[Alt-Text]

Entspannungs-Special Meine neue innere Ruhe

Diese zwei Frauen haben ihr Leben entschleunigt: Irene Haiss merkte, dass sie einen Gang runterschalten muss, sie baut jetzt viele Pausen in ihren Alltag ein. Inke Shenar legte sogar eine Vollbremsung hin: Die frühere Sozialarbeiterin sattelte auf Yoga-Lehrerin um und fährt möglichst oft für ein paar Monate nach Indien.

Inke Shenar, 38, Yoga-Lehrerin: "Mit 28 lernte ich Yoga. Es veränderte mich für immer"
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich mein Leben als eine lange Suche. Nach der 10. Klasse ging ich von der Schule ab. Zuerst reiste ich viel herum, machte eine Lehre als Arzthelferin, holte die Fachhochschulreife nach. Dann habe ich Sozialpädagogik studiert und schließlich in mehreren Einrichtungen für Drogenabhängige gearbeitet. Ich bin froh über meinen Weg und besonders darüber, dass ich als Sozialarbeiterin diese Menschen unterstützen durfte. Doch irgendwann merkte ich immer deutlicher, dass ich meine Grenzen überschritt. Ich bekam massive Schlafstörungen und wäre fast ausgebrannt.

In dem spirituellen „Center Esalen“ in Kalifornien probierte ich während eines Aufenthalts zum ersten Mal Yoga aus. Das war an meinem 28. Geburtstag. Von diesem Tag an ließ mich Yoga nicht mehr los. Es war wie ein Rausch, und es veränderte mich: Ich wurde viel sensibler und begriff auf einmal, dass ich auf mich und meine Bedürfnisse achten muss. Als ich 31 wurde, stand für mich fest: Ich gebe meinen festen Job in der Drogenambulanz auf, um Yoga-Lehrerin zu werden. Auch sonst bin ich jetzt vollkommen geerdet und achte auf meine Gesundheit. Früher habe ich geraucht und bin um die Häuser gezogen, heute trinke ich höchstens mal ein kleines Glas Wein im Restaurant. Und ich gehe um 22 Uhr ins Bett, um den frühen Morgen des nächsten Tages zu genießen.

 

Irene Haiss, 44, Mutter von drei Kindern und Praxis-Managerin: "Kleine Änderungen brachten mein Glück zurück"
Meinen 40. Geburtstag nehme ich locker, davon war ich überzeugt. Ich lud Freundinnen zum Essen ein, es wurde ein wunderschöner Abend. Doch schon bald zogen Wolken an meinem Himmel auf. Ich begann zu überlegen, wo ich im Leben stehe und wie wichtig ich meinem Mann, meinen drei Kindern und den Freunden bin. Aber vor allem dachte ich darüber nach, wie wichtig ich mir selbst eigentlich bin. Auf keine dieser Fragen fand ich eine positive Antwort – und wurde immer trauriger. Irgendwann merkte ich: Du brauchst Hilfe. Die bekam ich in einer Praxis für systemische Therapie. Schon nach den ersten Stunden begann ich, unser tägliches Familienleben zu verändern.

Zuerst nur kleine Dinge, aber die zeigten erstaunliche Wirkung: Ich nahm beispielsweise während unserer Mahlzeiten keine Anrufe mehr an. Und ich begann, mehr Zeit allein mit meinem Mann zu verbringen. Durch die drei Kinder hatten wir uns beinahe aus den Augen verloren. Aber am wichtigsten ist wohl, dass ich mir endlich Zeit für mich nehme. Jetzt jogge ich und entwerfe Halsketten. Außerdem fahre ich zweimal im Jahr eine knappe Woche in ein Kloster, um erst zu meditieren und dann zwei Tage zu schweigen. Noch vor zwei Jahren habe ich während dieser Aufenthalte geweint, geweint, geweint. Heute zieht während der Meditation ein entspanntes und zufriedenes Lächeln über meine Lippen.