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Gefühl des Monats: Neugier Mehr reden statt Röntgen

Die volle Packung oder homöopathische Dosen – wie viel Neugier ist gesund? Wir konsultierten Komiker Dr. Eckart von Hirschhausen und ließen uns Magie, Hoffnung und Wissensdurst verschreiben.

Kann Neugier schaden?

vital: „Neugier ist der Katze Tod“ lautet ein altes englisches Sprichwort. Mit welcher Lebenserwartung dürfen neugierige Menschen rechnen?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Dieses Sprichwort kannte ich noch nicht, wieder was gelernt. Es erinnert mich aber an die alte Frage: Leben verheiratete Menschen länger oder kommt es ihnen nur länger vor? Neugier ist oft gepaart mit Risikobereitschaft und deshalb nicht automatisch mit einer höheren Lebenserwartung, aber einer höheren Erwartung ans Leben.


Kann es manchmal gesund sein, nicht alles so genau wissen zu wollen?

Auf jeden Fall. In meinem aktuellen „Wunderheiler“-Programm geht es ja um die Macht der Hoffnung, die sich zum Beispiel im Placebo-Effekt (siehe S. 58) und in vielen Ritualen zeigt. Und wie mein großes Vorbild Paul Watzlawick (1921–2007, Kommunikationswissenschaftler, Anm. d. Redaktion) formulierte: Es ist schöner, hoffnungsvoll zu reisen als anzukommen.


Herr Doktor, mal im Ernst: Wie funktioniert Neugier, rein wissenschaftlich?

Unser ganzes Glücks- und Belohnungssystem ist eigentlich nicht dazu da, uns permanent glücklich zu machen, sondern uns neugierig zu halten, damit wir laufend lernen und uns in neue Situationen einfügen können. Da spielt der Botenstoff Dopamin eine große Rolle, der immer ausgeschüttet wird, wenn etwas besser ist als erwartet. Darin steckt auch schon der Gegenspieler des Glücks: die Gewöhnung. Wäre Glück nicht biologisch abbaubar, säßen wir immer noch stumpf in der Höhle.

Sind Ärzte heute noch neugierig genug?

Ärzte sollten mehr reden statt röntgen. Ein guter Arzt ist auch immer ein guter Kommunikator. Zuzuhören, die wichtigen Fragen stellen und dann Klarheit und Hoffnung zu vermitteln, das ist die Kunst. Aber auch Ärzte bekommen leider wenig Rückmeldung über ihr Handeln. Deshalb unterstütze ich das Bewertungsportal „aerzte-gut- finden.de“, um gute Ärzte zu belohnen und weniger engagierten Anreize zu geben.

Eine Studie legt nahe: Neugier und Gewissenhaftigkeit haben zusammen den gleichen Effekt auf akademischen Erfolg wie Intelligenz. Welcher Eigenschaft haben Sie Ihren Doktortitel zu verdanken?

Leidensfähigkeit (lacht). Im Nachhinein halte ich die vier Jahre, die ich mit meiner experimentellen Arbeit zugebracht habe, für ziemlich verschwendete Zeit. Trotzdem habe ich ein Gefühl dafür bekommen, auf welch abstrusen Wegen wissenschaftliche Erkenntnis zustande kommt.


Und Ihre Jahre als Zauberkünstler?
Ich bin sehr froh und stolz auf meine magischen Wurzeln. Mit acht Jahren habe ich einen Zauberkasten geschenkt bekommen. Ich hatte auf dem Ku’damm in Berlin einen Mann gesehen, der Tricks mit Schnüren und Bommeln vorführte, und mir hintereinander drei Shows angeschaut, weil ich begreifen wollte, wie er das macht.