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Charakter Schluss mit Aufschieben

Mal ehrlich, so ein kleines bisschen kennt jede von uns dieses Phänomen von sich selbst: „Aufschieberitis“. Eine sympathische menschliche Schwäche – die erhebliche Nachteile haben kann.

Couch, Füße

Eigentlich wissen wir genau, was für uns gut und richtig ist: zum Spanischkurs gehen. Oder endlich die Steuererklärung erledigen. Wie gesagt: eigentlich. Denn statt gute Vorsätze in die Tat umzusetzen, putzen wir das Bad oder rufen Mutti an – Ersatztätigkeiten, die weniger nerven als die Steuerformulare. Dinge mit unangenehmem Beigeschmack schieben wir gern vor uns her. Aber nicht nur die. Manchmal vertagen wir sogar unsere Träume. Ist es da nicht höchste Zeit, aufzuwachen?

5 Strategien gegen das Aufschieben.

Entwickelt von Trainerin Sigrid Engelbrecht aus Bayreuth

1. Überblick verschaffen „Diesen Monat liegt so wahnsinnig viel an.“ Begrenzen Sie sich auf drei bis vier wichtige Projekte, die Sie bearbeiten wollen.

2. Nebel beseitigen „Das Projekt scheint unüberschaubar.“ Gliedern Sie die Aufgabe in „Häppchen“, z. B. in Tagesportionen! Das verschafft Übersicht und motiviert zum Durchhalten.

3. Pünktlich anfangen „Ich warte lieber, bis ich in besserer Verfassung bin.“ Legen Sie einen Zeitpunkt fest, an dem Sie beginnen, und halten Sie ihn ein! Denn in die richtige Stimmung für die Steuererklärung kommen Sie vermutlich nie.

4. Innere Impulse abwehren „Ich müsste noch mal schnell ins Internet schauen. Oder vorher kurz telefonieren.“ Schreiben Sie diese kleinen Ablenker auf. So haben Sie den Kopf frei zum Arbeiten. In der Pause können Sie sich damit belohnen.

5. Sich freundlich zurückholen „Heute habe ich mich schon wieder verzettelt.“ Verzeihen Sie sich den Ausrutscher, gehen Sie aber weiterhin konsequent nach Ihrem neuen Arbeitsstil vor. Nur so kann er sich im Gehirn verankern.

Innere Aufschieber nicht verleugnen, sondern erkennen

Wer aufschiebt, vertagt Tätigkeiten, die ihn weiterbringen würden. „Beim chronischen Aufschieben, der sogenannten Prokrastination (lat. procrastinatio: Vertagung, aus pro = für und cras = morgen), unterscheidet man grundsätzlich zwei Typen: den Vermeidungsaufschieber und den Erregungsaufschieber“, erklärt Psychologe Hans Werner Rückert von der FU Berlin. Der Vermeider scheut Anstrengung. Aber nicht nur. Er vertagt Entscheidungen auch, um sich selbst zu schützen. Dahinter stecken Selbstzweifel oder ein Hang zum Perfektionismus. Er befürchtet, seine Arbeit könnte nicht gut genug sein. Darum schiebt er sie so lange vor sich her, bis er irgendwann sagen kann: „In der Kürze der Zeit war nicht mehr möglich.“ Er will nicht als Versager dastehen. Lieber lässt er sich nachsagen, er habe sich nicht angestrengt. Manchmal vertagt er Entscheidungen auch aus Angst vor dem Erfolg. Er würde zwar gern den nächsten Karriere schritt gehen. Aber Aufstieg bedeutet eben nicht nur mehr Anerkennung und Geld, sondern vor allem mehr Verantwortung. Ist all das die Mühe wert? Erst mal abwarten. „Der Erregungsaufschieber dagegen hat andere Motive: Er erledigt grundsätzlich alles auf den letzten Drücker, weil er sich dadurch den Kick holt, den er mit gut geplanter Arbeit nie erreicht hätte“, so Rückert. Wenn jemand erzählt, wie er gerade noch in den Zug gesprungen ist, kribbelt es sogar beim Zuhören. Sowohl der Erregungs- als auch der Vermeidungsaufschieber baut Angst auf, d. h. im Gehirn werden Stresshormone (Cortisol und Adrenalin) ausgeschüttet. Ist das Problem dann vom Tisch, z. B. die Deadline gerade noch so geschafft, lässt der Stress schlagartig nach. Erleichtertes Auf atmen. Fürs Erste.