[Alt-Text]

Entspannen Sieben Lektionen im Nichts-Tun

Bleiben Sie liegen! Manchmal ist es einfach zu warm, um viel zu unternehmen. In einem Bötchen von links nach rechts zu schaukeln genügt vollkommen. Dieses Abhängen ist keine verlorene Zeit, im Gegenteil: Beim Nichts-Tun erholt sich nicht nur der Körper, auch der Geist regeneriert sich.

Frau in der Hängematte

30 Grad im Schatten. Schweißtreibend? Oder herrliches Sommerwetter? Entscheiden Sie sich für das Zweite. „Aber ich muss noch ...“ – ach was, Sie müssen viel weniger, als Sie denken. Klar, das ist leichter gesagt als getan. Denn Nichts-Tun will gelernt sein. Ganz ehrlich: Es ist eine Kunst.

„Verschiebe nicht auf morgen, was genauso gut auf übermorgen verschoben werden kann“ (Mark Twain, amerikanische Schriftsteller)

Die Kunst, nichts zu tun – das klingt nach Beamten-Witz, ist aber eine der schwersten Aufgaben überhaupt. Wegen der Gedanken, die uns wie eine Horde wilder Affen sogar in der Hängematte umzingeln und ärgern. Statt entspannt zu schaukeln, dem Rauschen der Blätter zu lauschen und ab und an in die Sonne zu blinzeln, springen wir im Geiste von der Vergangenheit in die Zukunft. „Ich muss diese Rechnung bezahlen“ folgt auf „Warum hat sie gestern so gereizt reagiert?“ Das ärgert uns selbst, denn die Minuten in der Hängematte sind so schön, dass sie unsere volle Aufmerksamkeit verdienen. Wie verscheucht man also die Affen?

Die erste Lektion im Nichts-Tun ist zugleich die schwerste, sogar für Zen-Meister: die Gedanken zähmen und ganz im Hier und Jetzt verweilen. Bring deinen Geist zur Ruhe, lautet die Grundregel der ostasiatischen Meditationslehre Zen; warte nicht, dass etwas geschieht. Achtsamkeit ist nicht durch Tun zu erreichen, sie entsteht im Sein. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass das Wort Meditation dieselbe Wurzel hat wie „Medizin“? Meditation meint den Zustand, in dem man eins mit sich ist, alle Muskeln sind entspannt, die Augen geschlossen, der Atem fließt ruhig. Das ist die beste Medizin der Welt für Körper und Geist. Schade nur, dass es uns so selten gelingt, diesen Zustand länger als ein paar Minuten aufrechtzuerhalten. Entweder wir schlafen ein, oder die Affenhorde unserer Gedanken tobt wieder herum. Akzeptieren Sie das. Denn paradoxerweise fruchtet die Meditation oft gerade dann, wenn wir uns von dem inneren Druck befreit haben, dass sie klappen muss. In dem Moment erleben wir so etwas wie Erleuchtung. Das kann ein Gefühl sein wie „Ich bin Teil dieser wunderschönen Welt“ oder „Was auch passiert, ich werde meine Miete bezahlen können.“

„Arbeiten, um nicht denken zu müssen, ist auch Faulheit“ (Erhard Blanck, deutscher Schriftsteller)

Für die zweite Lektion im Nichts-Tun müssen Sie Ihre Hängematte oder Ihren Liegestuhl nicht verlassen. Sie dürfen auch gern umherwandeln. Hauptsache, Sie bleiben entspannt. Genießen Sie den Schatten der Bäume, lassen Sie sich den Nacken vom aufkommenden Wind kühlen. Zerreiben Sie Lavendel zwischen den Fingern, kosten Sie ein Blatt Minze aus dem Garten. Berauschen Sie sich an kleinen Dingen, denn genau die machen uns jeden Tag glücklich.
In Indien glaubt man, dass Gott in den kleinen Dingen wohnt. Wer jemals einen Sommertag mit allen Sinnen genossen hat, stimmt dem vorbehaltlos zu. Wissenschaftler sowieso: Der berühmte US-amerikanische Psychologe Martin Seligman forderte Depressive für ein Experiment auf, zumindest ein paar Minuten am Tag etwas Schönes, aber Alltägliches mit allen Sinnen zu genießen. Tatsächlich zeigte die Mehrzahl eine deutliche Steigerung ihres Glücksempfindens, und ihr Herzschlag wurde regelmäßiger.

 „Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu“ (Hans Christian Andersen, dänischer Schriftsteller)

Mitten in der dritten Lektion stecken Sie schon, wenn Ihre Gedanken gerade abschweifen – in die Vergangenheit oder in die Zukunft. „Aber ich sollte mich doch nicht von der Affenbande ablenken lassen, sondern im Hier und Jetzt verweilen“, denken Sie. Aber dieses Erinnern meint etwas anderes, nennen wir es Schwelgen. Nutzen Sie die träge Zeit des Augusts für Fantasiereisen. Genießen Sie die Vergangenheit, indem Sie sich an gute, alte Zeiten erinnern. An glückliche Sommertage als Kind zum Beispiel, an Ihren Hochzeitstag oder den letzten Urlaub. Die Zukunft genießen Sie, indem Sie an künftige positive Ereignisse denken, wie eine geplante Feier oder das neue Hybrid-Auto. Oder Sie malen sich aus, wie es wäre, selbstständig zu arbeiten, z. B. ein kleines Geschäft zu eröffnen. Egal ob Sie sich an Vergangenes erinnern, die Gegenwart auskosten oder optimistisch an die Zukunft denken, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen tun Sie sich und Ihrer Gesundheit etwas Gutes.