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Neue Selbsthilfegruppen Selbsthilfe in Online-Foren

Neue Kräfte mobilisieren: Wir stellen drei Frauen vor, die das über virtuelle Anlaufstellen, klassische Selbsthilfegruppen oder Netzwerke geschafft haben – und sagen, was sich dort Neues tut und wo Vorsicht angebracht ist

Jemandem, den man nicht kennt, kann man alles erzählen. Nach diesem Motto vertrauen immer mehr Menschen auf die Anonymität des Netzes, wenn sie Hilfe brauchen. Ein Klick genügt, sofort findet man neueste Informationen und kann in persönlichem Kontakt mit anderen Erfahrungen und Tipps austauschen. Ohne Verabredung, ohne Anfahrt, ohne Erklärung, ohne Outing der realen Person. Die einschlägigen Anlaufstellen im Internet sind Gesundheitsportale wie netdoktor.de oder Plattformen zu bestimmten Krankheiten wie Krebs (z.B. krebs-kompass.org) oder Essstörungen (z.B. hungrig-online.de). Auch für psychische und soziale Probleme wie Ängste oder Einsamkeit gibt es im Netz spezielle Treffpunkte (z.B. psychic.de).

Doch Vorsicht, nicht überall ist die Hilfe seriös. „Man muss sich die Seiten sehr genau ansehen“, rät Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf, Mitbegründerin von psychic.de: „Auf Foren mit psychologisch sensiblem Inhalt sollten Experten kostenlos kontaktiert werden können. Und die Beiträge müssen von Moderatoren kontrolliert werden.“ Wann man stutzig werden sollte? „Wenn Werbung und Service vermischt und keine Experten genannt werden, jede Beratung Geld kostet.“

Wer seine Krise lieber mit einer Therapie angehen möchte, wird ebenfalls im Internet fündig. Vorreiter war die Universität Amsterdam, die mit Interapy eine Therapieform entwickelte, bei der die Patienten am heimischen Computer betreut werden. In Deutschland existiert ein ähnliches Angebot für krisengeschüttelte Paare: Bei Theratalk können sie, einzeln oder gemeinsam, für 150 Euro pro Woche mit Experten über ihre Probleme chatten.

39% IHRER INTERNET-ZEIT VERBRINGEN DIE USER IN SOZIALEN NETZEN

Aber auch vor solchen Seiten wird gewarnt: Viele Experten monieren, dass bei Internet-Therapien wichtige nonverbale Signale wie Tränen oder eine zitternde Stimme unter den Tisch fallen und der persönliche Kontakt fehlt. „Bei manifesten psychischen Störungen kommt man mit Schreibübungen von zu Hause nicht weiter“, kritisiert Christiane Eichenberg, Psychologin und Internetforscherin an der Universität Köln. Deshalb: Internet-Therapien nur bei leichten Störungen. Und darauf achten, dass mit ausgebildeten Psychotherapeuten und erprobten Konzepten gearbeitet wird!

 

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Autor:
Sibylle Hettich