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Anti-Aging mit kleinen Wundermitteln Der Weg zu schöner Haut

Immer neue Wirkstoffe stecken in unseren Cremes – aber nur wenige überzeugen dauerhaft. Wir haben uns auf Detektivsuche gemacht und erzählen Erfolgsgeschichten von Anti-Aging-Substanzen: vom Moment ihrer Entdeckung über schwierige Heraus­forderungen bis zum weltweiten Durchbruch
Die besten Anti Aging Substanzen

Das mit dem Anti-Aging, das ist schon so ne' schwierige Sache. Unmegen an Schönheits-Produkten versprechen optimale Wirkung – nur die wenigstens halten ihr Versprechen. Wir sind den Jungmachern auf die Schliche gekommen – und haben so einige Wirkstoffe als tatsächliche Wundermittel entlarvt. Wir zeigen Euch unsere Favoriten und erklären, warum sie unsere Geheimtipps sind. 

 

Retinol: Das Anti-Age-Vitamin 

Die Entdeckung: 1913 löste der Amerikaner Elmer McCollum das größte Rätsel seiner Karriere: Sechs Jahre hatte der Biochemiker aus Wisconsin das Wachstum von Kühen studiert und festgestellt, dass die Tiere mit Futterzusätzen aus Milchfett oder Eigelb besonders gut gediehen, während Gänseschmalz und Olivenöl gar nichts bewirkten. Schließlich fand er das kleine Molekül, das den großen Unterschied machte, und nannte es: Retinol. Bekannt wurde der Vitalstoff als Vitamin A. Er spielt – das fand der Schweizer Chemiker Paul Karrer Mitte der 1930er-Jahre heraus – eine zentrale Rolle für das Zellwachstum und die Gesundheit der Haut. 

Die Herausforderung: 1943 bestätigte die erste Studie die Wirksamkeit von Retinol bei Akne. Dermatologen, die das Mittel einsetzten, stellten in jahrzehntelanger Beobachtung fest, dass die Haut ihrer Patienten nicht nur klarer, sondern gleichzeitig glatter wirkte. Verpackt in Cremes und Seren, bekämpft Retinol seit Ende der 90er- Jahre auch Falten und Pigmentflecken. Die optimale Wirkung zeigte sich bei einer Konzentration von 0,4 Prozent, überforderte aber trockene und sensible Hauttypen: Die hohe Dosis löste Irritationen aus. 

Der Durchbruch: „Heute ist Retinol der am besten durch Studien gesicherte Anti-Aging-Wirkstoff weltweit und es gibt Produkte für jedes Hautbedürfnis“, sagt Dr. Stefan Duve, Dermatologe aus München. „Wichtig ist es, sensible Haut langsam an Retinol zu gewöhnen – und das Produkt zuerst nur jeden zweiten oder dritten Tag zu verwenden.“ Viele Firmen kombinieren Retinol mit beruhigenden und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen wie Grüntee-Extrakt und Hyaluronsäure. Bewährt haben sich auch sogenannte Retardsysteme, die dafür sorgen, dass der verkapselte Wirkstoff nach und nach an die Haut abgegeben und dadurch viel besser vertragen wird. 

 

 

Aloe vera: Schon die alten Ägypter schwörten auf die Heilpflanze

Die Entdeckung: Die Aloe vera gehört zu den ältesten Heilpflanzen – erste Aufzeichnungen sind etwa 6000 Jahre alt. Archäologen fanden sie in Ägypten, wo die Aloe „Blut der Götter“ genannt wird und für Unvergänglichkeit steht. Ist die Pflanze verletzt, tritt das Gel ihrer fleischigen Blätter an die Oberfläche und versiegelt den Schnitt innerhalb kürzester Zeit. Diese Beobachtung, so vermuten Wirkstoffforscher heute, könnte unsere Vorfahren auf die Idee gebracht haben, die regenerierende Kraft der Pflanze am eigenen Leib zu testen. In Europa soll der schwedische Arzt Dr. Urban Hjärne im 18. Jahrhundert der Erste gewesen sein, der ein Aloe-Elixier gebraut hat. 

Die Herausforderung: Zwischen 1930 und 1950 bestätigten internationale Studien die Wirkung der Aloe bei Immunschwäche, Hautreizungen und Verbrennungen. Inzwischen sind mehr als 200 Inhaltsstoffe nachgewiesen. Dabei ist keiner wichtiger als der andere: Die Wirkung der Aloe liegt in dem Zusammenspiel ihrer Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente und sekundären Pflanzenstoffe. Frisches Aloe-Gel zu stabilisieren war jedoch schwierig – es zerfällt sofort an der Luft. 

Der Durchbruch: Ende der 50er-Jahre entwickelte Bill C. Coats, ein Apotheker aus Texas, ein patentiertes Verfahren zum Haltbarmachen des Gels. Sein Trick: es drei Tage lang verschiedenen Temperaturen aussetzen. Heutige Methoden konservieren das Mark mit ultravioletter Strahlung oder durch Gefriertrocknen.

Woran wird aktuell geforscht?

Astaxanthin ist das stärkste natürliche Antioxidans, das Wirkstoffforscher bisher analysiert haben. Der dunkelrote Stoff kommt vor allem in Algen (Plankton) vor. „Tiere, die diese Algen in großen Mengen fressen, färben sich rosa und können Erstaunliches leisten“, sagt die deutsche Algenforscherin Dr. Bettina Hess. „Wildlachse lagern Astaxanthin in ihren Muskeln ein und haben nur dadurch die Kraft, tagelang stromaufwärts zu schwimmen.“ In Japan beschäftigt „das rote Wunder“ die Wissenschaft schon seit Langem – es ist dort seit Jahrzehnten als Nahrungsergänzungsmittel mit erwiesener Wirkung erhältlich. „Eingenommen verteilt sich der Wirkstoff sehr effektiv im gesamten Körper, unterstützt Entzündungsbotenstoffe, stärkt und schützt alle Organe“, so Bettina Hess. Jetzt taucht Astaxanthin auch in der Hautpflege auf – als neues Schutzschild gegen schädliche, fältchenbeschleunigende Umwelteinflüsse. 

 

 

Hyaluronsäure: Polstert Fältchen auf 

Die Entdeckung: Als der deutsche Chemiker Karl Meyer 1934 aus dem Glaskörper eines Rinderauges eine klare Flüssigkeit isolierte, ahnte er nichts von ihrer großen Zukunft. Er gab ihr den erstbesten Namen, der sich vom griechischen Wort für „gläsern“ ableitete („hyalos“), und überließ es anderen, seine Entdeckung näher zu erforschen. Im Laufe der nächsten Jahre spürten Wissenschaftler feuchtigkeitsbindende Hyaluronsäure auch im menschlichen Körper auf, vor allem in der Haut.

Die Herausforderung: Ende der 1970er wurden Beauty-Konzerne auf die Substanz aufmerksam. Für die Cremes der ersten Generation wurde Hyalu- ronsäure aus Hahnenkämmen und Tieraugen gewonnen – darauf reagierten viele allergisch. Hinzu kam: „Hyaluronsäure-Moleküle sind viel zu groß, um in die Haut zu gelangen. Deshalb hatten die ersten Produkte nur einen oberflächlich glättenden Effekt“, so die Hamburger Kosmetologin Dr. Sabine Gütt.

Der Durchbruch: 1984 meldete ein japanischer Kosmetikkonzern die erste Hyaluronsäure zum Patent an, die biotechnologisch mithilfe spezieller Bakterien hergestellt wurde. Ein weiterer Meilenstein war die Erfindung von Bio-Hyaluronsäure aus fermentiertem Getreide. Auch das Größen-Problem wurde gelöst. Dr. Sabine Gütt: „Inzwischen können wir die Moleküle in kleineren Fragmenten herstellen, die besser von der Haut aufgenommen werden und Fältchen aufpolstern.“ 

 

Q10: Energie für die Hautzellen 

Die Entdeckung: 1957 isolierte der amerikanische Biologe Fred Crane eine Substanz aus Rinderherzen, die er Coenzym 10 taufte. 20 Jahre dauerte es, bis sein britischer Kollege Peter Mitchell die Qualitäten des mittlerweile Q10 genannten Enzyms vollständig lüftete – und dafür 1978 den Chemie-Nobelpreis erhielt. Die Substanz ist in jeder Körperzelle zu finden und für die Energiegewinnung zuständig. Den größten Teil baut der Körper selbst aus B-Vitaminen und Vitamin E auf. Mit den Jahren gerät die Produktion aber ins Stocken – der Zellstoffwechsel ermüdet. Da Erkenntnisse über Kör- perzellen meist auch für die Haut gelten, nahm die Kosmetikindustrie diese Spur schnell auf. 

Die Herausforderung: Erste Tests waren vielversprechend: In Zellkulturen aktivierte der Wirkstoff die Hautfunktionen, förderte z. B. die Bildung neuer Hyaluronsäure. Das synthetisch hergestellte Pulver in den Cremetiegel zu bringen war aber nicht so einfach: An der Luft reagiert Q10 sofort mit Sauerstoff und verliert seine Wirkung. 

Der Durchbruch: Fünf Jahre Forschung vergingen, bis eine stabile Formel gefunden wurde und 1998 das erste Q10-Produkt auf den Markt kam. Der orange Wirkstoff färbt die Creme gelb. Versuche, eine farblose Variante zu entwickeln, scheiterten bisher. Was aber gelang: Q10 lässt sich inzwischen aus Pflanzenzellen gewinnen, sodass es auch in Naturkosmetik eingesetzt werden kann. 

 

Urea: Der Hautverbesserer 

Die Entdeckung: Urea ist das lateinische Wort für eines der natürlichsten Dinge der Welt: Harnstoff. Er ist an vielen Prozessen unseres Körpers beteiligt, vor allem beim Verstoffwechseln von Proteinen. Am Ende scheiden wir ihn mit dem Harn aus, dessen therapeutische Wirkung in der Volksmedizin seit mehr als 2000 Jahren bekannt ist. Offiziell entdeckt wurde Urea 1727 von dem holländischen Chemiker Herman Boerhaave. Sein englischer Kollege William Prout bestimmte 1817 die chemische Zusammensetzung. 

Die Herausforderung: Reiner Harnstoff ist ein kristalliner, geruchloser, ungiftiger, völlig hygienischer Stoff, der seit 1828 synthetisch hergestellt werden kann. Trotzdem hatte die Substanz lange ein Imageproblem. In den 70er-Jahren fanden Forscher heraus, dass Urea ein wichtiger Bestandteil der Hautbarriere ist und ihr Wasserbindevermögen verbessert. Doch die ersten Cremes für trockene Haut überzeugten nicht. Der aus Kohlendioxid und Ammoniak hergestellte Wirkstoff zerfiel zu schnell und hinterließ einen unangenehmen Geruch.

Der Durchbruch: Die Schuldigen waren schnell gefunden – Wärme, Wasser und ein falscher pH-Wert. Trotzdem stand die perfekte Formel erst Anfang der 90er-Jahre. Dafür ist Urea aber seitdem der unangefochtene Wirkstoff-Star für trockene Haut, da er ihre Bedürfnisse am besten erfüllt. Optimale Ergebnisse bringt eine Konzentration von 5 bis 10 Prozent. 

 

Lest auf der nächsten Seite das Interview mit dem Patentanwalt Caspar v. Eichel-Streiber