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Biofaser Mode aus Milchfasern

Unsere Frau des Monats Anke Domaske, 28, bringt die Milch in unseren Kleiderschrank: Die Biologin und Designerin entwickelte aus dem Milcheiweiß Kasein eine neuartige Biofaser und entwirft auch gleich die Mode dazu. 

Frau mit Kuh

Hindernisse sind da, um aus dem Weg geräumt zu werden, glaubt die 28-jährige Designerin Anke Domaske. Als Schülerin untersuchte sie, wie dreckig Telefonzellen sind, und gewann bei „Jugendforscht“. Mit 19, nach dem Abi, ging sie nach Japan und überzeugte den Chef des größten Tokioter Kaufhauses mit ihren selbst designten T-Shirts. Zurück in Hannover gründete sie ihr Label „Mademoiselle Chi Chi“, kurz: MCC, und begann eine Schneiderlehre. „Ich bin an viele Dinge völlig naiv herangegangen“, sagt die junge Unternehmerin bescheiden. So fragte sie in Tokio einfach am Infotresen nach der Telefonnummer des Kaufhaus-Chefs. Ihre ersten MCC-Kleider schickte sie an Hollywood-Prominente, deren Adressen sie aus dem Internet hatte. Es klappte wieder: Plötzlich trugen Schauspielerin Mischa Barton und Sängerin Ashlee Simpson ihre Kreationen. „Das war ein Gefühl wie frisch verliebt sein“, erzählt Domaske und lacht. 2010 hatte sie dann eine Modenschau in Mailand, die bei „Germany’s next Topmodel“ länger als 15 Minuten zu sehen war.

Anke Domaske

Anke Domaske

Doch sie ordnet solche Erfolge realistisch ein: „Eine Saison wollen dich alle, in der nächsten kann man wieder out sein.“ Deshalb blieb sie ihrem heimlichen Vorbild treu: Robert Koch, dem Bakteriologen und Medizin-Nobelpreisträger. Sie studierte Mikrobiologie an der Uni Göttingen, machte 2009 ihr Diplom. Die Kommilitonen ahnten nichts von ihrem Doppelleben. „Ich hatte immer den Traum, neue Wirkstoffe zu erforschen, etwas Sinn volles zu tun.“

Und die Mode? Anke Domaske fand einen Weg, ihre beiden Leidenschaften zu vereinen: mit Milch. Sie erfand eine Methode, die das Milcheiweiß Kasein in einen Kleiderstoff verwandelt – weich wie Seide, unbedenklich für Allergiker und antibakteriell. Der Clou: Zum Herstellen von Milchfasern braucht man bislang Chemikalien wie Acryl oder Formaldehyd; Domaskes „Qmilch“ dagegen werden Bienenwachs und Zink beigemischt. „Kipp einfach Chemie drauf, dann klappt’s schon. Den Satz hörte ich oft“, erinnert sie sich. „Er machte mich wütend und spornte mich gleichzeitig an.“ Ihr patentiertes Verfahren wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet. Aber Milch ist ein Nahrungsmittel. „Ja“, sagt Domaske. „In Deutschland haben wir zurzeit allerdings einen Überschuss.

Um ein Kilo Fasern herzustellen, brauchen wir 30 Liter Milch und nur 2 Liter Wasser.“ Bei Baumwolle sind es 20 000 Liter Wasser. Und Milchseide kostet nur wenige Cent mehr. „Außerdem bleiben die 18 Aminosäuren aus der Milch intakt und halten die Haut geschmeidig.“ Logisch, dass bei Anke Domaske Hotels, Medizintechnik- und Autohersteller anfragen. Im nächsten Jahr startet die Qmilch-Produktion in Hannover. 360 Tonnen pro Jahr sollen es werden. Mehrere Boutiquen verkaufen die Mode aus Milch schon. Infos: www.qmilk.eu