten, die nicht nur gekauft werden, um etwas Gutes zu tun“, sagt Sabine Meyer. „Deshalb achten wir genau auf Design, Innovationsgrad und Funktionalität.“ Die steigende Nachfrage gibt ihr recht.


Sabine Meyer schätzt Produkte mit Witz - wie das Stövchen "Keep'ot", zu beziehen über das Soziale Projekt www.sidebyside-design.de

Auch bei Fachleuten kommen die zeitlos schönen Objekte an: Sie wurden für den Deutschen Designpreis nominiert, im Centre national des arts plastiques ausgestellt und bekommen regelmäßig Preise. Neben der Optik zählt vor allem Qualität. „Unsere Beschäftigten arbeiten so akkurat, die können nur gute Qualität liefern“, erklärt die Projektleiterin lächelnd. Bevor Wäscheständer „Mama“ oder Stövchen „Keep’ot“ in die Ausstellungsräume von Manufactum oder Stilwerk gelangen, wandern sie durch zehn, 20 Hände, die sorgfältig Holz zugeschnitten, Löcher gebohrt, geschliffen, geölt und verpackt haben. Der hohe Aufwand hat seinen Preis – da muss auch das Material überzeugen. Die Objekte bestehen aus heimischen Hölzern, die nur mit umweltverträglichen Ölen, Wachsen oder Lacken behandelt werden. Von diesen Vorgaben, die in erster Linie die Mitarbeiter vor giftigen Stoffen schützen sollen, profitieren auch die Kunden.

Als Projektleiterin ist Sabine Meyer verantwortlich für Produktentwicklung und Marketing. Dennoch erwartet niemand ständig Überstunden von ihr. Die Mutter eines kleinen Sohnes genießt es, nur 30 Stunden in der Woche zu arbeiten: „Das Klima hier ist freundlicher als anderswo, der Produktionsdruck geringer. Wenn sich ein Beschäftigter schlecht fühlt, ruht er sich eben aus. Diese Haltung kommt uns allen zugute.“ Dass man so auf dem Markt bestehen kann, beweist „Side by Side“ schon im elften Jahr. Nur die Betreuung und die behindertengerechte Ausstattung werden mit öffentlichen Mitteln finanziert, alle übrigen Aus- gaben erwirtschaftet das Projekt selbst. Ökologische und soziale Nachhaltigkeit, die sich sehen lassen kann.