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Sehnsüchte und Ängste Wie Wünsche Wirklichkeit werden

Um die eigenen Ziele auch wirklich in die Tat umsetzen zu können, müssen der rationale Verstand und unsere unbewussten Sehnsüchte und Ängste an einem Strang ziehen. Wie das mit der praktischen Umsetzung geht, erklärt uns eine Expertin

In der ersten Januarwoche scheint alles möglich – der Umzug ins Grüne, endlich gesünder leben, die Zusatzausbildung zur Heilpraktikerin anfangen, von der man schon seit Jahren träumt. Doch schon nach wenigen Wochen Alltag ist klar: Auch dieses Jahr wird nicht der große Umschwung kommen.

Warum ist es so schwierig, Wünsche in die Realität umzusetzen? Was hält uns davon ab, das zu machen, was wir wollen? Klar, manchmal fehlt das Geld, manchmal verhindern die Lebensumstände große Schritte. Aber sehr viel häufiger sind wir es doch selbst, die einen Rückzieher machen oder gar nicht erst auf unser Ziel losgehen – und uns im Nachhinein darüber ärgern.

Viele Ratgeber erklären das Phänomen so, als sei der Mensch in gewisser Weise zwiegespalten: Auf der einen Seite steht das vernünftige Ich, das weiß, was es will. Auf der anderen Seite steht das sogenannte triebhafte Ich, das in unserem Kopf wohnt und nur eine Lieblingsspeise hat: unsere guten Absichten. Bei vielen Motivationstipps geht es nun darum, das triebhafte Ich auszutricksen und unsere Ziele sozusagen hinterrücks an ihm vorbei zu verwirklichen. Aus Sicht der Hirn- und Motivationsforschung kann diese Methode allerdings nicht wirklich funktionieren. Einfach, weil sich das Gehirn nicht in Systeme zerteilen lässt, die sich gegenseitig überlisten könnten. „Es gibt kein oberes Wahrnehmungs- und Verhaltenssteuerungszentrum“, erklärt der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth. Vielmehr beschreiben Wissenschaftler das Gehirn heute als ein Organ, das weitgehend selbstorganisiert seinen Job tut und ein festes Ziel hat: Es sorgt dafür, dass wir in der gegebenen Umwelt klarkommen. Dementsprechend ist unser Ich nur ein Spieler im Team der bewussten und unbewussten Abläufe im Gehirn und nicht der Bestimmer.

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Autor:
Carola Kleinschmidt