[Alt-Text]

Alte Parfüm-Lieblinge

Manche Parfüms vergisst man einfach nie – auch wenn sie längst nicht mehr im Handel sind. Kein Grund, zu verzweifeln! Hier kriegen Sie Ihren „duften Ex“ zurück.

Auf den Küchenfliesen klebten orange-blaue „Pril“-Blumen, auf dem Plattenteller drehte sich „Xanadu“ von ELO mit Olivia Newton-John, und zur Konfirmation bekam ich mein erstes, heiß ersehntes Parfüm: „My Melody“ von Mühlhens. Noch heute habe ich den Mix aus Hyazinthe und Moschus in der Nase und archiviere ihn wie ein „Geruchsfoto“ aus dem Jahr 1982 im Album meiner Erinnerung. Doch obwohl er damals der Duft einer ganzen Teenie Generation war, verschwand „My Melody“ bereits nach kurzer Zeit für immer aus den Regalen.

So finden Sie einen Neuen!

Ihr Parfüm ist partout nicht mehr aufzutreiben? Diese Tipps helfen Ihnen, einen anderen duften Partner zu finden

- Familienbande Um ein möglichst ähnliches Parfüm zu entdecken, sollten Sie wissen, zu welcher Duftfamilie Ihr Liebling gehört. Klassischerweise unterscheidet man zwischen „Blumig“, „Chypre“, „Orientalisch“, „Blumig- Orientalisch“ und „Blumig-Chypre“. Bei der Einordnung hilft das Internet. Fragen Sie mit diesem Wissen in Ihrer Parfümerie gezielt nach Düften aus „Ihrer“ Familie!

- Werden Sie kreativ! Sie können auch selbst versuchen, sich ein Eau de Toilette nach dem Vorbild Ihres ehemaligen Dufts zu designen. Unter der Internetadresse www.myparfuem.com z. B. stellen Sie Ihr eigenes Parfüm zusammen, indem Sie eine Duftfamilie als Basis und bestimmte Wunschnoten angeben, die für Sie gemischt werden sollen. Nach zwei Wochen kommt Ihr Parfüm per Post ins Haus (30 ml ca. 29 Euro).

Was entscheidet, ob ein Duft bleibt oder geht?

Statistisch gesehen haben deutsche Frauen durchschnittlich vier bis fünf verschiedene Parfüms im Bad stehen. Vielen geht aber es ähnlich wie mir: Meist gibt es einen ganz bestimmten Duft, an dem wir besonders hängen. Wird dieser Favorit dann aus dem Handel genommen, ist es für uns Fans fast eine kleine Katastrophe. Und das passiert relativ häufig: Von den rund 400 Düften, die in Europa jährlich auf den Markt kommen, überlebt weniger als die Hälfte die ersten drei Jahre. Woran es liegt, dass sich einige Parfüms wie „Chanel No 5“ seit Jahrzehnten halten, während andere nach kurzer Zeit wieder weg vom Fenster sind?

Egon Oelkers, Senior-Parfümeur beim Duft-Hersteller Symrise: „Das ist ein Geheimnis, das nur schwer zu entschlüsseln ist. Aber es fällt auf, dass die meisten Düfte, die zum Klassiker wurden, bei ihrer Lancierung etwas ganz Revolutionäres, Überraschendes hatten und schon dadurch aus der Masse hervorstachen.“ „Chanel No 5“ z. B. war das erste Parfüm mit synthetischer Aldehyd-Note. Ein Faktor, der dagegen zur Kurzlebigkeit eines Duftes beiträgt, ist sein Mitschwimmen auf der aktuellen Modewelle. Dadurch ist er zwar kurzfristig sehr erfolgreich, denn 70 Prozent der deutschen Frauen erwarten von ihrem Duft vor allem, dass er ihr Lebensgefühl widerspiegeln soll. Aber genau das ändert sich nun mal mit dem Zeitgeist – und ruck, zuck erlischt auch unser Interesse am damit verbundenen Duft.

Wie im Fall von „My Melody“, das durch seine intensive Moschusnote exakt den Nerv der 80er Jahre traf. Doch Moschus ist heute genauso „out“ wie Schulterpolster und Netz-Shirts. Beides würden wir jetzt nicht mehr tragen, obwohl wir es damals toll fanden. Sehnsucht haben wir eher nach der Stimmung und den Erinnerungen an diese Zeit – und dabei wirkt ein Duft oft wie ein Taxi in die Vergangenheit. Denn mit jedem Schnuppern daran werden 5 Millionen Riechzellen stimuliert, die über das Gehirn alte Gefühle wachrufen und uns so zurückkatapultieren. Fragt sich nur: Wie findet man seinen Duft wieder, wenn er nicht mehr zu kaufen ist?

Schlagworte:
Autor:
Kerstin Brockmann