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Interview Interview: Kraftraubende Menschen

Wenn ein Mensch uns nicht guttut, sollten wir Grenzen setzen. Meike Müller, Coach und Medientrainerin aus Berlin, empfiehlt, einen sauberen Schnitt zu machen, und erklärt, wie das funktioniert.

Grenzen setzen

Vital: Wann ist denn der Punkt gekommen, an dem ich klar und deutlich sagen sollte: Jetzt ziehe ich eine Grenze?
Wenn ein dauerhaftes Ungleichgewicht entstanden ist, beispielsweise, wenn immer der andere im Vordergrund steht und sich das Gefühl einstellt: Die eigenen Belastungen kann ich überhaupt nicht mehr ansprechen. Oder wenn wir spüren, dass die Gespräche immer schleppender vorangehen, obwohl wir eigentlich mit der Person befreundet sind – alles wird zäh, wir wägen ständig ab, was wir sagen können. Das sind Anzeichen dafür, dass die Beziehung nicht stimmt und ich zumindest mal darüber nachdenken sollte, was da los ist.

Interview-Partnerin
Meike Müller

Meike Müller, Coach und Medientrainerin aus Berlin

 

Und wenn die negativen Gefühle übermächtig werden? Sollte ich dann den Kontakt zu diesem Menschen am besten abbrechen?
Wenn es einem über einen längeren Zeitraum so geht, wäre Abbrechen des Kontakts sicher die härteste Maßnahme. Aber das sollte nicht wort- oder kommentarlos geschehen. Ich würde schon mit dieser Person ein Gespräch führen, auch so, dass derjenige sich darauf vorbereiten kann. Im Gespräch sollte man sich gut überlegen, wie man was sagt, die Ich-Aussagen sind dabei ganz wichtig. Ich würde meine eigenen Gefühle, Wünsche und Erwartungen äußern. Natürlich sollte auch der andere die Chance bekommen, seine Meinung dazu zu sagen. Wenn das aber nicht fruchtet und man merkt, das Zusammensein mit dem anderen raubt nur noch Energie, dann sollte man schon konsequent sein. Eine Möglichkeit ist, eine Auszeit zu vereinbaren. Wenn es einem dabei dann richtig gut geht, ist es Zeit für eine Trennung.

 

Wie gelingt es mir, in diesem Fall einen sauberen Schlussstrich zu ziehen?
Auch da gilt, bei sich zu bleiben, möglichst keine Vorwurfshaltung einzunehmen. Das Problem sollte so sachlich wie möglich beschrieben und der eigene Eindruck und die eigenen Belastungen deutlich angesprochen werden. Wichtig ist, dabei den Wunsch zu äußern, ob die Beziehung nur auf Eis gelegt oder grundsätzlich abgebrochen werden soll.

 

Kann ich einen Energievampir denn nicht auch bändigen?
Nein, eher nicht. Was ich mit meinem Verhalten schaffen kann, ist, dass er den Spaß verliert, es überhaupt zu versuchen, indem ich auf Abstand gehe. Oder das typische Verhalten verändere, das ich sonst immer zeige. Menschen sind so gestrickt, dass sie immer versuchen, einen Nutzen zu haben. Wenn der ausbleibt, müssen sie sich etwas anderes einfallen lassen. In der Regel werden sie dann schauen, ob sie es woanders versuchen können.