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Zuversichtlich durchs Leben Riskieren Sie mal was

Jeden Tag müssen wir 1000 Entscheidungen treffen – und zögern. Doch wir besitzen eine Gabe, die unsere Zweifel in Zuversicht verwandeln kann: Risiko-Intelligenz. Wenn wir sie nutzen, macht sie uns stark.
Frau wandern Berg

Die Regenwahrscheinlichkeit liegt heute bei 60 Prozent.“ Was machen wir jetzt? Schirm einpacken oder nicht? 60 Prozent klingt ziemlich hoch. Die meisten würden in so einem Fall morgens zum Knirps greifen. Sicher ist sicher. Bleibt es dann doch trocken, neigen wir A: zu „magischem Denken“ wie kleine Kinder („Klar, nur weil ich den Schirm dabei hatte“) oder B: zu einem kleinen Wutanfall („Sehe nur ich immer so schwarz?“).

Die richtige Entscheidung treffen ist schwer

Dass wir mehrheitlich überhaupt nicht wissen, was diese 60 Prozent genau bedeuten – nämlich: an 60 von 100 Tagen mit so einer Wetterlage wird es regnen –, stört uns nicht weiter. Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn wir Entscheidungen treffen sollen, die unser Leben verändern könnten: Welche Geldanlage ist die beste? An welcher weiterführenden Schule melde ich mein Kind an? Soll ich mich wirklich für eine Doppelhaushälfte am Stadtrand für 25 Jahre verschulden? Niemand weiß doch heute, was in 25 Jahren ist. Schon morgen früh kann die Welt völlig anders aussehen. Oder?

Risiko-Intelligenz

„Wir müssen ständig Risiken abwägen, aber psychologische Studien zeigen, dass wir darin nicht besonders gut sind“, sagt der englische Psychologe Dylan Evans. Je komplizierter wir eine Wahl empfinden, desto eher hören wir auf unseren Bauch. Ohne es zu merken, nehmen wir beim Nachdenken Abkürzungen, die sich „besser anfühlen“ und lassen uns von großen Zahlen blenden.
Die Folge: Entscheidungen, die wir hinterher mehr oder weniger bereuen. Dann ist das Traumhaus futsch, der neue Job vergeben, „unsere“ Geschäftsidee hat längst jemand anders umgesetzt, und das spontane verlängerte Wochenende in Venedig ist ausgebucht.

Schluss damit. Wir können lernen, Risiken besser zu taxieren und mit Ungewissheiten gelassener zu leben. Risiko-Intelligenz nennt Evans diese Gabe, die jeder besitzt, aber zu selten nutzt. „Einfach gesagt, ist es die Fähigkeit, Wahrscheinlichkeiten treffsicher zu schätzen, egal, ob es um Ereignisse im Leben geht, oder darum, ob eine Info, die man gerade gehört hat, stimmt“, so Evans in seinem Buch („RQ Risikointelligenz“, Droemer, 320 Seiten, 19,99 Euro).

Testen Sie Ihre Risikofreude

Unser Test verrät Ihnen, wie risikofreudig Sie bereits sind. Evans fand heraus: Das Testergebnis, der persönliche „Risiko-Typ“, hängt von fünf Störfaktoren ab, die stets dazwischenfunken, wenn wir die Qual der Wahl haben. Wir erliegen zum Beispiel regelmäßig der Illusion, unser Tun sei einflussreicher als der Zufall: Kreuzen wir beim Lotto selbst die Zahlen an, rechnen wir uns höhere Chancen aus, als wenn ein Computer sie für uns auswählt, fanden Sozialpsychologen heraus. Hier finden Sie unseren Test.

Risiko-Intelligenz schulen

Solche Verzerrungen wirken wie kleine Gewichte, die uns beim Abwägen der ganzen Fürs und Widers unbewusst ablenken. Entweder werden wir dadurch leichtsinnig („Was soll schon passieren?“) oder mutlos („Was schiefgehen kann, geht schief“). Das eine wie das andere endet mit einer Entscheidung, die uns nicht behagt. Wer hingegen seine Risiko-Intelligenz schult, entwickelt ein sicheres Gespür dafür, wann Vorsicht sinnvoll und wann stattdessen eine gesunde Portion Selbstvertrauen angebracht ist.

Der richtige Weg zu mehr Zuversicht

Natürlich gelingt das niemandem von heute auf morgen. Doch wenn wir mit den fünf Strategien der Risiko-Intelligenz die Gegenspieler in Schach halten, werden wir mit jeder Entscheidung zuversichtlicher. Das heißt nicht, dass unser Bauchgefühl ab jetzt ausgedient hat. „Reine Kopfentscheidungen gehen meist schief“, bestätigt Evans. Und: Risiko-Intelligenz schützt uns nicht vor Fehlern. Vielmehr zeigt sie uns, dass es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, und lässt uns gleichzeitig eben solche Unsicherheiten als das begreifen, was sie sind: Möglichkeiten. Wir fangen an, das Risiko als eine Seite der Medaille zu betrachten – die andere heißt Chance.

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Autor:
Friederike Schön