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Wohnen & Seele Wohnen auf kleinem Raum

Entweder halten wir die Ordnung äußerlich, um uns innerlich zu festigen. Oder wir sind innerlich aufgeräumt und lassen in unserer Wohnung Chaos herrschen.

Christina Lechner

Wie lebt es sich auf 43 Quadratmetern?

Die Bewohnerin: Christina Lechner, 45, ist Interior-Designerin



Das sagt Christina: „Mein Wohnzimmer dient auch als Schlafecke und Arbeitsplatz. Weil es fünf Ecken hat, hohe Decken und Fenster mit halbrunden Oberlichtern, wirkt es wie eine Kirche. Ich habe in der Höhe, was mir in der Breite fehlt: viel Platz! 43 Quadratmeter haben den Vorteil, dass ich nicht in Versuchung gerate, Kleinkram und Staubfänger zu stapeln. Ich habe vor meinem Einzug viel weggeschmissen, denn ich denke, Menschen, die jahrelang Sachen anhäufen, sind innerlich leer. Viele Möbel habe ich von Flohmärkten oder Trödlern und selbst restauriert.“

Stühle und Gitarre
Das sagt Architektin Wibke Schaeffer: „Christinas Wohnung wirkt mit den schweren Stoffen, dem dunklen Rot und den leeren Wänden wie eine Bühne. Sie strahlt Dramatik aus, zumal die einzelnen Stücke in Szene gesetzt scheinen. Mir fällt auf, dass viele Stühle in dem kleinen Raum stehen – aber kein Tisch von adäquater Größe oder ein Sessel. Die Wohnung ist eher ein Rückzugsort, kein Platz für viele Gäste und Trubel. Offensichtlich mag Christina Struktur und Ordnung, oft gepaart mit dem Bedürfnis nach Ruhe oder Sicherheit. Die weißen Teppiche lockern den Raum wie Inseln auf und geben ihm einen fast spielerischen Charakter, der die Strenge bricht und die Atmosphäre verstärkt. Die selbst gestalteten Möbel bringen eine feminine Note hinein, aber mit einer gewissen Strenge. In dieser Wohnung wohnt eine Individualistin, die Persönlichkeit und Kreativität zeigt.“

Schwarzer Hocker
Allgemein rät die Architektin: „Wir leben meist einen von zwei Polen: Entweder halten wir die Ordnung äußerlich, um uns innerlich zu festigen. Oder wir sind innerlich aufgeräumt und lassen in unserer Wohnung Chaos herrschen. Dabei wirken unaufgeräumte Räume auf unsere Psyche wie optischer Stress. Im Buddhismus gehen beide Bereiche Hand in Hand – äußere und innere Ordnung.“