[Alt-Text]

balance: psychologie Das kleine Glück

... heißt Zufriedenheit. „Nicht verwechseln“, rät Buchautorin Sonia Laszlo im vital-Interview. Wer kleine Freuden im Alltag wertschätzt, muss das große Glück nicht mehr jagen. Sondern kann darauf vertrauen, dass es irgendwann von selbst kommt.
Frau lacht und ist glücklich
vital: Frau Laszlo, Sie sind die Tochter des 2009 verstorbenen Glücksforschers Herbert Laszlo. Ihr Buch heißt „Fuck Happiness – Von der Tyrannei des Glücks“. Was hätte Ihr Vater zu diesem Titel gesagt?
Sonia Laszlo: Er hätte lauthals gelacht und gesagt: Das ist meine Tochter.
 
Ihre Leser könnten den Titel als einen Befreiungsschlag verstehen.
Ach nein. Da spürte ich keinerlei Druck. Der Titel ergab sich bei einem Termin im Verlag, als ich das momentane Unglückskind, nämlich unsere vom Glück besessene Gesellschaft, beim Namen nannte. Trotzdem möchte ich mein Buch nicht als Botschaft gegen das Glück verstanden wissen. Es geht darum, sich weder vom Positiven noch vom Negativen leiten zu lassen, sondern zu sehen, was ist. Und vor allem zu handeln, egal ob es glücklich macht oder nicht. Es kommt sowieso oft anders.
 
Heißt das, wer das ganz große Glück sucht, will in Wahrheit Dinge beeinflussen, auf die er überhaupt keinen Einfluss hat?
Ja. Wer dem großen Glück hinterherrennt, glaubt, etwas ändern zu können. Gerade uns Frauen wird ja ständig geraten: Tue dies und mach das, dann bist du glücklich. Zuerst sollten wir uns aber fragen: Was kann ich überhaupt beeinflussen und was nicht? Wir alle sind fest der Meinung, dass unsere Handlungen einen Unterschied machen. Aber manchmal müssen wir die Dinge so annehmen, wie sie sind, und akzeptieren, dass wir daran nichts ändern können. Das ist oft hart, aber dort liegt in jeder Hinsicht der Schlüssel.
Sonia Laszlo, 35, arbeitet als Referentin am Institut für europäische Glücksforschung in Wien. Sie ist außerdem ausgebildete Schauspielerin.
 
Der Schlüssel zum Glück?
Nicht ganz. Darauf lege ich auch im Buch viel Wert: Wir verwechseln Glück und Zufriedenheit, auch wenn wir darüber reden. Wir sollten darauf achten, welche Worte wir verwenden. Viele Menschen wünschen sich eigentlich Zufriedenheit, sagen aber, dass sie glücklich sein wollen – und werden dann unglücklich, weil „zufrieden sein“ und „glücklich sein“ zwei völlig verschiedene Zustände sind.
 
 
Schlagworte:
Autor:
Stephan Hillig