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Energie: Heldin So richtig schöner Mist

Haufenweise Strom: Die Hamburger Ingenieurin Saskia Oldenburg, 29, verwandelt Pferdeäpfel in Energie.
Strom aus Pferdeäpfeln
Geschichten wie die von Saskia Oldenburg fangen normalerweise mit den Worten „Es war einmal“ an. Doch in ihrem Fall ist das Märchen durchaus real – selbst wenn, wie in jeder Sage, auch hier wundersame Zufälle, Unwägbarkeiten und natürlich auch ein bisschen Glück mit hineinspielten. Alles begann vor ein paar Jahren. Saskia Oldenburg, Ingenieurin für Energie- und Umwelttechnik, forscht im Rahmen ihrer Dissertation an der Technischen Universität in Hamburg-Harburg an der Frage, welche organischen Abfälle sich für Biogasanlagen eignen würden, um Energie zu gewinnen. Oldenburg kommt auf Rasenschnitt, denkt an Laub. Doch so richtig zündet keine der Ideen. Bis die heute 29-Jährige eines Tages mit einer Freundin ausreitet. Weil Oldenburg für einen Science Slam proben will – einem Event, bei dem wissenschaftliche Arbeiten allgemeinverständlich und unterhaltsam vorgetragen werden – trägt sie ihr das Forschungsgebiet vor. Warum sie nicht einfach Pferdemist nehmen würde, fragt die Freundin. Und liefert damit – Heureka! – den entscheidenden Hinweis. „Ich selbst habe das Nahliegende nicht gesehen“, erzählt Saskia Oldenburg. „Dabei saß ich schon als Kleinkind auf einem Pferd.“
 

Aus Mist Strom machen

 
In Deutschland gibt es rund 900 000 Pferde, die täglich bis zu 15 Millionen Tonnen Mist produzieren. Blöd nur: Der ist nicht homogen, schwankt in seiner Zusammensetzung und kann vor allem durch Stroh und Sand Schäden in Biogasanlagen anrichten. Oldenburg tüftelt. Herauskommt ein rund vier Meter langes Aggregat, um die Abfälle mithilfe von Wasser und zirkulierender Luft in seine Bestandteile zu trennen – und das
sich vor jede existierende Biogasanlage schließen lässt. Das Geld dafür beschafft sich die Querdenkerin ebenfalls auf unorthodoxem Wege: Statt Forschungsmittelanträge zu stellen, nutzt sie das Internet, sammelt via Crowdfunding 14 650 Euro. Die Schwarmfinanzierung ist ein Grund, warum sie in Wissenschaftskreisen auf Skepsis trifft. Oldenburg, die zu jenen Menschen gehört, die man mit Sätzen wie „Das haben wir aber immer so gemacht“ in den Wahnsinn treiben kann, nimmt’s gelassen. Und plädiert weiterhin für eine Öffnung der oft eigenbrötlerischen Forschergemeinschaft. „Wissenschaftskommunikation sollte andere Wege gehen“, ist sie überzeugt. Und geht schon mal vor.
 
Noch bis zum Sommer wird die Testphase voraussichtlich andauern, schätzt Saskia Oldenburg. Doch allein der bisherige Erfolg gibt ihr recht: Sie gewann mit ihrem Team zwei Gründerpreise, wurde bei den Green Tec Awards nominiert. Um den Kopf zwischendurch freizubekommen, steigt die Wissenschaftlerin aufs hohe Ross. „Reiten“, sagt sie, „zwingt einen, sich vollkommen zu konzentrieren“. Eine weitere Kraftquelle sind Familie und Freunde – auch wenn Letztere das Wort „Pferdemist“ nicht mehr hören können. Aber da müssen sie wohl auch in Zukunft durch, schließlich will Oldenburg das Aggregat marktreif bekommen und ein Unternehmen gründen. Gemäß ihrem Lebensmotto: „Geht nicht, gibt’s nicht.“