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Deutschland Atomstromfreie Elektrizität

Lange vor Fukushima: Ursula Sladek, 65, gründete bereits 1997 die ersten atomstromfreien Elektrizitätswerke Deutschlands. Heute beliefern die „Stromrebellen“ aus dem Schwarzwald mehr als 100 000 deutsche Haushalte und Firmen mit Strom.

Ursula Sladek

Der 27. April 1986 brachte die Wende im Leben der Hausfrau und Mutter Ursula Sladek: Die Nachrichten meldeten einen Reaktorunfall im Atommeiler von Tschernobyl. Weit weg, dachten viele im 2500 Einwohner zählenden Luftkurort Schönau. Doch schon nach wenigen Tagen warf der GAU im sowjetischen Kernkraftwerk auch Schatten auf die Schwarzwald-Idylle. „Dürfen unsere Kinder noch frische Milch trinken?“, „Lassen wir sie weiter im Sand spielen?“, fragten sich plötzlich alle. „Als Arzt wusste mein Mann, welche gesundheitlichen Schäden drohten“, erinnert sich Ursula Sladek.

„Da konnten wir nicht tatenlos bleiben.“ Mit anderen engagierten Eltern arbeiteten sich die Sladeks in das Thema Energieversorgung ein, um risikoarme Alternativen ausfindig zu machen. „Vorher kam der Strom für uns einfach aus der Steckdose“, erinnert sich die studierte Lehrerin. Als dann der örtliche Energieanbieter seinen Vertrag mit der Gemeinde vorzeitig verlängern wollte, ohne ökologische Kriterien zu berücksichtigen, mischte sich die Bürgerinitiative ein. „So entstand die verrückte Idee, unsere Energieversorgung selbst in die Hand zu nehmen.“

Für die „Stromrebellen“, wie sie bald hießen, begann eine aufreibende Zeit mit Siegen und Niederlagen, Bürgerentscheid und Demonstrationen. Eine bundesweite Spendenaktion unter dem Slogan „Ich bin ein Störfall“ brachte ihnen viel Sympathie ein – und genug Geld, um das überteuerte Stromnetz kaufen zu können. 1997 gehörte es der Bürgerinitiative endlich, und als ein Geschäftsführer für die neuen Elektrizitätswerke Schönau (EWS) gesucht wurde, stand Ursula Sladek bereit.

„Wer hoch motiviert ist, entwickelt Fähigkeiten, von denen er vorher nichts wusste“, stellte sie damals fest. Voller Energie trägt sie seitdem die Vision von einer atomstromfreien Zukunft ins Land, während die EWS jedes Jahr wachsen und Gewinne machen. Das Geld wird in neue Ökostromanlagen investiert und geht als Fördermittel für grüne „Rebellenkraftwerke“ an Kunden. Die schätzen den genossenschaftlichen Aufbau der EWS und den Gedanken, dass Energieerzeugung nicht in der Hand weniger Großkonzerne liegen sollte. „Viele sehen sich eher als Mitstreiter für eine wichtige Sache denn als Kunden“, so Ursula Sladek. Mehr als 100 000 deutsche Haushalte und Firmen beziehen inzwischen EWS-Strom (der stammt zu 95 Prozent aus norwegischen Wasserkraftwerken).

Jeder Kunde bekommt mit dem Vertrag ein dickes Heft mit Energiespartipps. „Denn die nicht benötigte Kilowattstunde ist die umweltfreundlichste“, sagt die Geschäftsführerin. Ein ungewöhnlicher Gedanke für einen Energieversorger? Nein, eine Frage der Überzeugung und der Glaubwürdigkeit. Jetzt ist der Atomausstieg zwar politisch beschlossen, „doch die Bürger sind der Politik weit voraus“, das erlebt Ursula Sladek jeden Tag. Man dürfe nur nicht in der Theorie stecken bleiben, sondern müsse auch handeln. Ein wenig rebellisch zu sein, reicht oft schon. Sie möchten sich über den Wechsel zu EWS informieren? www.ews-schoenau.de