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Langeweile Ruhephasen richtig nutzen

Langeweile - jeder kennt sie. Keiner mag sie. Aber wir brauchen sie! Ein Experte erklärt im Interview ihre unterschätzten Vorteile.

Ruhephasen richtig nutzen

VITAL: Unsere Terminkalender quellen über, und jede Lücke lässt uns grübeln: Was könnte da noch reinpassen? Geht Ihnen das etwa nicht so?
Olaf Koob: Nein, nicht mehr, obwohl ich auch jahrelang auf der Überholspur gelebt habe und mich ständig unter Druck fühlte. Als ich gesundheitliche Probleme bekam, wurde mir klar, dass ich nicht weiter so durch die Tage hetzen darf, um leistungsfähig zu bleiben.

Das ist leichter gesagt als getan bei all dem Stress, dem wir ausgesetzt sind.
Der französische Philosoph Blaise Pascal schrieb einmal: Das ganze Unglück der Menschen bestehe in ihrer Unfähigkeit, in Ruhe im Zimmer zu bleiben. Erst wenn die äußeren Reize und Stimulationen abnehmen und die Zerstreuung fehlt, kommt man bei sich an. Das fühlt sich nicht immer angenehm an: Wer nicht darin geübt ist, sich auf sich selbst zu konzentrieren, wird unruhig, nervös und versucht sich schnell wieder durch Aktionismus abzulenken.

Warum werden wir unruhig, wenn wir nichts tun?
Es ist sehr anstrengend, sich mit sich selbst zu befassen. Wenn es um uns herum still wird, tauchen Fragen auf, die wir gern verdrängen – eben ob der dauerstressige Job wirklich zu uns passt oder die Beziehung, in der wir nur streiten, uns so guttut. In Ruhephasen spüren wir, dass ständige Hetzerei ein Ablenkungsmanöver darstellt, damit wir uns nicht mit unserem Innenleben beschäftigen müssen. Mit ihrer Hilfe flüchten wir vor Sorgen, Fehlern und Misserfolgen, aber auch vor unserem Anspruch, in dieser Gesellschaft perfekt sein zu müssen. Deshalb erscheint uns die Langeweile bedrohlich und muss bekämpft werden. Das gelingt meist schnell, denn Impulse von außen strömen zur Genüge auf uns ein.