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Entspannung: Wellness Manche mögen's heiß

Lassen Sie den Winter vor der Tür und wärmen Sie sich erst mal auf: Wohlfühl-Temperaturen und zarte Düfte wirken wie eine Umarmung. Und so sind Badewanne und Sauna die magischen Orte, an denen wir Körper und Seele verwöhnen.
Wohlfühlen in Badewanne und Sauna
Mit Schaum oder ohne, in völliger Stille oder lieber mit voller Musik, gleich morgens oder eher abends: Jeder hat so seine eigene Strategie, wenn es ums Baden geht. Rund 43 Prozent der Frauen in Deutschland kümmern sich laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung während des Vollbads um ihre Schönheit, fast genauso viele greifen zur Illustrierten oder einem Buch. Doch egal, was außer Baden noch in der Wanne stattfindet – es gibt kaum eine schönere Taktik, um aus dem Alltag abzutauchen. Zur Vorbereitung gehören: vorgewärmte Handtücher und ein Bademantel, gedimmtes Licht, vielleicht ein Kräutertee. Den letzten Rest Winterblues vertreiben ätherische Öle – in Kerzen, als Raumparfum oder Badezusatz. Die Duftinformation der feinen Moleküle wird über unsere rund drei Millionen Riechsinneszellen ans limbische System im Gehirn geleitet – jene Region, die für Emotionen zuständig ist. Im Winter genau richtig sind Zitrusdüfte wie Orange und Grapefruit, weil sie die Stimmung aufhellen und die Konzentration verbessern. Lavendel oder Vanille dagegen beruhigen und helfen in stressigen Situationen, Rosenaroma mit seinen über 500 Einzelstoffen besänftigt das Gemüt und gleicht aus.
 

Was darf mit in die Wanne?

Jeder Zusatz, der sich gut mit unserer Haut verträgt. Was diese braucht, unterscheidet sich ganz nach Typ. Generell gilt: Je länger ein Bad dauert und je wärmer es ist, umso mehr Hautfett wird abgewaschen. Für trockene Haut, die nach dem Bad juckt und spannt, eignen sich daher Cremebäder und Badeöle. Sie beugen mit pflegendem Jojoba-, Rizinus-, Mandel- oder Traubenkernöl vor, indem sie die flüchtigen Lipide bereits beim Baden ersetzen. Mit Duft- und Pflegestoffen kombinierte Badesalze und Meersalz entziehen der Haut weniger Salze. Der leicht figurformende Nebeneffekt: Wasser aus dem Bindegewebe wird in die oberen Schichten der Haut gelenkt, die dadurch praller, glatter wirkt. Zudem unterstützen Mineralien wie Magnesium den Abschuppungsprozess und spenden Feuchtigkeit. Adeln Sie Ihr Bad am liebsten mit duftenden Schaumkrönchen? Dann achten Sie auf zugesetzte Pflege-Profis wie Öle oder Liposome – Letztere dienen als Trägermittel, die Wirkstoffe in die Haut schleusen. So wird verhindert, dass Schaumbildner sie austrocknen.
 

Lieb gewonnenes Ritual

Niemand steigt in die Wanne, um sich „mal schnell“ zu waschen. Wer badet, will sich verwöhnen, zum Beispiel mit einem Schönheitsprogramm. Der Dampf öffnet die Poren und bereitet die Haut optimal auf Reinigung und Pflege vor. Ideale Bedingungen also für Masken: Unreine Haut profitiert z. B. von Tonerde, trockene entspannt mit reichhaltigen Pflegestoffen. Pralle und entspannte Züge schenken dagegen Anti-Aging- und feuchtigkeitsspendende Varianten.
Perfekt für die Haare sollte eine aufbauende Pflegekur eingesetzt werden, die während des Badens intensiv einwirken kann – am besten unter einem Handtuchturban. Auch für ein Körperpeeling ist die Gelegenheit jetzt günstig. Und bitte nicht die Füße vergessen: Nach dem Abrubbeln dick eincremen und Socken drüberziehen, das macht schön zart. Apropos Eincremen – das gilt für den gesamten Körper, alternativ sehr gut wirkt auch ein Körperöl, das in die noch feuchte Haut massiert wird.
 

Sauna macht warm ums Herz

Auch eine Art, der Kälte zu trotzen, ist das Saunieren – heute hierzulande beliebter als jemals zuvor. Kein Wunder, denn Fitness-Studios, Schwimmbäder oder Wellness-Resorts erwärmen die Herzen Schwitzwilliger inzwischen mit weit mehr als einer einer schlichten Holzkabine. Neben Dampfbädern mit Sternenhimmel, milden Sanarien oder dem orientalischen Hamam locken Erlebnisse für alle Sinne: Farbiges Licht, duftende Aufgüsse oder Zusatzanwendungen wie Peelings oder Massagen sind Standard und werden von den Saunameistern mittlerweile regelrecht inszeniert. Nicht alles davon ist in seiner Wirkung wissenschaftlich belegt, trägt aber in der Regel zum Wohlbefinden bei. Laut einer Studie der Gesellschaft für angewandte Sozialforschung war jeder dritte Deutsche in den vergangenen zwölf Monaten in der Sauna – Jüngere meist zum Entspannen, die Generation 50-plus zudem aus gesundheitlichen Gründen.

 

Sauna für alle?

Die positiven Effekte des Saunabadens sind längst belegt. „Es stärkt nicht nur die Abwehr von grippalen Infekten, sondern kann auch bei vielen Erkrankungen wie Rheuma, chronischer Bronchitis, mildem Bluthochdruck oder mancher Hauterkrankung helfen“, erklärt der Berliner Internist Dr. Rainer Brenke, der viele Untersuchungen zum Saunabaden geleitet hat und medizinischer Berater des Deutschen Sauna-Bundes ist. Doch obwohl es in Finnland heißt: „Wer zur Sauna gehen kann, darf auch in die Sauna gehen“, gibt es ein paar Ausnahmen. „Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems oder allgemein chronischen Erkrankungen sollten vorher von ihrem behandelnden Arzt prüfen lassen, ob sie fit genug sind. Die Belastung des Herzens wird allerdings oft weit überschätzt und liegt bei etwa 60 Watt – das schaffen sogar viele Patienten nach einem Herzinfarkt“, so Dr. Rainer Brenke weiter. Wer unter Besenreisern und Krampfadern leidet, liegt besser auf der unteren Bank, damit das Blut nicht in den Krampfadern versackt, und duscht sich anschließend kalt ab. Unbedingt verzichten sollten Sie dagegen unter anderem bei Entzündungen der Venen oder der inneren Organe, akuten Rheumaschüben, Erkältungen oder grippalen Infekten. Und wenn Sie unter Bluthochdruck leiden, sollten Sie das Tauchbecken auf jeden Fall auslassen.
 

Was die Hitze bewirkt

Zu den Vorzügen des Saunierens gehört auch, dass das Wärmeregulationssystem trainiert wird, sodass wir mit heißem Wetter besser zurechtkommen und nicht so schnell frieren, wenn die Tage kälter werden. Einmaliges Saunieren schafft das natürlich noch nicht. Und auch wer bloß in der kalten Jahreszeit geht, hat davon nur wohltuende Entspannung – nicht mehr. Um das Immunsystem zu trainieren, empfiehlt es sich, das ganze Jahr über wöchentliche Saunagänge einzuhalten. Die ersten Effekte beginnen sich nach ungefähr drei Monaten zu zeigen.
In der bis zu 100 Grad heißen Luft weiten sich unsere Gefäße, das Herz pumpt schneller und mehr Blut durch die Adern, die Temperatur im Körper steigt um ein Grad an. Darauf reagiert unser Immunsystem ähnlich wie bei Fieber und produziert vermehrt Abwehrstoffe wie zum Beispiel Killerzellen, die Viren und Bakterien ausschalten. Die Haut erwärmt sich um ganze zehn Grad, und es werden vermehrt Stoffwechselprodukte abtransportiert. Wir schwitzen. Während wir so bis zu einem halben Liter Flüssigkeit pro Saunagang verlieren und sich Muskelverspannungen langsam lösen, profitiert auch unsere Psyche, weil dabei Endorphine ausgeschüttet werden, was uns ein Glücksgefühl vermittelt. „Die Sauna kann auch bei leichteren Formen der Depression helfen, was Betroffenen insbesondere in der Dunkelheit des Winterhalbjahres nutzt“, erläutert Dr. Brenke. Das abschließende Duschen nach dem Saunagang wirkt wie eine Tiefenreinigung, bei der altes Zellmaterial von der Oberfläche gespült und die Bildung neuer Zellen angeregt wird. Auch die Herzfrequenz und der Blutdruck normalisieren sich wieder – Zeit, sich eine wohlige Ruhepause zu gönnen.
 

Auf die Zeit kommt es an

Planen Sie für Ihren Saunabesuch genug Zeit ein! Drei Gänge à acht bis 15 Minuten brauchen gut zwei Stunden. Faustregel: Vorbereitungszeit plus Saunazeit gleich Ruhezeit nach dem letzten Saunagang. Und ob Sie sich danach im Schnee wälzen, in ein Kaltbecken steigen oder „nur“ eiskalt abduschen – es wirkt auch bei Menschen, die es viel lieber heiß mögen ...