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Immunsystem stärken Meditation macht glücklich

Nichtstun macht glücklich. Stimmt, zumindest was Meditation angeht. Und mehr: Wer regelmäßig meditiert, kann sich besser konzentrieren, hat ein stärkeres Immunsystem und viel weniger Stress.

Durch Nichtstun wird alles besser? Nur durch Sitzen und Den-eigenen-Atem-Beobachten? Kann das so einfach sein? Kann es, das wissen buddhistische Mönche und Yogis schon lange. Seit das Meditieren, losgelöst von aller Religion, auch im Westen Trend ist, haben sich Wissenschaftler darangemacht, herauszufinden, was da eigentlich passiert. Wieso der Blutdruck sinkt. Warum es einfacher wird, seine Gedanken zusammenzuhalten. Weshalb Sorgen und Ängste abnehmen.

Wie der Stress sich auflöst. Um dem auf die Spur zu kommen, untersuchten sie mit Hilfe von Elektroden oder Magnetresonanztomografen die Gehirne von Meditationsprofis und Anfängern, während sie meditierten. Ganz erstaunlich, was sich da zeigt: Menschen mit Meditationserfahrung hemmen bestimmte Nervennetzwerke, Gedanken-Autobahnen, und kommen zur inneren Ruhe. Anders die Anfänger, weiß Ulrich Ott, Neurowissenschaftler am Bender Institute of Neuroimaging, Universität Gießen: „Beim Versuch, an nichts zu denken, wird ihr Gehirn erst recht aktiv. Genauer gesagt, die Regionen, die sich mit Vergangenheit und Zukunft beschäftigen.“ Es ist, als nutze das Gehirn unkontrolliert den Freiraum. Zudem nimmt die Gehirntätigkeit dort zu, wo der bewusste Wille entsteht. Wo der Meditierende angestrengt bemüht ist, die Gedanken zu zügeln und sich zum Beispiel auf den Atem zu konzentrieren. Ein Phänomen, das einen als Meditationsanfänger verzweifeln lässt.

Die Kraft der Gedanken

Genauso wie alle, die nachts wach liegen und – unfreiwillig – grübeln. Die gute Nachricht: „Das Gehirn kann durch die Meditation lernen, zur Ruhe und Konzentration zu kommen“, so Ulrich Ott, der einer der führenden Meditationsforscher in Deutschland ist. „Nach einiger Übung tauchen zwar immer noch Gedanken auf, aber man kann sie angucken und wieder ziehen lassen.“ Ohne zu urteilen, ohne sich emotional in die Gedanken zu verwickeln. Ohne dass die Gedanken auf den Körper wirken, indem zum Beispiel Stresshormone ausgeschüttet werden. Und schließlich erkennt jeder seine Muster und erfährt, dass alles, der ängstliche Gedanke, das Selbsturteil, die Zweifel, eben nur Gedanken sind. Mehr nicht. Das macht gelassen und wirkt positiv auf den Körper. Er entspannt sich bis hin zu den winzigen Muskeln, die die Blutgefäße umschließen. Der Blutdruck sinkt. Und gleichzeitig hat dieser Friede im Körper Einfluss auf das Immunsystem, wie eine aktuelle Untersuchung des Fox-Chase-Krankenhauses in Cheltenham/Pennsylvania bestätigt.

Danach steigt parallel zum Wohlbefinden die Zahl der Immunabwehrzellen im Körper an. Die Auswirkungen der Meditation lassen sich sogar im Gehirn ablesen: „Eine Studie zeigt“, so Ulrich Ott, „dass bereits nach einigen Wochen regelmäßiger Meditation Veränderungen in der grauen Substanz auftreten können. In dem Bereich, der mit Stresserleben und Angst zusammenhängt, nimmt die Dichte der grauen Zellen ab. In den Strukturen, die uns helfen, mit unseren Emotionen umzugehen und wohlüberlegt zu handeln, wächst dagegen das Gehirn.“ Mit anderen Worten: Wir übernehmen immer mehr die Kontrolle über unsere eigenen Gedanken, verlieren alte Muster und sind Grübeleien nicht mehr so ausgeliefert.

 

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