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Zufriedenheit im Leben Glück beginnt im Kopf

Hin und wieder ein Glückskick – super! Doch noch wichtiger ist die Lebenszufriedenheit. Und die lässt sich steigern. Mit mehr Achtsamkeit!

Glücksmomente

Alle Menschen wollen glücklich sein, stellte der griechische Philosoph Aristoteles schon vor 2000 Jahren fest. Daran wird sich wohl auch in den nächsten 2000 Jahren nichts ändern. Wir sehnen uns nach den kleinen glücklichen Momenten ebenso wie nach dem großen Lebensglück. Aber ist dieser Wunsch erfüllbar? Kann man glücklich sein – zumindest die meiste Zeit des Lebens? Kommt darauf an, wie man es anpackt, sagen Psychologen. Fangen wir beim kleinen Glück an, dem Glücksmoment. Der jubelt und malt ein Lächeln auf unser Gesicht, wenn wir bei der Lotto-Annahmestelle erfahren, dass wir tatsächlich mehr als fünf Euro gewonnen haben. Oder wenn wir unser Lieblingseisessen. Oder das Schnäppchen erwischen, das wir unbedingt haben möchten.

Hirnforscher konnten sogar einen GLÜCKSMECHANISMUS nachweisen. Bei einer Schnäppchenjägerin funktioniert der zum Beispiel so: Morgens in der Zeitung liest sie, dass ein Technik-Markt genau den Computer günstig anbietet, den sie gerade braucht. Schon kommt ihr Gehirn in Schwung, erklärt Professor Michael Koch, Hirnforscher an der Universität Bremen. „Eine Nervenstruktur im Hirnstamm (ventrales Tegmentum) schickt den Botenstoff Dopamin ins Vorderhirn. Das Dopamin aktiviert das sogenannte Belohnungszentrum (Nucleus accumbens). Das wiederum weckt bei der Schnäppchenjägerin freudige Erwartung.“ – Sie würde am liebsten sofort losfahren, um diesen Computer zu ergattern. Die Vorfreude ist sozusagen die Stufe eins des Glücks. Erst, wenn sie im Laden steht und tatsächlich einen Karton mit dem Wunschcomputer einpackt, schaltet ihr Hirn um auf Glücksstufe zwei. Geschafft!, meldet das Frontalhirn. Sie freut sich und ist glücklich, vielleicht lächelt sie sogar in sich hinein. Und das Gehirn speichert ab: So eine Aktion lohnt sich!

Unser GLÜCKSGEFÜHL ist, biologisch gesehen, schlicht der Lohn für unsere Mühe. Die Aussicht auf das Glücksgefühl motiviert uns, etwas Neues zu lernen, ein kompliziertes Gericht zu kochen oder auf einen Berg zu steigen. Das Glück ist der Kick, der uns am Laufen hält. Blieben wir nach einem glücklichen Tag wunschlos glücklich, gäbe es für uns keinen Grund mehr, morgens aufzustehen. Wer jedoch versucht, sein Lebensgefühl zu verbessern, indem er die Zahl der Glückskicks erhöht, stößt bald an eine Grenze. Denn vieles, was kurzfristig glücklich macht, nutzt sich schnell ab – vor allem Konsum und Besitz. Das lässt sich gut bei Lotto-Gewinnern beobachten: Sie flippen vor Glück aus, sobald sie von ihrem Gewinn erfahren. Aber schon nach wenigen Wochen sind sie subjektiv wieder genauso zufrieden oder unzufrieden mit ihrem Leben wie vor dem Sechser – egal, wie viele Autos, Reisen und Häuser mit Swimmingpool sie sich jetzt leisten können. Das Geld befähigt sie nicht, glücklicher zu sein. Deshalb pendelt sich ihre Lebenszufriedenheit nach kurzer Zeit wieder auf ihren bisherigen „Set-Point“ ein.

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Autor:
Carola Kleinschmidt