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Familie Die Mutter eines Frühchens

Mutter eines Frühchens zu sein – das kennt Silke Mader aus eigener Erfahrung. Jetzt hilft sie anderen Betroffenen Familien.

Hände

Dieses Jahr ist Lukas 15 geworden. Ein cooler Teenager, etwas kleiner als die meisten Gleichaltrigen, aber einer mit viel Biss und Köpfchen. Dass sie ihn haben, darüber freuen sich Lukas’ Eltern jeden Tag. Nur sein Geburtstag sei „emotional immer schwierig“, sagt seine Mutter Silke Mader. „Der 17. Februar ist auch mit schmerzlichen Bildern verbunden.“ Denn Lukas kam als Frühchen zur Welt, dreieinhalb Monate vor dem errechneten Termin.

Ursachen

Wie er werden jährlich mehr als 66000 Kinder in Deutschland vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. Häufig steckt eine Infektion dahinter, aber auch hormonelle Störungen oder Bluthochdruck können den voreiligen Start ins Leben auslösen. „Trotz des medizinischen Fortschritts schweben diese Kinder oft wochenlang in Lebensgefahr, weil die Lunge nicht ausgereift ist oder die Nieren noch nicht funktionieren“, erklärt Silke Mader.

Leben mit einem Frühchen

Geprägt von ihren Erfahrungen, unterstützt sie heute andere Eltern: Nach jahrelanger Arbeit in verschiedenen Selbsthilfegruppen ist die 40-jährige Pädagogin seit 2008 Vorstandsvorsitzende des EFCNI, einer europaweit vernetzten Stiftung, die sich für den Austausch zwischen Ärzten und Wissenschaft, Pflege und Politik einsetzt. Mit ihrem Team in Karlsfeld bei München kämpft Silke Mader um Elterninteressen und Hilfen für die medizinische Versorgung der Kinder. Damit andere es nicht so schwer haben wie sie einst. „Ich war 25 und erwartete Zwillinge, als bei mir in der 24. Woche eine Schwangerschaftsvergiftung festgestellt wurde. Unsere Kinder mussten sofort geholt werden“, erzählt Silke Mader.
Der Eingriff verlief gut, die Babys Lukas und Lena waren mit 500 und knapp 300 Gramm zwar sehr klein, aber fit. Am dritten Tag nach dem Not-Kaiserschnitt jedoch bekam Lena eine Hirnblutung und starb. „Bis heute erscheint mir das völlig surreal. Ich lag auf der Intensiv - station, hatte meine Babys, deren Händchen so groß waren wie Daumennägel, noch nicht mal richtig auf dieser Welt begrüßt und sollte von meiner Tochter schon wieder Abschied nehmen?“
Psychologischen Beistand, Informationen, wie es weitergeht – das hätten Silke Mader und ihr Mann gebraucht. „Mit Lenas Tod und der Sorge um Lukas’ Gesundheit waren wir überfordert.“ Dazu kamen finanzielle Nöte. „Wir hatten gar nicht das Geld für eine Beerdigung oder die täglichen Fahrtkosten. Immerhin wurde Lukas viereinhalb Monate intensivmedizinisch betreut.“

10% aller Babys in Deutschland werden zu früh geboren

Dass Eltern in so einer Situation heute Hilfe finden, verdanken sie auch Silke Maders Schicksal. Die erkennt, wie viel sich getan hat. „Allein die Tatsache, dass auf Frühchen-Stationen auf Lärmvermeidung und gedämpftes Licht geachtet wird, um die Reize zu reduzieren, ist ein Erfolg.“
Doch viele Probleme treten erst Jahre später auf. Lukas war vier, als er wegen eines Hüftschadens monatelang in einer Gipsschale liegen musste. Die Familie hat unendlich viel durchgestanden. Dass andere nicht so viel Kraft haben, weiß Silke Mader. Gerade das motiviert sie.

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Autor:
Sabine Knapp