[Alt-Text]

Rätsel-Ich Hirnforschung

Es ist immer da, unser Ich. Aber was ist das? Verhindern gesunde Ernährung und Sport, dass es durch Demenz zerbricht? Hält Jonglieren geistig fit? All diese Fragen können Hirnforscher heute beantworten. 2010 beginnt deshalb das „Jahrzehnt des Geistes“.

Beschreiben Forscher unser Gehirn, sind sie schnell bei der harten Wahrheit. „Es hat eine Konsistenz, die an ein weich gekochtes Ei erinnert“, meint etwa Susan A. Greenfield, Professorin an der Oxford University und weltweit anerkannte Fachfrau für dieses, nun ja, „Weichei“.

Trotzdem kann dieses Etwas ein ganzes Leben erinnern, lieben, erfinden und träumen. Es kann sogar über sich selbst nachdenken. Bei unserem Experten Prof. Manfred Spitzer, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, ist das sogar sehr oft der Fall. Er gehört zu den Hirnforschern, die weltweit das „Jahrzehnt des Geistes“ ins Leben gerufen haben, das 2010 beginnt. Sein Ziel: Ergebnisse der Hirnforschung anzuwenden und praktisch zu nutzen. „Denn sie sind für die Zukunft unserer Gesellschaft von großer Bedeutung“, so Spitzer. In VITAL erklärt er, wieso, und kommentiert faszinierende Studien.

Ein Schrittmacher für das Gehirn

Mit haarfeinen Elektroden, der sogenannten tiefen Hirnstimulation, ist es heute möglich, das unwillkürliche Zittern bei Parkinson (15 000 Neuerkrankungen pro Jahr) einzudämmen. Auch bei schwersten Depressionen, fand die Uni Bonn jetzt heraus, kann sie helfen. „Trotzdem können wir mit dieser Methode bislang nur sehr grobe Voreinstellungen im Gehirn verändern“, erklärt Prof. Spitzer. „Aber in absehbarer Zukunft wird es sicher möglich sein, damit auch höhere Gehirnfunktionen zu beeinflussen.“

„Was Hänschen nicht lernt,…

…lernt Hans nimmermehr.“ Von wegen! Bis ins hohe Alter ist das Gehirn lern- und anpassungsfähig und bildet sogar neue Nervenzellen. Ein besonderer „Klebstoff“ bringt sie dann von ihrem Entstehungs- zu ihrem Einsatzort, wie eine im November veröffentlichte Studie des Helmholtz Zentrums München zeigt. „Das ist das Gegenteil von dem, was ich als Student gelernt habe“, sagt Prof. Spitzer. „Heute wissen wir: Das Gehirn verändert sich andauernd, passt sich an. Es ist nie fertig.“ Was bedeutet das für uns? „Jeder von uns kann bis ins hohe Alter lernen. Und auch, wenn z. B. ein Schlaganfall einen Gehirnteil schädigt, ist eben nicht alles verloren. Ich finde, das ist eine viel optimistischere Sicht der Dinge. “

1 2 3
Schlagworte:
Autor:
Stephan Hillig